Sina Jung (24) hat für ihre Diplomarbeit eine Internetseite gestaltet, auf der sich „Rheinzicken“ verbal prügeln dürfen.

Sina Jung ist Düsseldorferin – und mit einem Kölner zusammen. So kam sie zu ihrer Diplomarbeit.
Sina Jung ist Düsseldorferin – und mit einem Kölner zusammen. So kam sie zu ihrer Diplomarbeit.

Sina Jung ist Düsseldorferin – und mit einem Kölner zusammen. So kam sie zu ihrer Diplomarbeit.

Stefan Arend

Sina Jung ist Düsseldorferin – und mit einem Kölner zusammen. So kam sie zu ihrer Diplomarbeit.

Düsseldorf. "Vor fünf Minuten habe ich die Internetseite freigeschaltet." Stolz schaut die 24-jährige Sina Jung auf den Bildschirm ihres Laptops. "Die Fehde kann jetzt gelebt werden." Die Wahl-Düsseldorferin hat für ihre Diplomarbeit in Kommunikationsdesign an der Fachhochschule die Kölsch-Düsseldorfer Feindschaft unter die Lupe genommen. Und ihr mit der Webseite "Rheinzicken.de" ein Portal geschaffen.

Seit Freitag präsentiert Sina ihre Arbeit in den Räumen der FH in Golzheim. Große Ortsschilder von "Köln" (bei dem allerdings die letzten beiden Buchstaben durchgestrichen sind) und Fortuna-Schals neben Millowitsch-Witzesammlungen - gesäumt von Zitaten auf Pappschildern: "Was ist eine Blondine zwischen zwei Kölnern? Die Schlaueste!"

Das Thema für ihre Diplomarbeit ist Sina fast in den Schoß gefallen: Sie ist mit einem Kölner zusammen. Hier wird sie ausgebuht, wenn sie mit seinem Auto und Kölner Nummernschild unterwegs ist - die Freunde von dort weigern sich penetrant, in Düsseldorf feiern zu gehen. Sina hängt dazwischen: "Ich könnte nie in Köln leben - eine sehr enge Stadt", sagt sie. "Aber Karneval feiere ich auf jeden Fall dort."

Schuld an der Feindschaft war wohl die Industrialisierung

Bei anderen strittigen Themen hält sich Sina lieber raus: "Ich trinke nur Radler!" Ohnehin versteht sie den Streit ums Bier nicht. In der FH macht sie während ihrer Präsentation mit Besuchern den Geschmackstest mit verbundenen Augen: Kölsch oder Alt? "Die meisten liegen daneben", sagt die Studentin.

Die gepflegte Hassliebe hat ihren Recherchen zufolge profane Gründe: "Schuld war offenbar der Wettbewerb während der Industrialisierung", sagt Sina. Ein reichlich alter Hut. Sinas Seite soll der Hassliebe auf beiden Seiten wieder Munition geben. Zunächst muss sich jeder User für eine Stadt entscheiden - und kann dann Grußworte anschauen (in Düsseldorf von Bäcker und Ex-Prinz Josef Hinkel), in der Historie der Heimat wühlen, beim Städtequiz gegen die rheinischen Nachbarn antreten - und natürlich schreiben, warum die eigene Stadt die definitiv bessere ist.

Eine "sehr gute Note", sagt Sina, hat sie für die Diplomarbeit bekommen. Und die ersten Visitenkarten von potenziellen Arbeitgebern. "Aber ich such’ jetzt erst mal Werbepartner für meine Seite", sagt Sina. Uerige und Früh-Kölsch wären ihr für den Start am liebsten.

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