Geschäftsführer der Stammzellen-Klinik soll sogar eine Yacht in der Türkei gekauft haben.

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Düsseldorf. Wegen des Todes eines 18 Monate alten Jungen, der mit der umstrittenen Stammzellen-Therapie behandelt wurde, muss sich eine Neurochirurgin zurzeit vor dem Landgericht verantworten. Die 59-jährige Ärztin hatte von einem enormen „wirtschaftlichen Druck“ gesprochen, der in der Privatklinik herrschte. Dafür soll vor allem der Geschäftsführer verantwortlich gewesen sein. Der 56-Jährige saß jetzt auf der Anklagebank, weil er rund 1,5 Millionen Euro ergaunert haben soll. Sogar das Geld für eine Stiftung soll fast komplett verschwunden sein.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem Pharma-Berater insgesamt 96 Taten von „gewerbsmäßiger Untreue“ vor. Jahrelang soll er als Geschäftsführer der Klinik, die sich auf einer Etage im Dominikus-Krankenhaus eingemietet hatte, Gelder für private Zwecke veruntreut haben. Der erste Fall stammt aus dem Sommer 2006. Da wurden 353 000 Euro für eine Motoryacht in die Türkei überwiesen.

Parallel zu der Privatklinik soll der Angeklagte noch weitere Firmen betrieben haben, unter anderem mit seiner Ehefrau. Die Gehälter dafür habe er in erheblichem Maße über die Stammzellen-Klinik finanziert. Außerdem gibt es etliche Rechnungen für private Reisen rund um die Welt oder teure Restaurant-Besuche. Mal soll sich der Pharma-Berater für 3000 Euro bei einem exklusiven Herren-Ausstatter eingekleidet haben, mal bekam seine Ehefrau einen groß´zügigen 30 000 Euro-Kredit von einem Konto der Klinik.

Trotz hoher Umsätze wurde immer mehr Geld verlangt

Eine Viertelmillion Euro hatten die zwei Gesellschafter der Klinik außerdem für eine Stiftung zur Stammzellen-Forschung überwiesen. Auch das Geld ist nach den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft bis auf einen kleinen Restbetrag verschwunden. Die beiden Finanziers hatten das Strafverfahren ins Rollen gebracht. Ihnen waren Unregelmäßigkeiten aufgefallen. Denn obwohl die Klinik gute Umsätze machte, soll der Geschäftsführer immer wieder weitere Investitionen gefordert haben. Nachdem der Pharma-Berater abgelöst wurde, beantragte sein Nachfolger 2011 Insolvenz. Die Klinik wurde geschlossen.

Die Verhandlung vor dem Amtsgericht war schnell beendet. Mit einem Geständnis hätte der Prozess beendet werden können, doch dazu war der 56-Jährige nicht bereit. Nun müssen Zeugen gehört werden.

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