Das Düsseldorfer Unternehmen XCell will mit Stammzellen bisher unheilbare Krankheiten heilen – eine Behandlung verlief tödlich.

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Stammzellforscher untersuchen Risiken der Stammzelltherapie.

Stammzellforscher untersuchen Risiken der Stammzelltherapie.

dpa

Stammzellforscher untersuchen Risiken der Stammzelltherapie.

Düsseldorf. Unheilbare Krankheiten wie Diabetes, Alzheimer oder Parkinson verspricht das Düsseldorfer Unternehmen XCell mithilfe einer Stammzelltherapie heilen können. Einen kleinen Jungen aus Rumänien hat diese Therapie nach Angaben der Düsseldorfer Staatsanwaltschaft das Leben gekostet.

Bei zwei weiteren Kindern kam es nach der Behandlung zum Teil zu lebensbedrohlichen Komplikationen. So wäre ein zehnjähriger Junge aus Aserbaidschan, der wegen seiner epileptischen Anfälle Stammzellen ins Gehirn gespritzt bekam, durch den Eingriff fast im Rollstuhl gelandet - eine Notoperation der Uniklinik Düsseldorf rettete ihn.

Für das anderthalbjährige Kind aus Rumänien, dem ebenfalls Stammzellen ins Gehirn injiziert wurden, kam alle Hilfe zu spät. Als es nach Komplikationen in die Krefelder Helios-Kliniken gebracht wurde, konnten ihm die Ärzte nicht mehr helfen.

Führende Stammzellforscher halten die Behandlung für experimentell

"Wir ermitteln in drei Fällen gegen eine Ärztin, die bei XCell beschäftigt war", sagt Christoph Kumpa von der Düsseldorfer Staatsanwaltschaft.

Der Vorwurf: Die bei XCell angestellte Ärztin habe Stammzellen verabreicht, ohne dass dieses Verfahren medizinisch indiziert sei und die Eltern ausreichend informiert wurden. Aus Sicht von Stammzellforschern ist die Behandlung mit Stammzellen derzeit noch "völlig experimentell".

Nach Informationen der "Wirtschaftswoche" hatte der Geschäftsführer von XCell, Cornelis Kleinbloesem, erst in Holland das Unternehmen "Cell4Health" gegründet, musste es aber 2006 schließen, nachdem die Regierung beschloss, Stammzelltherapien nur an akademischen Einrichtungen zu gestatteten. Seit 2007 gibt es XCell in Deutschland.

Das Kompetenznetzwerk Stammzellforschung ist eine Initiative des nordrhein-westfälischen Wissenschaftsministeriums. Die XCell-Therapieangebot wird kritisch gesehen.

Klinische Studien, die Risiken von Stammzelltherapien erforschen sollen, befinden sich laut Ira Herrmann, Sprecherin des Kompetenznetzwerks Stammzellforschung, erst in Phase I. Herrmann: "Bei der Therapie mit Stammzellen gibt es drei Dinge zu beachten: Die entnommenen Zellen müssen im Labor umgewandelt werden.

Zum zweiten müssen sie an die richtige Stelle im Körper gelangen und zum dritten müssen sie dort bleiben, sich integrieren und die gedachte Funktion übernehmen." Gerade der dritte Punkt mache den Forschern aber Schwierigkeiten. "Es konnte noch nicht geklärt werden, wie dieser Teil vor sich geht. Oft funktioniert es auch gar nicht und die Zellen sterben ab oder es bilden sich andere Zelltypen."

Für Preise von 8.000 bis 25.000 Euro stellen XCell weiterhin die Heilung von bislang als unheilbar geltenden Krankheiten in Aussicht. Rein rechtlich befindet sich das Unternehmen XCell dabei auf der sicheren Seite: Eine Erlaubnis für die Entnahme von Stammzellen wurde von der Landesregierung erteilt.

Eine Zulassung, Therapien mit den entnommenen Stammzellen durchzuführen, muss erst bis Ende 2012 eingeholt werden. Bis dahin gilt eine Übergangsfrist, die auf der Übernahme von EU-Recht auf deutsche Gesetze beruht.

Das Unternehmen will sich laut seinem Anwalt Ralf Friedhofer nicht zu den Vorwürfen äußern. Vorerst sollen jedoch keine Behandlungen mehr durchgeführt werden, bei denen Stammzellen ins Gehirn injiziert werden.

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