Nach dem Tod von Helmut S. wollen dessen Kinder aus erster Ehe Geld von der Witwe und Augenzeugin.

klage
Am 17. Juni 2010 werden Helmut S. (82) und Mara (39) in Hassels erschossen.

Am 17. Juni 2010 werden Helmut S. (82) und Mara (39) in Hassels erschossen.

Simone D., Schwägerin der Witwe Eleonore S., kämpft an deren Seite um das Erbe von Mara.

Stefan Arend, Bild 1 von 2

Am 17. Juni 2010 werden Helmut S. (82) und Mara (39) in Hassels erschossen.

Düsseldorf. Der 17. Juni 2010 ist der Tag, an dem sich das Leben von Eleonore S. in einen ständigen Alptraum verwandelt. Ein Fremder klingelt an der Tür, sperrt die damals 81-Jährige in ein Zimmer. Als sie sich befreit hat, findet sie ihren Mann Helmut (82) und Tochter Mara (39) auf dem Boden liegend, mit Schüssen in den Hinterkopf hingerichtet. Helmut S. ist sofort tot, Mara stirbt wenig später in einer Klinik. Im Februar dieses Jahres wird schließlich Eleonores Sohn Detlef W. als Auftraggeber des grausamen Doppelmordes verurteilt. Und jetzt muss sich die Witwe auch noch mit der Familie ihres Mannes um Geld streiten.

Tochter und Sohn aus der ersten Ehe von Helmut S. wollen das Erbe ihres Vaters antreten. Aber nicht nur seines. Auch das ihrer verstorbenen Halbschwester, zu der sie nie Kontakt hatten. Hintergrund ist eine in diesem Fall bizarre Rechtslage, erklärt Brigitte Lasota, Anwältin von Eleonore S.: Da Helmut S. vor seiner Tochter starb, rückten seine Kinder als Erben an seine Stelle.

Mara S. wünschte sich eine Stiftung – die Erben lehnen ab

Die erste Klage flatterte der Witwe ins Haus, kurz nachdem der Erbschein im Februar 2011 ausgestellt worden war. Zunächst ging es den Kindern um eine angeblich lückenhafte Aufstellung des Vermögens. Denn Eleonore S. hatte ihrem Sohn zuvor 245 000 Euro geliehen. Diese offene Forderung gegenüber dem Auftraggeber des Mordes haben die Hinterbliebenen von Helmut S. ebenfalls geerbt – sie fehlte aber in der ursprünglichen Auflistung.

Inzwischen hat Brigitte Lasota das nachgeholt. Dennoch kommt das Verfahren seit fast anderthalb Jahren nicht voran. Eleonore S. schlug vor, das gesamte Vermögen in eine Stiftung für Umweltschutzprojekte zu stecken, wie Mara es sich immer gewünscht hatte. Keiner sollte aus dem brutalen Verbrechen einen persönlichen Vorteil ziehen. Doch die Erben lehnten ab. Sie wollen das Geld. Immerhin geht es allein bei Maras Vermögen um rund 200 000 Euro. Gleichzeitig, erklärt die Anwältin, ließen Antworten der Gegenseite aber immer wieder Monate auf sich warten. „Juristisch kann man ihnen das nicht vorwerfen“, sagt Lasota. Doch für die Witwe wird das Verfahren zur Zerreißprobe.

Witwe Eleonore S. will nur noch mit dem Fall abschließen

Loslassen kann die inzwischen 84-Jährige angesichts der immer wieder ins Haus kommenden Anwaltspost nicht. „Sie erinnert Frau S. immer wieder daran. Sie will nichts mehr mit diesen Leuten zu tun haben“, sagt die Anwältin. Immerhin seien diese nicht einmal zur Beerdigung des Vaters erschienen. Wie schlecht es Eleonore S. geht, erlebt ihre Schwägerin Simona D. seit über zwei Jahren mit. „Sie schläft mit einem Foto von Helmut und Mara, weint sehr viel.“ Am liebsten wolle sie bei ihnen sein. Sie ist bereit, den Kindern ihres Mannes zu zahlen, was ihnen zusteht. Sie will einfach nur ihre Ruhe. Endlich. Und so bald wie möglich.

Das Verfahren hat ergeben: Detlef W. beauftragte einen Handlanger, seinen Stiefvater und die Stiefschwester zu töten. Beide Täter wurden zu lebenslanger Haft verurteilt.

Helmut S. und Mara S. wollten verhindern, dass Detlef W. weiteres Geld von der Mutter bekam – deshalb mussten sie sterben.

Leserkommentare


() Registrierte Nutzer