Tamilen, Erzieher, jetzt Studenten und Schüler: 375 Demos gab es 2008. Gerade die Hundertschaft ist schwer gestresst.

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Mit Skates, Rädern und Einkaufswagen waren Studenten gestern bei einer Roll-Demo unterwegs. Sie fordern bessere Bildungsverhältnisse. Heute und Samstag gibt es weitere Protest-Züge.

Mit Skates, Rädern und Einkaufswagen waren Studenten gestern bei einer Roll-Demo unterwegs. Sie fordern bessere Bildungsverhältnisse. Heute und Samstag gibt es weitere Protest-Züge.

Arend

Mit Skates, Rädern und Einkaufswagen waren Studenten gestern bei einer Roll-Demo unterwegs. Sie fordern bessere Bildungsverhältnisse. Heute und Samstag gibt es weitere Protest-Züge.

Düsseldorf. Am Dienstag eine Roll-Demo durch die Innenstadt, am Mittwoch die Demo der Schüler und Studenten, am Donnerstag ein Protest an der Eon-Zentrale, am Samstag der landesweite Bildungsstreik-Protestzug durch die Stadt - nicht nur in dieser Woche gilt für Düsseldorf die Faustregel: mindestens eine Demo pro Tag.

Besonders belastend ist das für die Beamten der Einsatzhundertschaft; laut Polizeigewerkschaft wurden ihnen in diesem Jahr alle geplanten freien Wochenenden gestrichen. "Wir nehmen beim Demo-Aufkommen landesweit einen Spitzenplatz ein", sagt Polizeisprecher Markus Niesczery.

375 Demonstrationen und Kundgebungen habe es 2008 gegeben - allein von Januar bis April 2009 waren es schon 152. "Eine deutliche Intensivierung" hat es laut Niesczery zudem durch die Tamilen- und Erzieherproteste noch einmal im Mai gegeben.

297 Polizisten "dauerkrank" - liegt es an der Überlastung?

Der Trend ist nicht neu, aber er verstärkt sich. Seit Bonn nicht mehr Bundeshauptstadt ist, gilt Düsseldorf als wichtigste Demo-Stadt der Region. Zum Vergleich: 1994 wurden hier noch 97 angemeldete und spontane Demos gezählt, 2001 waren es schon 249.

Die Nebeneffekte bekommen nicht nur genervte Autofahrer zu spüren: "Unsere Experten in der Leitstelle entwerfen täglich Umfahrungsstrategien", sagt Rheinbahn-Sprecher Georg Schumacher. Neben Betriebsstörungen sind Demos Hauptgrund für die zahlreichen Umleitungen.

Um 11 Uhr sammeln sich Düsseldorfer Schüler und Studierende am DGB-Haus an der Friedrich-Ebert-Straße. Sie ziehen über die Kö und durch die Altstadt zum Schulministerium.

Die Gewerkschaft Verdi ruft zum Protest vor der Eon-Zentrale am Eon-Platz ab 11.30 Uhr auf. Hintergrund ist die befürchtete Streichung von bis zu 6.000 Stellen.

Um 13 Uhr treffen sich diesmal Schüler und Studenten aus ganz NRW am DGB-Haus und ziehen zum Ministerium - mit Kundgebungen zwischendurch. Die Organisatoren erwarten mehrere tausend Teilnehmer.

"Über Polizei und Stadt erfahren wir zum Glück schnell, was ansteht", sagt Schumacher. "Schwer gestresst" ist auch Taxifahrer Siegfried Neubauer, wenn er mit Fahrgästen im Demo-Stau steht: "Viele von ihnen meckern - und zu Recht."

Besonders schwer macht die Demo-Dichte aber der Polizei zu schaffen. "Wir haben ein enormes Personalproblem", erklärt Harald Walter von der Polizeigewerkschaft. Denn während etwa Wuppertal und Köln je drei Einsatzhundertschaften hätten, sei in Düsseldorf nur eine übrig geblieben. Die Gewerkschaft fordert seit Jahren eine weitere Hundertschaft - oder zumindest, dass die Düsseldorfer Beamten nicht noch im Rest der Republik eingesetzt werden.

Laut Walter wurden den Hundertschaftsbeamten in diesem Jahr alle geplanten freien Wochenenden kurzfristig gestrichen. Unschöner Höhepunkt war das Fortuna-Aufstiegswochenende, das endlich mal ein freies sein sollte - stattdessen waren die Polizisten bis 5 Uhr am Sonntagmorgen in der Altstadt im Einsatz. Familienleben - Fehlanzeige.

Unklar ist, ob die hohe Zahl dauerkranker Polizisten mit dieser Belastung zusammenhängt. Voriges Jahr waren 297 Beamte mehr als sechs Wochen arbeitsunfähig. "Eine dramatische Zahl", sagt Walter. Und er ist sicher, dass die steigende Zahl an Demos noch nicht das Ende der Fahnenstange war: "Ich befürchte, dass die Zahl der Proteste angesichts der Wirtschaftskrise in den kommenden Monaten noch weiter steigen wird."

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