Vorstoß für eine bessere Hygiene bei der Schön-Klinik in Heerdt trifft auf Verständnis – und Ablehnung.

Vorstoß für eine bessere Hygiene bei der Schön-Klinik in Heerdt trifft auf Verständnis – und Ablehnung.
Das Desinfizieren der Hände gehört in Krankenhäusern inzwischen zu den wichtigsten Hygiene-Maßnahmen.

Das Desinfizieren der Hände gehört in Krankenhäusern inzwischen zu den wichtigsten Hygiene-Maßnahmen.

Sie stellten im Januar die neuen Pläne für das Heerdter Dominikus-Krankenhaus (seitdem heißt es Schön-Klinik) vor (v.l.): Christof Wald, der ärztliche Direktor, Michael Schlickum, Geschäftsführer des Hauses (er wechselt zu den Paracelsus-Kliniken) und Carla Naumann von der Schön-Klinikgruppe.

Sie stellten im Januar die neuen Pläne für das Heerdter Dominikus-Krankenhaus (seitdem heißt es Schön-Klinik) vor (v.l.): Christof Wald, der ärztliche Direktor, Michael Schlickum, Geschäftsführer des Hauses (er wechselt zu den Paracelsus-Kliniken) und Carla Naumann von der Schön-Klinikgruppe.

Stephanie Pilick, Bild 1 von 3

Das Desinfizieren der Hände gehört in Krankenhäusern inzwischen zu den wichtigsten Hygiene-Maßnahmen.

Düsseldorf. Händeschütteln verboten: In der Heerdter Schön-Klinik soll offenbar das in unseren Breiten üblichste Begrüßungsritual weitgehend abgeschafft werden – der Hygiene zuliebe. Der Vorstoß im Kampf gegen die gefürchteten resistenten Keime in Krankenhäusern war nach WZ-Informationen Thema bei der Experten-Gesprächsreihe „Schön im Dialog“ in dieser Woche im ehemaligen Dominikus-Krankenhaus.

Denn klar ist: Die Hände sind nicht nur der Dreh- und Angelpunkt bei der medizinischen Hygiene und zugleich – um im Fachbild zu bleiben – ihre Achillesferse. Über sie werden die meisten Keime verbreitet, so oft und gründlich kann sich im Grunde kein Arzt, keine Krankenschwester die Hände desinfizieren – ganz abgesehen davon, dass das permanente Einreiben der Hände mit Flüssigkeiten wie Sterillium irgendwann auch jede robuste Haut gefährdet.

Professor Andreas Meyer-Falcke, der Gesundheitsdezernent der Stadt, die Teil des Netzwerkes gegen multiresistene Erreger (MRE) ist, nennt ein „Hände-weg-Gebot“ in Krankenhäusern „absolut nachvollziehbar“: „Ja ich stehe dem grundsätzlich positiv gegenüber, wohl wissend, dass ein solcher Schritt viele Patienten erst einmal verstören kann.“ Denn natürlich sei der persönliche und eben auch körperliche Kontakt im Verhältnis von Ärzten und Pflegen für viele Menschen schlicht selbstverständlich. In der bundesweiten Zentrale der Schön-Kliniken relativiert Sprecherin Astrid Reining die Maßnahmen: „Unsere Häuser sind nicht grundsätzlich händeschüttelfrei, es soll aber auf jedes unnötige Händeschütteln verzichtet werden.“ Im übrigen verfahre man standort- und abteilungsspezifisch, heißt: im psychosomatischen Bereich zum Beispiel könne oft selbstverständlich weiter die Hand gegeben werden – anders sehe es auf einer chirurgischen Station mit vielen Frischoperierten aus. Generell ist und bleibe die „ordnungsgemäße Händedesinfektion das wichtigste Mittel gegen die Keimübertragung“, betont Reining.

Bei akuten Infektions- und Virenfällen wie der Grippe haben es Kliniken, Schulen, Unternehmen oder ganze Stadtverwaltungen schon öfter mit Kampagnen gegen den Händedruck versucht: „Wir verzichten auf ein Händeschütteln und schenken Ihnen ein Lächeln“, lautete das Motto vor ein paar Jahren in Würzburg. Generell verboten wurde das Händeschütteln 2014 im Bochumer Augusta-Krankenhaus, 2015 in einer Klinik im Westerwald.

In anderen Düsseldorfer Krankenhäusern winkt man noch ab: „Ein Verzicht auf Händeschütteln ersetzt nicht die hygienische Händedesinfektion“, heißt es beim Verbund der katholischen Kliniken (VKKD, u.a. Vinzenz, Augusta, Marienhospital). Daneben setze man vor allem auf flächendeckende Aufnahmescreenings, um MRSA-Infektionen zu verhindern, zudem habe der VKKD hausintern drei weitere Experten eingestellt, die zusammen mit 29 hygienebeauftragten Ärzten Antibiotikavergabe und potentielle Infektionsquellen in den Häusern gezielt unter die Lupe nähmen, teilt Sprecher Martin Schicht mit.

Auch die Hygieniker der Uni-Klinik wollen von einem strikten „Händeschüttel-Verbot“ nichts wissen: Dafür habe man doch Händedesinfektionsmittel. Sprecherin Susanne Dopheide sagt aber auch: „Ärzte und Pflegekräfte geben schon länger ohnehin nur möglichst selten Patienten oder Besuchern die Hand.“

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