Geplant ist eine Veranstaltung nach Ostern im Maxhaus. Die Zahl der Kirchenaustritte ist im März deutlich angestiegen.

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Michael Hänsch, Geschäftsführer der katholischen Kirche, organisiert die geplante Veranstaltung im Maxhaus nach Ostern.

Michael Hänsch, Geschäftsführer der katholischen Kirche, organisiert die geplante Veranstaltung im Maxhaus nach Ostern.

Michael Hänsch, Geschäftsführer der katholischen Kirche, organisiert die geplante Veranstaltung im Maxhaus nach Ostern.

Düsseldorf. Sexueller Missbrauch von Kindern: Wohl noch nie in ihrer langen Geschichte stand die katholische Kirche unter so großem öffentlichen Druck wie in den vergangenen Wochen. Auch in Düsseldorf sind katholische Würdenträger und Gläubige schockiert und verunsichert - obwohl bislang keine lokalen Missbrauchsfälle bekannt geworden sind.

Austritte: Eine regelrechte Austrittswelle, wie sie derzeit durch bayrische Bistümer schwappt, gibt es hier nicht. "Aber die Zahlen sind in den letzten Wochen schon angestiegen", sagt Stefan Coners, der Sprecher des Amtsgerichtes, wo Kirchenaustrittsgesuche eingereicht werden.

In diesem Monat verließen bis zum 18. März 110 Katholiken die Kirche, im gesamten Januar oder Februar waren es "nur" 104. Begründen müssen die Leute ihre Entscheidung nicht, "aber gerade aktuell kriegen wir hier schon mündliche Hinweise auf das Thema Missbrauch", sagt Coners.

Der indes vor Verallgemeinerungen warnt: "Bei den allermeisten Kirchenaustritten war und ist die Steuerersparnis der Hauptgrund. Etwaige Kirchen-Skandale sind höchstens der letzte Anlass." Stadtkirche: Michael Hänsch, der Geschäftsführer des Stadtdekanats, hat bisher wenig Reaktionen von Gläubigen.

"Wenn überhaupt, waren das aufmunternde Briefe", sagt er. Allerdings habe es im Foyer des Maxhauses bei Veranstaltungen schon Beschimpfungen gegeben. Hänsch: "Eine Ordensschwester zum Beispiel wurde wirklich bösartig und unverschämt mit dem Hinweis Missbrauch angeranzt."

Laut Amtsgericht traten in Düsseldorf im Januar 2010 104 katholische und 88 evangelische Christen aus der Kirche aus. Im Februar 104 Katholiken und 73 Protestanten, im März (bis 18.3.) 110 beziehungsweise 32. Im Jahre 2009 gab es insgesamt 1.411 katholische und 1.094 evangelische Austritte.

Beim Erzbistum Köln gibt es Informationen zum Thema Missbrauch und eine Anlaufstelle für Opfer. Details im Internet.

Berichten kann Hänsch von einem Missbrauchsfall, den ihm ein heute 60-jähriger Katholik vor kurzem geschildert hat: "Er erzählte, wie er Mitte der 50er-Jahre im Kindergarten am Vinzenz-Krankenhaus von einem Geistlichen sexuell massiv genötigt worden ist, und dass er darunter lange gelitten habe." Hänsch gab alles an den zuständigen Domkapitular beim Erzbistum Köln weiter, der dem Mann daraufhin einen Entschuldigungsbrief geschickt habe.

Gemeinden: Laut Stadtdekanat haben am vergangenen Sonntag - auch anlässlich des Hirtenbriefes von Benedikt XVI. - viele Pfarrer in ihren Predigten zum Thema Missbrauch klar Stellung bezogen. So auch Pfarrer Ansgar Steinke vom Pfarrverband Flingern-Düsseltal: "Von den Gemeindemitgliedern wird das Ganze erstaunlich wenig thematisiert. Es ist eher umgekehrt, dass wir nachfragen. Und dann kommt man schnell ins Gespräch, oft sehr differenziert", sagt Steinke.

Veranstaltung: Stadtdechant Rolf Steinhäuser bereitet mit Hänsch eine öffentliche Veranstaltung zum Thema Missbrauch im Maxhaus vor. Sie soll kurz nach Ostern stattfinden. Steinhäuser: "Viele Menschen bewegt das und die Verunsicherung ist groß."

"Wir können als Kirche nicht bei der Debatte um Kreuze im Gericht ein großes Fass aufmachen und uns dann bei diesem schmerzlichen Thema wegducken", sagt Hänsch. Katholikenrat: Peter-Michael Minnema, der Vorsitzende der katholischen Laienorganisation in Düsseldorf, begrüßt diesen Schritt: "Vieles ist viel zu lange unter den Teppich gekehrt worden, wir sollten auch in Düsseldorf offensiv damit umgehen."

Zum Thema Zölibat sagt Minnema: "Es ist mir viel zu spekulativ zu sagen, der Zwang zu Ehelosigkeit und Keuschheit begünstigte solche Übergriffe." Die Kirche müsse den Zölibat aber generell hinterfragen: "Denn der gehört sicher nicht zu den fundamentalen Grundsätzen unseres Glaubens."

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