Evangelisch: Für mehr Solidarität und gegen Ausgrenzung wird bei Gottesdiensten, Foren und Aktionen geworben – auch in den Gemeinden selbst.

Beim Mittagessen (hier im Anne-Frank-Haus) soll kein Schüler ausgegrenzt werden.
Beim Mittagessen (hier im Anne-Frank-Haus) soll kein Schüler ausgegrenzt werden.

Beim Mittagessen (hier im Anne-Frank-Haus) soll kein Schüler ausgegrenzt werden.

Nanninga

Beim Mittagessen (hier im Anne-Frank-Haus) soll kein Schüler ausgegrenzt werden.

Düsseldorf. Dass die evangelische Kirche und die Diakonie eine gemeinsame Offensive gegen Armut und soziale Ausgrenzung starten, hat einen aktuellen Bezug: "Aber nicht zum Westerwelle-Hartz-IV-Streit", betont Superintendent Ulrich Lilie, "sondern zum Europäischen Jahr 2010 gegen Armut." Man wolle keine Neiddebatte und natürlich sei Armut in einer relativ reichen Stadt nicht mit der Not etwa in Haiti zu vergleichen, sagt Diakoniepfarrer Thorsten Nolting: "Aber Armut ist ein wachsendes Problem und das macht auch vor Düsseldorf nicht halt."

Ausgehend von der Ermahnung im Hebräer-Brief "Gutes zu tun und mit anderen zu teilen vergesset nicht" wollen die Protestanten soziale Not und Strategien zu ihrer Linderung noch öffentlicher machen. Derzeit leben in den 33000 Hartz-IV-Gemeinschaften etwa 61000 Menschen, die Sozialexperten der Stadt prognostizieren, dass die Zahl in diesem Jahr auf bis zu 70000 steigt. Nolting lobt ausdrücklich das Hilfsangebot der Stadt: "Düsseldorf tut da viel, aber viele finden keinen Zugang zu den Hilfssystemen."

"Auch viele Gemeinden sind noch sehr mittelschichtorientiert"

Kirche und Diakonie wollen aber keineswegs nur nach außen dringen, sondern auch nach innen, in die Kirchengemeinden. "Die sind oft noch sehr mittelschichtorientiert", gibt Ulrich Lilie zu, soziale Grenzen bestünden sowohl in und zwischen den Gemeinden in wohlhabenden und weniger wohlhabenden Stadtteilen.

Lilie: "Wir spüren Ausgrenzung auch in unseren Kitas, wo Kinder der Kosten wegen vom Mittagessen abgemeldet werden oder bei Konfirmandenfreizeiten, wo manche nicht mitfahren können." Dagegen müsse man christliche Solidarität setzen. Pfarrer Heinz-Werner Frantzmann (Diakonie) freut sich umso mehr, dass etwa "die reichen Gemeinden Oberkassel und Kaiserswerth jetzt Hilfsprojekte für andere Stadtteilgemeinden entwickeln".

So soll ein gutes Gemeindeleben konkret etwas verändern, auch wenn gerade die sozial Schwächeren nicht unbedingt eifrige Kirchgänger sind. Aber auch zu denen wird der direkte Kontakt gesucht: "Wir sind ja nah bei ihnen, 1000 allein sehen wir fast täglich bei unseren Mittagstafeln, die immer mit einer Sozialberatung verbunden sind", sagt Thorsten Nolting. Am 29. April feiert man in der Bergerkirche aber zudem einen Gottesdienst parallel zur Lebensmittelausgabe, - mit und für die Bedürftigen.

Eines soll also aus den Gottesdienst, Diskussionen und Foren nicht folgen: "Dass wir mal darüber geredet haben und uns dafür auf die Schulter klopfen", sagt Lilie: "Armut und Ausgrenzung sind ein Skandal, den Kirche, Gesellschaft und der Staat niemals hinnehmen dürfen."

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