Etwa alle zweieinhalb Wochen muss wegen Störungen gesperrt werden. Stadt sieht darin kein Grundsatzproblem.

Etwa alle zweienhalb Wochen muss wegen Störungen gesperrt werden. Stadt sieht darin kein Grundsatzproblem.
Fast alle zwei Wochen war der Kö-Bogen-Tunnel in diesem Jahr bereits gesperrt.

Fast alle zwei Wochen war der Kö-Bogen-Tunnel in diesem Jahr bereits gesperrt.

Gerhard Berger

Fast alle zwei Wochen war der Kö-Bogen-Tunnel in diesem Jahr bereits gesperrt.

Düsseldorf. Gefühle können trügerisch sein, Zahlen sind es dagegen selten. Gefühlt ist der Kö-Bogen-Tunnel jeden Monat für ein paar Tage gesperrt. Die Zahlen zeigen Folgendes: In diesem Jahr gab es vier angekündigte Sperrungen, meist über das Wochenende, und sieben unangekündigte Sperrungen. Letztere aufgrund von Störungen wie einem Brandalarm. Alle zweieinhalb Wochen eine Sperrung. Im Jahr 2016 waren es 18 angekündigte Sperrungen. Es stellt sich die Frage: Ist das richtig so?

Das städtische Amt für Verkehrsmanagement ist sich sicher: Hier liegt kein grundsätzliches Problem vor. „Wir haben es mit einem technisch sehr komplexen Tunnel zu tun. Allein die Löschanlage ist ein sehr aufwendiges System. Eine ganz feine Löschtechnik, die jedes Feuer in den Griff bekommt. Deshalb ist die Tunnel-Technik aber auch anfälliger“, erklärt der stellvertretende Amtsleiter Holger Odenthal.

Etwa alle zweienhalb Wochen muss wegen Störungen gesperrt werden. Stadt sieht darin kein Grundsatzproblem.
Foto: Judith Michaelis

Aktueller Blick in den Tunnel, der gestern befahrbar war.

Seit Ende 2015 dürfen Autos durch die vier Tunnelröhren unter dem Kö-Bogen fahren.  Tatsächlich habe es sich bei allen Sperrungen um die Behebung von Störungen gehandelt, auch bei den angekündigten, die oft als „Wartungsarbeiten“ deklariert worden waren. „Es ist völlig normal, dass jetzt zu Beginn etwa falsche Einstellungen zutage kommen, die dann nachjustiert werden müssen“, sagt Odenthal. Und diese falschen Einstellungen fielen nun mal erst im Betriebsalltag auf. Er erinnert sich an einen Laster, der heißen Straßenbelag geladen hatte und im Tunnel stehenbleiben musste. Die Brandmeldeanlage, die auch auf Hitze reagiert, habe dann natürlich ausgelöst. „Wir haben die Temperaturempfindlichkeit inzwischen verringert.“

Diese „Kinderkrankheiten“, wie der Amtsvize sie nennt, seien normale Begleiterscheinungen eines solchen Neubaus. Mehrkosten seien für die Stadt dadurch aber nicht entstanden: Die fälligen Arbeiten fielen alle unter die Wartungsverträge mit den Firmen, die die verschiedenen Gewerke im Tunnel gebaut haben. Und auf deren Arbeit gebe es etwa zwei Jahre Garantie. Kurz vor Ablauf dieser würde noch einmal alles auf Herz und Nieren geprüft.

In Zukunft sollen die regulären Wartungsarbeiten je nach zu überprüfendem System ein Mal im Monat bis ein Mal im Jahr durchgeführt werden und zwischen 100.000 und 470.000 Euro kosten. Wie hoch die Betriebskosten insgesamt sein werden, sei derzeit noch nicht abzusehen, heißt es vonseiten der Stadt. Kritiker hatten im Vorfeld des Projekts immer wieder eine Summe von etwa 24 Millionen pro Jahr befürchtet. So hoch werden die Kosten aber nicht sein, da ist sich Odenthal sicher.

Mehr Wartungsarbeiten als etwa im Rheinufertunnel soll es planmäßig auch nicht geben: Auch der habe Systeme wie Luftüberprüfung, Brandschutz, Anzeigen und Lautsprecher, die es in gewissen Abständen zu überprüfen gilt.

Für Peter Meintz, Pressesprecher des ADAC Nordrhein-Westfalen, liegen die Sperrungen im Bereich des Normalen. „Wir gehen zwar davon aus, dass nach ein paar Monaten bis zu einem Jahr nach Inbetriebnahme des Tunnels alle Nachjustierungen abgeschlossen sein sollten. Wenn es aber um sehr moderne und komplexe Techniksysteme geht, kann es auch schon mal länger dauern.“ Er betont, dass es zu bedenken gilt, dass solche Tunnel schon in Betrieb genommen werden, bevor sie endgültig fertiggestellt sind. Damit der Verkehr schon mal fließen kann. Dass dann noch für einige Arbeiten der Tunnel wieder gesperrt werden muss, liege daran, dass ein Befahren des Tunnels während der Kalibrierung von Anzeigen etwa zu gefährlich wäre. „Stellen Sie sich vor, die Tempo-Anzeige wechselt im Sekundentakt und blinkt. Das würde viel Verwirrung stiften. Und die sollte es in einem Tunnel nicht geben“, erklärt Meintz.

Die Sperrungen der Vergangenheit hätten auch ihr Gutes, ist sich Holger Odenthal vom Amt für Verkehrsmanagement sicher: Denn sie hätten gezeigt, dass die Autofahrer sich im Falle einer Sperrung – auch bei einer spontanen – immer richtig verhalten hätten. Und Gelegenheit, das unter Beweis zu stellen, ist bald auch schon wieder: Vom 24. bis zum 28. August wird der Kö-Bogen-Tunnel von 21 Uhr abends bis 6 Uhr morgens gesperrt. Der Grund: Wartungsarbeiten.

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