Hotel, Rheinterrasse, Bürgersaal – in den Sälen hieß es am Wochenende wieder: „Jeck we can“ feiern bis der Arzt kommt.

Düsseldorf. Wenn die Prinzengarde Rot-Weiss zu ihrer Galasitzung einlädt, wird an nichts gespart. Schon das Foyer des Hilton wurde am Samstagabend unter dem Motto "Circus Maximus" dekoriert, auf einem Großbild-Fernseher fuhr Ben Hur seinen Widersachern davon.

Die Bühne war mit einem riesigen Tiger geschmückt, den sich die Narren in der Wagenbauhalle ausgeliehen hatten. Passend dazu wurde Gast-Sitzungspräsident Lothar Hörning mit einem römischen Streitwagen in den Saal gefahren.

Da wollte auch das Prinzenpaar nicht optisch aus dem Rahmen fallen. Obwohl bei dem engen Terminkalender eigentlich keine Pause zum Umziehen ist, kamen Dirk und Janine in römischen Uniformen.

Den amtierenden Prinzen, der gerade zum zweiten Vorsitzenden der Rot-Weissen gewählt worden ist, werden die Narren wohl im nächsten Jahr wiedersehen. Er gilt als heißer Favorit auf das Präsidentenamt, das nach dem Rücktritt von Peter König nach wie vor vakant ist. Am Samstag machte Dirk Kemmer jedenfalls beste Werbung in eigener Sache.

Ausnahmsweise begann die Sitzung bereits um 17.30 Uhr - das war die Bedingung, damit De Räuber nach Düsseldorf kamen. Die Kult-Band aus Köln brachte den Saal auch gleich in Schunkel-Stimmung.

Mit Hätzblatt, der Band ohne Bart und Alt-Schuss wurde den Jecken jede Menge Musik geboten, auch Bauchredner Fred van Halen räumte ab. Büttenredner haben es bei dem Publikum der Garde, das vor allem feiern will, immer etwas schwerer. Narren, die weiter hinten im Saal sitzen, klagten, dass sie kaum etwas verstehen konnten.

Weissfräcke: Jede Menge Prominenz in der Rheinterrasse

Es ist noch nicht lange her, da feierten die Weissfräcke mit mehr als 800 Gästen in der Stadthalle. Inzwischen sind sie in die Rheinterrasse umgezogen und am Samstag schunkelten rund 500 Narren im Saal. "Das sind aber mehr als im vergangenen Jahr", war Weissfräcke-Sprecher Michael Riemer trotzdem zufrieden.

Für Jürgen Hilger-Höltgen, der als Fimännchen zuvor bei der Prinzengarde Rot-Weiss seine liebe Mühe hatte, eine angenehme Sache - denn im Saal war es mucksmäuschenstill, als er seine Rede mit vielen Wortspielen präsentierte. "Der Karneval steht an einem Wendepunkt. Er ist auch ein Stück rheinische Kultur, da geht es nicht nur ums Abfeiern", machte Hilger-Höltgen nach seinem Auftritt deutlich, "wir müssen uns gesundschrumpfen. Büttenreden kommen am besten an, wenn nicht mehr als 400 Leute im Saal sitzen."

Die Prominenz hält den Weissfräcken die Treue. Im Saal saßen unter anderem Unesco-Sonderbotschafterin Ute Ohoven, Oberbürgermeister Dirk Elbers, der Präsident des Heinrich-Heine-Freundeskreises, Karl-Heinz Theisen und Lutz Lienenkämper, der NRW-Minister für Bauen und Verkehr. Den kennt Weissfräcke-Präsident Burkard Brings schon seit vielen Jahren: "Wir wohnen beide in Meerbusch."

Rheinische Garde Blau-Weiß: Wunderkerzen-Verbot

Es gibt Dinge, die passen einfach nicht zusammen, zum Beispiel die Rheinische Garde Blau-Weiß und der Henkel-Saal. Schon beim Einmarsch musste Präsident Dirk Kronauer auf die Spaßbremse treten. Die obligatorischen Wunderkerzen durften nicht angezündet werden, weil es keine feuerfesten Tischdecken gab. Auch mit dem Gastro-Angebot waren die Narren unzufrieden - das beschränkte sich auf Würstchen, Frikadellen, Kartoffelsalat und Brezeln. Kronauer: "Da haben viele nichts gegessen."

Unverständnis auch bei der Garde Rheinfeuer Koblenz: Die Tänzer mussten sich in einem zwölf Quadratmeter großen Raum umziehen, weil es in dem neuen Saal an einer richtigen Künstler-Garderobe fehlt. Im nächsten Jahr wird der Verein wohl wieder in die Rheinterrasse zurückkehren. Trotz der kleinen Probleme ließen sich die Narren ihre gute Laune nicht verderben.

Riesenapplaus gab es für die Strasser-Garde aus dem Badischen mit ihren Schotten-Röcken, die eine Punktlandung hinlegte und vom Bus aus sofort auf die Bühne marschierte, und für die Altstadtfunken aus Monheim. So ganz nebenbei bewiesen die Jecken auch noch Herz und sammelten 325 Euro für Kinder in Haiti.

Stachelditzges waren schon in Umzugs-Stimmung

Mit dem Schild "Wir ziehen um" wurden die Gäste der KG Stachelditzges in der Schule an der Graf-Recke-Straße begrüßt. Denn im nächsten Jahr werden die Karnevalisten in den Henkel-Saal an der Ratinger Straße umziehen. "Wir werden auch nicht jünger", begründet Geschäftsführer Gerd Zündorf die Entscheidung. Denn die Schule muss aufwändig dekoriert und mit Saal-Technik ausgestattet werden. Die Arbeit sparen sich die Narren in ihrem neuen Domizil. Drei mal elf Jahre werden die Stachelditzges in diesem Jahr.

Zum Jubiläum zog das Prinzenpaar gemeinsam mit dem Elferrat ein. Geboten wurde den 480 Narren (nur elf Karten blieben übrig) ein buntes Programm, das von dem Comedian Mr. Peabody bis Renate Fuchs, der Callas von Köln, reichte. Zum Finale zog dann die Prinzengarde Blau-Weiss alle Register.

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