Jens Kürten, Ali Haurand und Otto Lindner sind die drei Macher der Jazz Rally. Sie erklären, warum das Festival so erfolgreich ist.

Die drei Macher der Jazz Rally (von links): Jens Kürten, Ali Haurand und Otto Lindner.
Die drei Macher der Jazz Rally (von links): Jens Kürten, Ali Haurand und Otto Lindner.

Die drei Macher der Jazz Rally (von links): Jens Kürten, Ali Haurand und Otto Lindner.

Jazz-Legende Paul Kuhn spielt diesmal am Flughafen.

Bernd Schaller, Bild 1 von 2

Die drei Macher der Jazz Rally (von links): Jens Kürten, Ali Haurand und Otto Lindner.

Düsseldorf. Die Jazz Rally findet zum 17. Mal statt. Ist man da noch aufgeregt?

Jens Kürten: Eine Grundaufregung ist immer da. Man muss auf 1.000 Kleinigkeiten achten.

Otto Lindner: 80 Prozent kann man planen. Den Rest nicht. Vor drei Jahren hätten wir fast das Konzert mit Roger Cicero wegen einer Sturmwarnung absagen müssen. Erst um 17 Uhr bekamen wir die Nachricht, dass sich das Sturmtief geteilt hat und nach Köln und ins Ruhrgebiet abgezogen ist.

Was ist das Besondere in diesem Jahr bei der Rally?

Lindner: Wir eröffnen mit dem Henkel-Saal eine neue Spielstätte. Das ist die erste große Veranstaltung dort. Wir versuchen, unseren Gästen immer etwas Außergewöhnliches zu bieten. Auch der Flughafen-Hangar wird nur einmal im Jahre geöffnet, nämlich für die Jazz Rally.

Haben Sie einen Entdecker-Tipp?

Ali Haurand: Im Henkel-Saal sind sehr interessante Künstler zu sehen. Freitags kommt die polnische Sängerin Anna Maria Jopek, die Jazz im Stil von Ella Fitzgerald singt. Am Sonntag spielt dort Alan Skidmore mit der südafrikanischen Band Ubizo. Für die Musiker habe ich noch vier Kongas, ein spezielles Keyboard und einen Kontrabass besorgen müssen. Für ein Konzert sind die Transportkosten im Flugzeug zu hoch.

Empfehlen kann ich auch den afrikanischen Trompeter Terence Ngassa, der am Sonntag auf dem Burgplatz vor Nils Landgren auftritt.

Lindner: Bei all dem Neuen sollte man aber auch das Bewährte nicht vergessen. Für mich ist das Konzert von Paul Kuhn auf dem Flughafen ein Entdecker-Tipp. Der Mann ist einer der ganz Großen der Jazz-Szene und wird oft unterschätzt. Durch die TV-Auftritte wird Kuhn immer mit seichter Samstagabend-Unterhaltung in Verbindung gebracht. Dabei hat er viel mehr zu bieten und gehört zu den großen deutschen Jazz-Musikern.

Was unterscheidet die Jazz Rally von anderen Jazz-Festivals?

Kürten: Es gibt die klassischen Jazz-Festivals in Moers oder Leverkusen. Da sucht man sich ein oder zwei Konzerte aus. Die Jazz Rally ist total offen. Man muss sich nicht festlegen. Das macht für mich den Reiz der Veranstaltung aus. Außerdem kann man alle Konzerte bis auf Jan Delay und die Preview in der Kaiserpfalz mit dem Button besuchen, der 23,90 Euro kostet, das ist preiswerter, als wenn Klaus Doldinger ein normales Konzert gibt.

Haurand: Durch die große Vielfalt kann man bei uns die ganze Geschichte des Jazz erleben. Vom Oldtime über Bebop, Hardbop bis zum Modern-Jazz. Das gibt es auf keinem anderen Festival.

Wie hat sich die Rally in den vergangenen Jahren entwickelt?

Haurand: Als ich vor sieben Jahren anfing, hatten wir etwas über 200 Bewerbungen von Bands. In diesem Jahr waren es mehr als 1.700. Die Jazz Rally ist international ein Begriff geworden.

Lindner: Etwa die Hälfte der Besucher legt 50 bis 100 Kilometer zurück. Und die Leute gehen ja nicht nur zum Konzert. Sie übernachten hier, gehen essen, fahren Taxi und kaufen ein. Dadurch ist die Rally auch ein Wirtschafts-Faktor.

Wird das Festival subventioniert?

Lindner: Nein, wir haben das mal versucht. Aber weil wir mit der Destination wirtschaftlich erfolgreich arbeiten, bekommen wir keine öffentlichen Gelder.

Kürten: Aber die Stadt unterstützt uns in vielen anderen Dingen, zum Beispiel wenn es um Genehmigungen geht. Außerdem macht die Düsseldorf Marketing und Tourismus GmbH Werbung für uns. Ich glaube, dass Oberbürgermeister Dirk Elbers auch persönlich großes Interesse an der Veranstaltung hat. Er war einer der Ersten, der für das Jan Delay-Konzert zugesagt hat.

Hat die Jazz Rally dazu beigetragen, dass der Jazz in Düsseldorf aus seinem Dornröschen-Schlaf geweckt wurde?

Haurand: In den siebziger Jahren gab es eine ganze Reihe Clubs vom Downtown bis zum Dr. Jazz, wo internationale Stars wie George Maycock aufgetreten sind. Davon ist heute nicht mehr viel übrig. Aber mit der Jazz Schmiede im Salzmannbau ist ein Anfang gemacht worden. Düsseldorf hatte in den 50er Jahren auch das größte deutsche Nachwuchs-Festival. Es wäre schön, wenn man diese Idee wiederbeleben könnte.

Lindner: Wir versuchen ja, jungen Musikern mit der Jazz Rally ein Sprungbrett zu bieten. Wir achten darauf, dass immer junge deutsche Bands dabei sind.

Sie hatten mit dem Krokodil Sammy Jazz lange tierische Unterstützung. Was ist daraus geworden?

Lindner: Ich habe da mal für einen Foto-Termin im Gehege des Aquazoos gestanden, das war doch etwas gefährlich, weil Sammy doch wesentlich wacher war, als die Tierpfleger vermutet hatten. Im nächsten Jahr soll es aber ein neues Krokodil geben, ein kleineres.

Welchen Musiker würden Sie gern einmal auf der Rally sehen?

Kürten: Am liebsten Sting mit einer Big Band.

Lindner: Die Toten Hosen zusammen mit Udo Lindenberg.

Haurand: Chick Corea oder Herbie Hancock.

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