Mit der Oper „Flut“ setzt die Rheinoper ihre pädagogische Arbeit fort. Diesmal hat das junge Publikum selbst das Stück inszeniert.

Mit der Oper „Flut“ setzt die Rheinoper ihre pädagogische Arbeit fort. Diesmal hat das junge Publikum selbst das Stück inszeniert.
Stehen in der Oper „Flut“ auf der Bühne: Bryan Lopez Gonzalez als Vater Luka, Sarah Bock als Lara und Dimitra Kotidou als Ophelia.

Stehen in der Oper „Flut“ auf der Bühne: Bryan Lopez Gonzalez als Vater Luka, Sarah Bock als Lara und Dimitra Kotidou als Ophelia.

Susanne Diesner

Stehen in der Oper „Flut“ auf der Bühne: Bryan Lopez Gonzalez als Vater Luka, Sarah Bock als Lara und Dimitra Kotidou als Ophelia.

Kinder singen meist gern, auch Kinderlieder. Doch wer glaubt, dass sich die Jugend nicht fürs Ernste interessiert, hat weit gefehlt. Davon weiß die Musikerin Anna-Mareike Vohn (35) zu berichten. Sie leitet die Abteilung Education der Jungen Oper am Rhein. Dabei betreute sie die Jugend-Produktion „Lost in the forest“ und jetzt ganz aktuell „Flut“. Vor allem im jüngsten Stück zeigen Kinder und Jugendliche starkes Interesse an der Auseinandersetzung mit tragischen Themen. Und die dazu komponierte Musik ist keine leichte Kost.

„Die Kinder sind zeitgenössischer Musik gegenüber oft aufgeschlossener als das erwachsene Publikum.“

Anna-Mareike Vohn, Leiterin

Seit 2014 gestaltet Vohn die Jugendausbildung an der Rheinoper. Die gebürtige Aachenerin arbeitete aber schon während ihres Musikstudiums mit Schülern zusammen, ging in Grundschulen und ermöglichte dort die Einstudierung und Aufführung kleiner musikalischer Produktionen wie beispielsweise von „Hänsel und Gretel“. International sammelte sie Erfahrung: Von 2005 bis 2007 leitete sie etwa in den Palästinensischen Autonomie-Gebieten die Klarinettenklasse eines völkerverbindenden Musikprojekts des israelischen Dirigenten Daniel Barenboim. Dessen Jugendorchester des West-Eastern-Divan-Projekts hat sie mit aufgebaut.

„Kinder sind zeitgenössischer Musik gegenüber oft aufgeschlossener als das erwachsene Publikum“, sagt Anna-Mareike Vohn. Ältere Hörer würden sich einfach schwerer tun. „Es ist schön, ein junges Publikum zu formen und hinsichtlich der Hörgewohnheiten zu öffnen.“ Bei der Oper „Flut“ komme hinzu, dass die Jugendlichen selber experimentell komponieren konnten. „Man kann ihnen zeigen, was es alles gibt, wählen dürfen sie aber selber“, erklärt Vohn zum Entstehungsprozess in der Kompositionswerkstatt von David Graham. Auf der anderen Seite werde deutlich, dass sich vor allem die älteren Jugendlichen auf das modern-experimentelle Klangspektrum stürzten, während die Kinder doch eher noch das Harmonische in der Musik suchen würden.

Bei Libretto, Musik und Regie von „Flut“ gehe es künstlerisch derweil stark zur Sache. Das gesamte Stück könne für Erwachsene irritierend sein, weil es demonstriere, wie tief junge Menschen in Abgründe schauen lassen, berichtet Vohn. Keineswegs hätten Lehrer den Jugendlichen dabei die Hand geführt, beantwortet Vohn die Frage nach der tatsächlichen Eigenständigkeit der Arbeit. Die jungen Librettisten hätten sich Gedanken gemacht, was wäre, wenn der Rhein über die Ufer träte und alles überfluten würde. Charakterliche Schwächen würden dabei nach oben gespült, dass es einen schaudere. Beispielsweise erweise sich der Kapitän mit seinem Rettungsboot als ausgesprochen korrupt und kaltherzig.

„Flut“ ist nur eines von vielen Projekten der Jungen Oper am Rhein. Im Zentrum steht das Mitmachen. „Kinder finden Musik immer toll, vor allem wenn sie gut vorbereitet sind“, sagt Vohn. Sie seien aber besonders daran interessiert, selber zu singen und die Handlung nachzuspielen. „In die Oper, fertig, los!“ heißt ein Format mit dem Untertitel „Klasse komponiert“. Dort werde vieles erklärt. „Das gelingt vor allem deswegen so gut, da es von eigenem Erleben und Ausprobieren begleitet wird.“

Musik könne aber auch negative Auswirkungen haben. „Wenn man Fünfjährige in eine Wagner-Oper setzt, ist das kontraproduktiv.“ Doch seien Kinder andererseits sehr aufnahmebereit. „Operngesang wirkt manchmal befremdlich am Anfang, aber wir erklären das dann“, sagt Vohn. Wenn klar sei, dass Sänger ohne Mikrophon und über das Orchester hinweg noch in der letzten Reihe gehört werden müssen, komme die typische Art in der Oper zu singen wieder gut an. „Es ist ja oft so, dass man doof findet, was man nicht kennt.“

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