Düsseldorfs Betreiber fürchten Streamingdienste nicht als Konkurrenz. Mit Sonderaktionen möchten sie Besuchern etwas bieten.

Düsseldorfs Betreiber fürchten Streamingdienste nicht als Konkurrenz. Mit Sonderaktionen möchten sie Besuchern etwas bieten.
Cinestar-Theaterleiter Helmut Rehbein blickt positiv in die Zukunft. Ein Kinobesuch sei ein Erlebnis, sagt er. Archiv

Cinestar-Theaterleiter Helmut Rehbein blickt positiv in die Zukunft. Ein Kinobesuch sei ein Erlebnis, sagt er. Archiv

Der Film „Aus dem Nichts“ mit Diane Kruger lockt derzeit viele Menschen in die Düsseldorfer Kinos.

Melanie Zanin, Bild 1 von 2

Cinestar-Theaterleiter Helmut Rehbein blickt positiv in die Zukunft. Ein Kinobesuch sei ein Erlebnis, sagt er. Archiv

Und es gibt sie noch, die Kinofans. „In der zweiten Hälfte des vergangenen Jahres habe ich mich zwar zeitweise wirklich gefragt, wo die ganzen Leute sind“, blickt Kalle Somnitz, Programmleiter der Düsseldorfer Filmkunstkinos zurück. „Das war ein ziemlich schlechtes Halbjahr“. Mit dem Januar habe sich die Situation aber nun völlig verändert. „Derzeit explodiert es bei uns regelrecht.“ Solche Schwankungen seien in den Programmkinos zwar normal und kämen immer wieder vor, so Somnitz weiter. Dennoch beobachtet er eine enorme Veränderung der gesamten Branche.

„Im Home-Bereich tut sich eine Menge“, erklärt er. „Die Leute zappen kaum noch, sondern streamen immer mehr.“ Sprich Internetdienste wie Netflix und Co., die Kunden ein Programm ganz nach persönlichem Geschmack ermöglichen, gewinnen zunehmend an Bedeutung. Und wer zu Hause sein individuelles Wunschprogramm genießen kann, muss dafür nicht mehr ins Kino gehen, oder?

„Klar haben wir dadurch eine ganz neue Konkurrenz bekommen“, sagt Kalle Somnitz. Mitbewerber habe es aber immer gegeben, nur eben andere. „Früher waren es Videotheken, heute sind es Streamingdienste.“ Die Konkurrenz fürchtet der Programmleiter grundsätzlich nicht. „Das Erlebnis Kino bleibt“, ist er überzeugt. Das Ausgehen, der abgedunkelte Raum, sich ganz auf einen Film einlassen. „Das ist etwas Anderes als zu Hause vor dem Laptop zu sitzen, im Hintergrund läuft die Waschmaschine und es klingelt auch noch an der Tür.“

Das sieht auch Helmut Rehbein, Theaterleiter im Cinestar-Kino, so. „Kino ist nicht nur eine Filmabspielstätte“, sagt er, „sondern vielmehr ein sozialer Treffpunkt, ein Familienfreizeitort, ein Ort für Verliebte.“ Verschließen könne man sich der modernen medialen Entwicklung sowieso nicht, ergänzt Nadine Breuer (UCI). „Man sollte sie vielmehr als Herausforderung begreifen, das besondere Erlebnis Kino lebendig zu halten und immer wieder neu zu erfinden.“

Ticketverkauf per Smartphone geplant

Immer in Bewegung bleiben, das hält auch Kalle Somnitz für das richtige Erfolgsrezept. „Einerseits müssen wir darauf achten, unsere Handschrift nicht zu verlieren. Auch wenn es bei uns mittlerweile Filme wie „Star Wars“ zu sehen gibt, suchen wir unser Programm weiter nach Qualität und nicht nach Verkaufszahlen aus.“ Andererseits dürfe sich das Programmkino aber nicht vor moderner Technik verschließen. Mit Jahresbeginn ist die neue, moderne Internetseite der Filmkunstkinos Düsseldorf online gegangen, auch eine Facebookseite gibt es längst. Einen Ticketverkauf per Smartphone wünscht sich der Programmleiter zudem für die Zukunft.

Das Vorgehen der Filmkunstkinos scheint zu funktionieren. „Zumindest haben wir mittlerweile viel mehr junge Besucher“, freut sich Kalle Somnitz. Insgesamt waren es 170 000 im vergangenen Jahr, drei Prozent weniger als im Vorjahr. Der beliebteste Film war „La La Land“ Anfang des Jahres. Derzeit laufen Loving Vincent“ und „Aus dem Nichts“ sehr gut. Auch in den großen Multiplex-Kinos wie dem Cinestar und dem UCI war „La La Land“ im vergangenen Jahr besonders erfolgreich, ebenso wie auch „Fack Ju Göhte 3“ und der zweite Teil der „Fifty Shades of Grey“-Trilogie. Besucherzahlen für 2017 nannten beide Kinos nicht.

Um Besuchern etwas Besonderes zu bieten, bietet das UCI spezielle Veranstaltungen wie etwa Frauen- oder Familienvorführungen an. Im Cinestar-Kino kommen zudem Live-Übertragungen von Konzerten oder anderen Veranstaltungen gut an. Zunehmend gefragt seien auch Vorführungen in russischer, polnischer oder indischer Sprache, sagt Helmut Rehbein.

„Es ist wichtig, in den ersten drei Monaten des Jahres ein starkes Programm zu haben“, weiß Kalle Somnitz. „Denn im Frühling, wenn das Wetter gut wird, wollen die Leute raus und nicht mehr unbedingt Filme schauen – egal, ob im Kino oder zu Hause.“

Leserkommentare


() Registrierte Nutzer