Neue Grundstücksbesitzer klagen und setzen sich durch. Vorher hatten sie das Wasser für das Gelände abgestellt.

Neue Grundstücksbesitzer klagen und setzen sich durch. Vorher hatten sie das Wasser für das Gelände abgestellt.
Nur Blumen reicht nicht – Obst und Früchte sollen in einem Kleingarten gedeihen. Archiv

Nur Blumen reicht nicht – Obst und Früchte sollen in einem Kleingarten gedeihen. Archiv

dpa

Nur Blumen reicht nicht – Obst und Früchte sollen in einem Kleingarten gedeihen. Archiv

Düsseldorf. Mehr als 40 Jahre war die Welt für die Kleingärtner am Brückerbach in Ordnung. Bis vor zwei Jahren neue Eigentümer einen Teil des Geländes in Wersten gekauft haben. Die machen den Laubenpiepern seitdem das Leben schwer, haben im Oktober vergangenen Jahres sogar Strom und Wasser abgestellt. „Von 15 Gartenbesitzern haben bis auf vier schon alle aufgegeben“, sagt der Vereinsvorsitzende Karl-Heinz Petri, gegen den ebenfalls eine Räumungsklage läuft. Gestern kämpfte Altstadtwirt Peter Tuxhorn um sein kleines Paradies – am Ende vergeblich.

„Wir haben den Garten vor 39 Jahren gepachtet und praktisch nichts verändert“, erzählt der Gastronom, der seit 44 Jahren im „Julio’s“ hinter der Theke steht. Allerdings nutzt er den Kleingarten mit Ehefrau Angelika nur zur Erholung: „Die einzige Freizeitbeschäftigung neben dem Lokal.“ Darum steht dort auch nur ein Kirschbaum, der Früchte trägt. Das sei auch in all den Jahren niemals ein Problem gewesen und wurde auch nicht beanstandet.

Neue Grundstücksbesitzer klagen und setzen sich durch. Vorher hatten sie das Wasser für das Gelände abgestellt.

(Altstadt-Wirt und Kleingärtner Peter Tuxhorn (Archivfoto: Arend))

Dies änderte sich mit den drei neuen Besitzern, die möglicherweise ganz andere Pläne mit dem Kleingartengelände haben. Sie schickten Tuxhorn die Kündigung, weil er seine Parzelle nicht den Vorschriften entsprechend nutze. „Obst, Gemüse und andere Früchte“ müssen dort laut Kleingartengesetz angebaut werden. Das allerdings ist inzwischen nur noch schwer möglich, denn im vergangenen Oktober wurden den Laubenpiepern Strom und Wasser abgesperrt. Angeblich wegen der ungelösten Abwasserproblematik, die auch vielen anderen Vereinen zu schaffen macht. Allerdings hat die Stadt den Kleingärtnern eine Kulanzfrist gelassen, um eine einvernehmliche Lösung zu erreichen.

Bezirksbürgermeister Graf: „Das ist moralisch verwerflich“

Auf die Frage der Richterin, wie denn Kleingärten ohne Wasser bewirtschaftet werden sollen, erklärten die neuen Besitzer, dass man ja zum Beispiel Regenwasser sammeln könne. Am Ende einigten sich beide Parteien auf einen Vergleich, zu dem die Richterin dringend geraten hatte. Die Familie Tuxhorn wird ihr kleines Paradies Ende September räumen: „Mit schwerem Herzen. Aber es bleibt nichts anderes übrig.“

Was aus den anderen Kleingärtnern wird, ist noch unklar. Es gehe gar nicht um Obst und Gemüse. „Die wollen uns loswerden“, ist Petri überzeugt. Seine Mitglieder werden angeblich mit Abmahnungen der neuen Eigentümer überschüttet. Außerdem wurde die Zufahrt zu der Anlage abgesperrt: „Wir sind alles alte Leute. Für uns war es wichtig, mit dem Auto zum Garten zu fahren.“

Schon mehrfach hat der Kleingartenverein die Politik um Hilfe gebeten. „Aber wir sind machtlos, weil es sich um ein Privatgrundstück handelt“, erklärt Bezirksbürgermeister Karl-Heinz Graf. Er betrachtet die Entwicklung mit Sorge und stellt fest: „Das ist moralisch verwerflich, muss aber juristisch abgearbeitet werden.“ Und da sieht es für die Werstener Gartenfreunde im Moment nicht gut aus.

Leserkommentare


() Registrierte Nutzer