Haben Sie schon einmal eine Nadel im Heuhaufen gesucht? Wer sich von geringen Erfolgsaussichten nicht bremsen lässt, verdient Anerkennung für seinen Idealismus. Doch für die Mitarbeiter des Ordnungsamtes ist das keine harte Währung.

Ob sie erfolgreich arbeiten, ist allein eine Frage von Zahlen. Und die sehen nicht gut aus, was die Überwachung des Jugendschutzes in Sachen Alkoholverkauf angeht. Denn es ist schlicht unmöglich, alle Verkaufsstellen in der Stadt wirkungsvoll zu kontrollieren, zumal der einzelne Kassiervorgang nur Sekunden dauert.

Insofern ist es richtig, dass Ordnungsdezernent Werner Leonhardt jetzt einen pragmatischen Weg einschlägt - und den offiziellen Einsatz jugendlicher Testkäufer vorbereitet. Anders ist den verantwortungslosen Geschäftemachern hinter der Theke offenbar nicht beizukommen.

Wenn sich im Rathaus nun eine Mehrheit dafür abzeichnet, dann ist das auch ein Verdienst der Gerresheimer Schüler: Ihr Experiment in der Karnevalszeit - selbst 13-Jährige kamen problemlos an harten Alkohol - hat vielen die Augen geöffnet.

Dass die Politiker darauf pochen, dass ein quasi amtlicher Einsatz Minderjähriger nur unter bestimmten Bedingungen ablaufen darf, ist verständlich: Nur wenn die Jugendlichen sorgsam ausgewählt, vorbereitet und angeleitet werden, kommen sie als Testkäufer in Frage - Leonhardt hat ein entsprechendes Konzept bereits in Aussicht gestellt.

In der Tat ist es problematisch, junge Menschen dazu zu bringen, Illegales zu tun - selbst wenn es einem guten Zweck dient. Auch darf der Staat sich eigentlich keiner unrechten Methoden bedienen, um Sünder zu überführen. Aber es ist durchaus nicht ausgemacht, ob die Jugendlichen den Kauf wirklich abschließen müssen, um Verstöße gerichtsfest zu dokumentieren. Eventuell reicht es, wenn der Verkäufer den Preis nennt, statt nach dem Alter zu fragen. Ein Test wäre angebracht - denn nur Versuch macht klug.

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