Koeps Kino

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Neta Riskin als Naomi in einer Szene des Films „Aus nächster Distanz“. Der Film kommt am Donnerstag in die Kinos.

Neta Riskin als Naomi in einer Szene des Films „Aus nächster Distanz“. Der Film kommt am Donnerstag in die Kinos.

Sam Rockwell als Jason Dickson und Frances McDormand als Mildred Hayes in „Three Billboards Outside Ebbing, Missouri“.

Gordon Timpen/NFP/dpa, Bild 1 von 2

Neta Riskin als Naomi in einer Szene des Films „Aus nächster Distanz“. Der Film kommt am Donnerstag in die Kinos.

redaktion.duesseldorf@wz.de

Three Billboards Outside Ebbing, Missouri

Eine Frau sieht Rot. Das ist zumindest die Farbe von den drei Plakatwänden, die Mildred Hayes an der Eingangsstraße zu der Kleinstadt Ebbing hat aufstellen lassen - und die sind ein Dorn im Auge von Sheriff Willoughby. Denn die resolute Frau hat genug von der Männerwirtschaft in diesem Kaff: nicht nur, dass ihr Mann sie für eine halb so alte, geistig etwas schlichte Frau verlassen hat, nun ist ihre Tochter vergewaltigt und ermordet gefunden worden, und die Gesetzeshüter scheinen völlig untätig zu sein. Auf den riesigen Tafeln fragt Hayes nun, was Willoughby zu tun gedenkt. Alle Anfeindungen der Provinzgemeinde sind der renitenten Frau längst egal und dann kann sie auch handgreiflich werden. Doch dann nimmt die Rebellen-Geschichte eine unerwartet tragische und nicht unbedingt glaubwürdig versöhnliche Wende...

Nach dem schwarzhumorigen „Brügge sehen... und sterben?“ und „Psychos“ hat es den irischen Regisseur Martin McDonagh mit seiner skurrilen Geschichte in den Mittleren Westen verschlagen und er kann Frances McDormand in „Fargo“-Manier glänzend in Szene setzen.

Atelier, Vorpremiere am Mo., 20 Uhr

Die dunkelste Stunde

Parallelen zum Brexit wären rein zufällig. Dennoch besinnt sich das britische Kino derzeit auffällig oft auf das Jahr 1940, als es ganz allein gegen das Nazi-Imperium in Europa stand. Als England 1940 am Rande der Niederlage gegen Hitler-Deutschland stand, übernahm mit Winston Churchill ein entschlossener Hitler-Gegner das Amt des Premierministers. Er schlug alle Verhandlungsstrategien aus, zog die Truppen vom Kontinent zurück und versprach seinen Landsleuten den Sieg, allerdings nur um den Preis von „Blut, Schweiß und Tränen“. Nach einer sehr wechselvollen Karriere voller verheerender Irrtümer sollte der halsstarrige Regierungs-Chef diesmal Recht behalten. Ähnlich wie „The King´s Speech“ (über die Durchhalte-Rede von König George VI.) verbindet „Die dunkelste Stunde“ nun kurios-private Einblicke mit einer historischen Ansprache zur unterhaltsamen Geschichtsstunde nicht nur für Brexit-Patrioten. Gary Oldman geht förmlich auf in der Rolle des launischen Snobs, gewieften Taktikers und kaltschnäuzigen Hasardeurs, der seine liebenswürdige Seite nur der diplomatisch begabten Gattin (Kristin Scott Thomas) offenbart. Und dabei entwickelt der Film die Legende von der wahren Inspiration für seine berühmte „Wir werden uns nie ergeben“-Rede vom 14.6.1940.

Cinema, Vorpremiere am Mo. um 19 Uhr (engl. OmU)

Die Spur

Wie Mildred Hayes in „Three Billboards...“ ergeht es auch der Ingenieurin Duszejko in der polnischen Provinz. Die engagierte Tierschützerin ist die blutrünstige Jägerkameraderie der Honoratioren ihres Dorfes ein Dorn im Auge. Doch steckt die esoterische Pazifistin tatsächlich hinter der rätselhaften Serie von Todesfällen, die einen Jäger nach dem anderen heimsucht? Nach und nach zeigt sich, dass die Dorf-Außenseiter einiges gemeinsam haben... Die polnische Star-Regisseurin Agnieska Holland („In Darkness“) liefert mit ihrem Öko-Krimi ein bitterbös-satirisches Porträt der patriarchalischen Strukturen ihres Heimatlandes.

Metropol, tgl. 19 Uhr (am Mo. im poln. OmU)

Wonder Wheel

Auch mit 82 bleibt sich Woody Allen treu und produziert regelmäßig neue Komödien, in denen sich mittlerweile prominente Casts drängeln. Wie in den letzten Jahren zeigt der Altmeister eine nostalgisch überzeichnete Vergangenheit mit gewohntem satirischen Augenzwinkern: Überraschungen sind im 47. (!) Film von Allen nicht zu erwarten, aber irgendwie ist es doch schön, einmal im Jahr gewohnte Allen-Qualität goutieren zu können. New York in den späten 1950er Jahren: mit Jobs im Amüsierpark von Coney Island halten sich Humpty und Ginny (James Belushi u. Kate Winslet) einigermaßen über Wasser. Eines Tages taucht die kesse Carolina auf und behauptet Humptys Tochter zu sein. Doch damit nicht genug, die junge Dame hat sich auch mit dem Gangstersyndikat eingelassen... - Vorpremiere am Di. um 19 h im Metropol (engl. OmU)

Voll verschleiert

Das französische Kino nimmt ein ernstes Thema auf die betont leichte Schulter: Islamismus und Kopftuch sind die Zielscheiben einer turbulenten Culture-Clash-Liebeskomödie. Die Studenten Armand und Leila lieben sich, doch als Leilas Bruder Mahmoud aus Arabien zum strenggläubigen Muslim gewandelt zurückkehrt ist die Beziehung in Gefahr. Um Leila sehen zu können, muss Armand sich als Frau verkleiden. Doch ausgerechnet die Frau unter dem Tschador hält Mahmoud für die Frau, die ihm Allah ausgesucht hat...

Metropol, tgl. 21.30 Uhr (Mo. im frz. OmU)

Das Leuchten der Erinnerung

Statt ihr Restleben in Arztpraxen zu verschwenden, beschließen Ella und John noch einmal ihr altes Wohnmobil zu entmotten und auf eine Traumreise zu gehen. Von Boston führt der Weg die Ostküste hinab bis nach Key West in Florida. Nicht nur die Ärzte sind entsetzt, auch die Kinder machen sich Sorgen um das nicht mehr allzu rüstige Paar: John leidet unter Alzheimer und Ella hat Krebs. Doch nach 50 Jahren Ehe sind die beiden ein eingespieltes Team und gegenseitig können sie ihre mentalen und körperlichen Gebrechen kompensieren... Der arg erbaulich Senioren-Trip von Paolo Virzi kann trotz prominenter Besetzung mit dem Duo Helen Mirren und Donald Sutherland atmosphärisch kaum überzeugen.

Cinema, tgl. 14, 16.30 u. 19 Uhr, am So. um 19 Uhr im engl. OmU

© WhatsBroadcast

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