Der OSD will mit nächtlichen Kontrollen Obdachlose schützen. Manche schaffen den Weg in die Armenküche nicht.

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Helmut Spedowski (re.) holte sich gestern ein warmes Essen in der Armenküche.

Helmut Spedowski (re.) holte sich gestern ein warmes Essen in der Armenküche.

Bernd Schaller

Helmut Spedowski (re.) holte sich gestern ein warmes Essen in der Armenküche.

Düsseldorf. Im Sommer kocht Helmut Spedowski immer selbst. Meist grillt er, weil er doch in den warmen Monaten etwas mehr Geld zur Verfügung hat. Dann hilft der 62-Jährige auf Schützenfeesten und bessert so seine kargen Arge-Bezüge von 360 Euro monatlich auf.

An diesem Tag jedoch steht er pünktlich um 12.15 Uhr vor der Armenküche in der Altstadt. Bei den aktuellen Minustemperaturen kommt er täglich aus Bilk hierher und nimmt eine warme Mahlzeit zu sich. "Aber nur im Winter", betont er. 25 Jahre war er obdachlos, seit drei Jahren hat er ein Appartement.

Helmut Spedowski verhält sich gegen den Trend, denn ausgerechnet im Winter hat die Armenküche oft weniger Zulauf. "Den Menschen ist der Weg im Winter zu beschwerlich", sagt Marion Gather, Leiterin der Armenküche. "Viele sind krank oder alt. Ihnen fällt das Laufen schwer, und ein Bahnticket können sich die wenigsten leisten."

Die Kälte verschärft die schlechte körperliche Verfassung

Schon seit ein paar Wochen sind Streetworker, Ordnungs- und Servicedienst (OSD) sowie die Mitarbeiter der Hilfeeinrichtung besonders aufmerksam. Die arktischen Temperaturen von minus 10 bis 15 Grad aus dem vergangenen Jahr wurden zwar noch nicht erreicht, aber die langanhaltende Kälte macht vor allem den Wohnungslosen zu schaffen.

Viele sind in schlechter körperlicher Verfassung. "Wir werden so schnell wie möglich an den einschlägigen Treffpunkten eine heiße Suppe ausschenken", sagt Klaus Kehrbusch, Diakon in Flingern und Mitglied im Verein Flingern Mobil. Zurzeit wird noch geklärt, wie die Suppe etwa zum Bahnhof transportiert werden kann. "Wir wollen das mit einem extra dafür hergerichteten Fahrrad bewältigen", sagt Kehrbusch.

Die Zahl der ständig auf der Straße lebenden Menschen schwankt nach Schätzungen zwischen 150 und 250. Dazu kommen rund 800 Menschen, darunter auch Familien, die in den Notunterkünften der Stadt leben. Manche verbringen dort Jahre.

Wer beobachtet, dass ein Obdachloser auf der Straße schläft und nicht mehr ansprechbar ist, der ruft unter Telefon 112 den Rettungsdienst. Für Hinweise allgemeiner Art ist der Ordnungs- und Service-Dienst zuständig. Er ist erreichbar unter Telefon 899-4000

Bis zu 200 Menschen leben in Düsseldorf ständig auf der Straße, die meisten verweigern auch im Winter die zur Verfügung stehenden Notschlafstellen. Tagsüber achten die Streetworker auf die Obdachlosen, nachts übernimmt das der OSD.

"Wir kennen die Orte, an denen sie übernachten und fahren gezielt dorthin, um nach ihnen zu schauen", sagt Peter Theisen, stellvertretender Leiter des OSD. Seine Leute haben Ende vergangenen Jahres zwei Menschen vor dem Erfrieren gerettet.

"Wir sprechen die Leute an und schauen, in welcher Verfassung sie sind", sagt Theisen. "Allerdings können wir niemanden zwingen, in eine Notschlafstelle zu gehen." Wer jedoch alkoholisiert und hilflos ist, wird sofort ins Krankenhaus eingeliefert.

Stadt sagt: Es gibt genug Notschlafstellen

Im vergangenen Jahr wurde auf Initiative von Oberbürgermeister Dirk Elbers im Januar bei minus 15 Grad ein Zelt am Rheinufer aufgestellt. Dort konnten Obdachlose ganz unbürokratisch unterkommen. "Wir können dieses Angebot von jetzt auf gleich wieder realisieren", sagt der Leiter des Sozialamtes Roland Buschhausen.

"Allerdings gibt es zurzeit noch kein entsprechendes Signal von den Streetworkern oder dem OSD." Niemand, betont Buschhausen, müsse in Düsseldorf auf der Straße schlafen. Es gebe ausreichend Kapazitäten in den Notschlafstellen.

Hubert Ostendorf, Chef der Obdachlosenzeitung Fifty-Fifty, fordert dagegen mehr Offenheit. "Man sollte nachts die U-Bahnhöfe für Obdachlose öffnen. Es gibt eben Menschen, die sind für keines der herkömmlichen Angebote zu haben. Im Winter kann das fatal sein."

Helmut Spedowski ist froh, dass für ihn diese unheilvolle Zeit vorbei ist. Nach Jahrzehnten ohne Obdach, hat er eine feste Unterkunft. "Jetzt kann ich mich auch auf den Sommer freuen."

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