Wagenbauer Jacques Tilly spricht über die Angst vor Anschlägen im Karneval und darüber, was Satire eigentlich darf.

Jacques Tilly will die Verfehlungen der Menschen aufs Korn nehmen – egal ob Christen oder Muslime. 2015 setzte er mit seinem „Charlie Hebdo“-Wagen ein Zeichen gegen den Terror.
Jacques Tilly will die Verfehlungen der Menschen aufs Korn nehmen – egal ob Christen oder Muslime. 2015 setzte er mit seinem „Charlie Hebdo“-Wagen ein Zeichen gegen den Terror.

Jacques Tilly will die Verfehlungen der Menschen aufs Korn nehmen – egal ob Christen oder Muslime. 2015 setzte er mit seinem „Charlie Hebdo“-Wagen ein Zeichen gegen den Terror.

Jacques Tilly will die Verfehlungen der Menschen aufs Korn nehmen – egal ob Christen oder Muslime. 2015 setzte er mit seinem „Charlie Hebdo“-Wagen ein Zeichen gegen den Terror.

Jacques Tilly will die Verfehlungen der Menschen aufs Korn nehmen – egal ob Christen oder Muslime. 2015 setzte er mit seinem „Charlie Hebdo“-Wagen ein Zeichen gegen den Terror.

DY/SL/MZ, Bild 1 von 3

Jacques Tilly will die Verfehlungen der Menschen aufs Korn nehmen – egal ob Christen oder Muslime. 2015 setzte er mit seinem „Charlie Hebdo“-Wagen ein Zeichen gegen den Terror.

Herr Tilly, die Nachrichten überschlagen sich. Was geht in Ihrem Kopf vor?

Jacques Tilly: Es hat noch nie ein Jahr gegeben, das so von einem Themenkomplex dominiert wurde. Alles hängt miteinander zusammen, der IS, die Flüchtlingswelle, die Krise der EU und vieles andere mehr. Es geht nun darum, die Facetten heraus zu arbeiten. Das ist eine besondere Situation.

„Nicht jedem sollte man es überlassen, mit diesen Dingen Spott zu treiben. Dazu gehört Fingerspitzengefühl.“

Jacques Tilly, Wagenbauer

Wie geht man als Wagenbauer damit um?

Tilly: Nicht jedem sollte man es überlassen, mit diesen Dingen Spott zu treiben. Das ist eine Herausforderung, dazu gehört Fingerspitzengefühl. Wichtig ist, dass man sich nicht über die Opfer lustig macht. Zumal es auch immer schwieriger wird, Opfer und Täter zu unterscheiden. Schwarz-Weiß-Denken hat keinen Sinn mehr. Es ist wichtig, dass wir die politischen Wagen so spät wie möglich bauen. Das ist heute wichtiger denn je.

Ist Satire heute gefährlicher geworden? Befürchten Sie Anschläge im Karneval?

Tilly: Großveranstaltungen sind alle potenziell gefährdet, Ziel von Terroristen zu werden. Das war auch schon in vergangenen Jahren so. Auf den Rosenmontagszug sollte das keinen Einfluss haben. Ich empfehle, gelassen zu bleiben.

„Der Karneval bedeutet doch die Umkehrung der Machtverhältnisse.“

Gibt es einen Wagen, den Sie heute nicht mehr so bauen würden?

Tilly: Ja, den Guttenberg-Wagen, den ich als 11. September für Angela Merkel gebaut habe. Das habe ich völlig falsch eingeschätzt. Die Affäre ist völlig an ihr abgeprallt. Den Wagen würde ich heute so nicht mehr bauen.

Ich dachte eher an die islamkritischen Wagen. Würden Sie die heute noch so fahrenlassen?

Tilly: Mir hat zum Glück nie jemand reingeredet. Das sind Wagen, da stehe ich hinter. Ich habe nie einen Mohammed gebaut. Ich bin doch nicht lebensmüde. Götter und Propheten sind tabu, aber das Bodenpersonal habe ich nie geschont und werde das auch weiterhin nicht tun. Den Charlie-Hebdo-Wagen „Satire kann man nicht töten“ würde ich auch wieder so machen.

Gibt es Grenzen des guten Geschmacks – wie das Wollersheim-Kostüm von OB Thomas Geisel?

Tilly: Die Kritik der Kölner Frauenbeauftragten kann ich nicht nachvollziehen. Das in Zusammenhang mit den Kölner Silvester-Ereignissen zu bringen, ist für mich Demagogie. Der Karneval bedeutet doch die Umkehrung der Machtverhältnisse. Darum fand ich das Kostüm in Ordnung. Dabei geht es doch auch ums Verspotten.

Gibt es trotzdem Kostüme, von denen Sie abraten würden?

Tilly: Man sollte nicht als Selbstmordattentäter unterwegs sein. Aber das muss jeder selbst entscheiden. Ich habe immer für die Freiheit gekämpft. Das wird sich auch nicht ändern.

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