Dass ein „Kopfgeld für Patienten“ auch an Düsseldorfer Ärzte gezahlt wird, ist möglich – versteckt ist es in Verträgen.

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Ganz so offen, wie auf diesem Bild wird die Einweiserprämie wohl nicht gezahlt, aber vermutlich fließt sie auch in Düsseldorf.

Ganz so offen, wie auf diesem Bild wird die Einweiserprämie wohl nicht gezahlt, aber vermutlich fließt sie auch in Düsseldorf.

dpa

Ganz so offen, wie auf diesem Bild wird die Einweiserprämie wohl nicht gezahlt, aber vermutlich fließt sie auch in Düsseldorf.

Düsseldorf. Das Thema Einweiserprämie, ein "Kopfgeld" für niedergelassene Ärzte, die ihre Patienten in ein bestimmtes Krankenhaus einweisen, ist in aller Munde - und sorgt zunächst für eins, für Verunsicherung.

"Ich wurde heute Morgen permanent von meinen Patienten darauf angesprochen", sagt Dr. Jutta Fleckenstein, Hausärztin mit Praxis am Konrad-Adenauer-Platz. Sie selbst hat noch von keiner Klinik ein entsprechendes Angebot bekommen, würde es auch nicht annehmen. "Aber ich kann mir schon vorstellen, dass solche eine Prämie gezahlt wird."

Kopfgeld gibt es in Düsseldorf offiziell nur als bloße Möglichkeit

Eine Fangprämie zumindest im Bereich des Möglichen kann sich auch Matthias Dargel vorstellen, Vorstandssprecher der Kaiserswerther Diakonie und seit kurzem Geschäftsführer des Düsseldorfer Krankenhausverbandes. "Von konkreten Fällen ist mir nichts bekannt, ausschließen kann ich es aber nicht." Damit fasst er zusammen, was - wenig überraschend - aus fast allen Düsseldorfer Kliniken zu hören ist.

"Kein Kopfgeld", heißt es vom Evangelischen Krankenhaus, "wir zahlen keine Einweiserprämie" lässt auch der Verbund Katholischer Kliniken mitteilen. Die Sana-Kliniken verweisen auf eine interne "Richtschnur für die Kooperation mit niedergelassenen Ärzten", wonach alle Kliniken des Konzerns verpflichtet sind, keine Verträge mit Ärzten abzuschließen, in denen diesen ein "Entgelt oder Vorteile für die Zuweisung von Patienten versprochen wird".

"Es gibt Grauzonen", sagt der Chef des Krankenhausverbands

Dennoch weiß Dargel von Möglichkeiten, wie Ärzten die Einweisung in ein bestimmtes Krankenhaus schmackhaft gemacht werden könnte. "Es gibt Grauzonen, in denen auch versteckte Einweiserprämien existieren." Etwa bei Kooperationsverträgen zwischen Kliniken und niedergelassenen Ärzten. Da werden beispielsweise Leistungen, die Ärzte im Vorfeld einer Operation erbringen, von den Kliniken vergütet. "Wenn dafür ein unangemessen hoher Preis bezahlt wird, ist das bedenklich", sagt Dargel.

Versteckte Prämien häufig bei der Integrierten Versorgung (IV)

Mit der Integrierten Versorgung (IV) soll die Zusammenarbeit von Ärzten, Krankenhäusern und Reha-Einrichtungen gestärkt werden. Theoretisch profitiert der Patient davon, weil ambulante und stationäre Versorgung besser vernetzt werden. Krankenkassen, (Fach-) Ärzte, Kliniken und Reha-Zentrenschließen IV-Verträge ab.

Deutlichere Worte findet Leonhard Hansen, Chef der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Nordrhein. "Wo leistungslose oder zu hohe Zahlungen erfolgen, ist das klares Unrecht und kriminell." Kenntnis von solchen Fällen in Düsseldorf hat er nicht, sieht aber einen Schwachpunkt in Verträgen der Integrierten Versorgung (IV, siehe Kasten), die es auch in Düsseldorf reichlich gibt.

"Die Verträge werden meist gehütet wie eine Blackbox. Oft tauchen darin versteckte Prämien in Form von Leistungspauschalen auf." Die IV sei politisch gewollt und eine "Stilblüte des staatliche geförderten Wettbewerbs" unter Kliniken. "Ärzte und Kliniken profitieren davon, eine klassische Win-Win-Situation. Wer wirft da schon den ersten Stein?"

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