Stadt fordert einen Klimagipfel. Ganz Düsseldorf soll fürs Energiesparen begeistert werden.

Umwelt
Das neue Gaskraftwerk ist noch im Bau. Es soll einen Weltrekord in Effizienz aufstellen.

Das neue Gaskraftwerk ist noch im Bau. Es soll einen Weltrekord in Effizienz aufstellen.

Die „Passiv-Schule“ in Eller spart 80 Prozent an Energie. Archiv

Sergej Lepke, Bild 1 von 2

Das neue Gaskraftwerk ist noch im Bau. Es soll einen Weltrekord in Effizienz aufstellen.

Düsseldorf. Mit ihrem Klimaschutzprogramm hat sich die Stadt ein ehrgeiziges Ziel gesetzt: Bis 2050 will sie klimaneutral sein. Was bedeutet, dass klimaschädigende Treibhausgase vermieden oder durch Aufforstung abgefangen werden. In nüchternen Zahlen ausgedrückt, dürfen dann nur noch durchschnittlich pro Einwohner und Jahr zwei Tonnen Kohlendioxid ausgestoßen werden. Jetzt sind es 8,1 Tonnen.

Bei prognostizierten 615 000 Einwohnern 2050 wären das 1,23 Millionen Tonnen im Jahr – eine Reduzierung gegenüber 2007 (damals 5,73 Tonnen) um 78 Prozent. Damals startete das zunächst auf fünf Jahre angelegte Klimaschutzprogramm „Die Schöpfung bewahren – 30 Initiativen für den Klimaschutz“. Nahziel war, in dieser Zeit den stadtweiten CO2-Ausstoß um zehn Prozent zu reduzieren. Das hat sogar ein Jahr früher geklappt.

„Unser ehrgeiziges Ziel ist von der Stadt allein nicht zu schaffen. Alle Bürger müssen mitmachen“
Helga Stulgies, Umweltdezerntin

Die Stadtverwaltung selbst hatte sich für diesen Zeitraum sogar ein noch ehrgeizigeres Ziel gesteckt: Sie wollte in ihren Immobilien über 20 Prozent, beziehungsweise 24 000 Tonnen Kohlendioxid, einsparen. Das gelang halbwegs dank vieler Fotovoltaikanlagen auf den Dächern der städtischen Gebäude und denen der Stadttöchter wie Flughafen, Stadtentwässerungsbetrieb und Stadtwerke.

Ein städtisches Vorzeigeprojekt war vor sechs Jahren der Erweiterungsbau des Lore-Lorentz-Kollegs als Passivhaus, bei dem der durchschnittliche Energiebedarf einer Schule um 80 Prozent gesenkt wurde. „Weil aber die Stadt inzwischen gewachsen ist und neue Kindergärten und Schulen, zum Teil in Containerbauweise, hinzukamen, haben wir unser städtisches Ziel knapp verfehlt“, gibt Umweltdezernentin Helga Stulgies gegenüber der WZ zu.

Derzeit liegt der Jahresausstoß von CO2 bei rund 5,3 Millionen Tonnen. Würde die Reduzierung im bisherigen Tempo voranschreiten, käme die Stadt auf 3,7 Millionen Tonnen im Jahr – Klimaneutralität wäre dann nicht gewährleistet. Deshalb beschloss der Umweltausschuss jüngst eine Fortschreibung des Klimaschutzprogramms– zunächst einmal bis 2025 – und stellte dafür 150 000 Euro bereit.

Eine detaillierte Ist-Analyse als Basis für weitere Maßnahmen

Als ersten Schritt soll bis November ein externer Gutachter eine umfassende Analyse aller klimarelevanten Zustände und Aktivitäten der Stadt erstellen. Darauf aufbauend werden mit den Stadtwerken, dem Flughafen, aber auch den Kirchen und anderen Gruppierungen konkrete Vorschläge erarbeitet, wie ein Leben in einem klimaneutralen Düsseldorf aussehen könnte. „Da wir unsere Umweltziele als Stadt allein nicht schaffen, müssen wir die ganze Gesellschaft fürs Energiesparen begeistern“, sagt Stulgies. Dieser Prozess könnte das ganze Jahr 2016 hindurch dauern, die Ergebnisse sollen 2017 der Politik vorgestellt werden. Erste Umsetzungen sind ebenfalls schon 2017 angestrebt.

Ganz vorn dabei beim Energieeinsparen sind die Stadtwerke. Denn wenn nächstes Jahr das neue Gaskraftwerk auf der Lausward in Betrieb geht, wird es mit einem Wirkungsgrad von mehr als 61 Prozent bei der reinen Stromerzeugung einen Weltrekord an Effizienz aufstellen. „Kraft-Wärme-Kopplung“ heißt laut Stadtwerkesprecherin Christine Näckel das Zauberwort, das das ermöglicht. Denn die Energie, die bei der Stromherstellung entsteht, wird als Fernwärme weitergeleitet. Das Kraftwerk ist zudem so angelegt, dass es passgenau den Strom und die Wärme erzeugt, die in der Stadt gebraucht werden.

Erwärmung bringt mehr Sonne und mehr Hochwasser

Ein Problem ist neben der Stromerzeugung auch die Erderwärmung. So ist der Jahresmittelwert in der Stadt seit Beginn der Aufzeichnungen 1890 um ein Grad gestiegen. In den letzten 60 Jahren hat sich die Zahl der Sommertage mit Temperaturen über 30 Grad von 30 Tagen auf über 40 Tage pro Jahr erhöht. Im Gegenzug haben sich die Regentage mehr auf den Winter konzentriert - mit entsprechender Überflutungsgefahr. Auch hier soll ein Konzept erarbeitet werden, mit welchen Mitteln man diese Entwicklung verlangsamen kann.

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