Interview
Thomas Schnalke zeigt in der Verwaltung des Flughafens auf eine Karte des Airports.

Thomas Schnalke zeigt in der Verwaltung des Flughafens auf eine Karte des Airports.

Sergej Lepke

Thomas Schnalke zeigt in der Verwaltung des Flughafens auf eine Karte des Airports.

Düsseldorf. Flughafen-Chef Thomas Schnalke über PFT, Gratis-Wlan und Fluglärm.

Herr Schnalke, Sie machen nach dem Tod von Christoph Blume als Flughafengeschäftsführer die Arbeit von zweien. Geht das überhaupt?

Thomas Schnalke: Für den Übergang schon. Ich bin seit zwölf Jahren Geschäftsführer und bringe die nötige Erfahrung mit. Außerdem steht mir ein sehr gutes Team zur Seite. Die Suche nach einem Nachfolger für Christoph Blume als Sprecher der Geschäftsführung läuft.

Wäre das nicht ein Job für Sie?

Schnalke: Das ist nicht meine Frage. Das entscheiden die Gesellschafter und die Gremien des Unternehmens.

Thomas Schnalke ist verheiratet und Vater eines Kindes. Er ist 51 Jahre alt.

Schnalke wurde in Lüneburg geboren, dort studierte er auch Betriebswirtschaftslehre. Der Diplom-Kaufmann war bei Hochtief Airport beschäftigt, bevor er 2001 in die Geschäftsführung des Düsseldorfer Flughafens wechselte.

Um etwa alte Lärmschutz-Fenster der Anwohner zu erneuern, stellt der Airport aktuell 21 Millionen Euro bereit.

Der Flughafen hat die Entgelte für abendliche Landungen zum 1. Januar erhöht. Für einen A 330 sind nun zwischen 22 und 23 Uhr 464 statt 362 Euro fällig. Tagsüber sind es dagegen 116 statt 102 Euro.

Und wenn man Sie fragt?

Schnalke: Ich bin grundsätzlich offen und frei für alle Entscheidungen, die sinnvoll sind.

Sie haben im Dezember den 21.-millionsten Passagier begrüßt, wann begrüßen Sie 22 Millionen Passagiere pro Jahr?

Schnalke: Voraussichtlich 2015. Wir peilen in diesem Jahr ein Passagierwachstum von 2,5 bis drei Prozent an. Ein guter Indikator für die Konjunktur ist die Entwicklung der Frachtbeförderung. Und die hat 2013 um sechs Prozent zugelegt. Im vergangenen Jahr lagen wir mit einem nur leichten Plus bei den Passagieren von 1,9 Prozent, aber immer noch oberhalb des Durchschnitts in Deutschland.

Wie soll der Flughafen weiter wachsen?

Schnalke: Drei Säulen sind entscheidend. In den Spitzenzeiten soll die erlaubte Zahl der Flugbewegungen von 47 auf 60 steigen. Zudem möchten wir die zweite Bahn flexibler nutzen, heute müssen die Zeiten für die gleichzeitige Nutzung beider Bahnen eine Woche vorher angemeldet werden. Das ist nicht mehr zeitgemäß. Um die dann mögliche Verkehrsentwicklung auf dem Boden abfertigen zu können, brauchen wir drittens auch acht neue Abstellflächen für die Flugzeuge. All diese Anträge werden wir im Sommer stellen.

Sie verzeichnen zwar mehr Passagiere, aber gleichzeitig sinkt die Zahl der Flugbewegungen. Das ist möglich, weil viele Airlines größere Maschinen einsetzen. Werden Sie dadurch nicht sowieso schon flexibler?

Schnalke: Das reicht aber nicht aus. Die Nachfrage der Airlines in Spitzenzeiten ist deutlich höher. Ein Beispiel: Der Anteil an Umsteigern lag voriges Jahr bei 13,5 Prozent, so viel wie noch nie. Der Zubringerverkehr zu Interkontinentalflügen konzentriert sich logischerweise auf die Stunden davor. Das ist ein Grund für eine solche Knotenbildung. Hier brauchen wir mehr Bewegungen.

Muss denn ein Flughafen, der so nah an einer Stadt liegt, unbedingt ein Drehkreuz sein, also ein Umsteige-Airport?

Schnalke: Der interkontinentale Verkehr ist von enormer Bedeutung für die regionale Wirtschaft, wir brauchen die direkten Verbindungen in die Wachstumsmärkte der Welt. Die gewährleisten wir, indem wir mit Umsteigern auffüllen.

Wo liegen denn die Grenzen des Wachstums?

Schnalke: Die sind zuerst einmal technischer Art. Mehr als 60 Slots pro Stunde zu Spitzenzeiten sind nach unserem Ermessen nicht machbar. Trotzdem haben wir noch Luft - etwa bei der Infrastruktur. Die neuen Parkpositionen werden gebaut. Das Terminalgebäude reicht aus, könnte aber auch noch im Bestand erweitert werden.

Da die Zahl der Flugbewegungen begrenzt ist, muss das Wachstum durch größere Flugzeuge kommen. Wann machen sie den Flughafen fit für den A380?

Schnalke: Der Einsatz des A380 nach Düsseldorf macht nur für wenige Airlines wirtschaftlich Sinn. Aber wenn etwa die Emirates einen ihrer zwei täglichen Flüge nach Dubai mit einem A380 fliegen möchte, wollen wir vorbereitet sein. Dazu soll eine doppelstöckige Passagierbrücke am Terminal C gebaut werden. Außerdem sind wir bereits heute Ausweichflughafen, sollte der A380 in Frankfurt oder Amsterdam nicht landen können.

Wie sieht der Zeitplan dafür aus?

Schnalke: Die Ausschreibung ist in Vorbereitung. Anfang 2015 soll alles fertig sein.

Wie viel wird investiert?

Schnalke: Ein einstelliger Millionenbetrag.

Lärm kann sehr gesundheitsschädlich sein, wie viele Studien belegen. Wie ist da ein weiteres Wachsen des Flughafens zu rechtfertigen?

Schnalke: Wirtschaftliche Interessen und die der Anwohner möchten wir auch zukünftig in Balance halten. So möchten wir nur am Tag mehr Flüge abwickeln, die Nachtflugregeln bleiben unangetastet. Wir bewegen uns damit auch auf der Grundlage des Angerlandvergleichs. Zu dem stehen wir. Im Gegenzug werden wir mit einer neuen Betriebsgenehmigung ein neues passives Lärmschutzprogramm auflegen. Wir werden 21 Millionen Euro in die Hand nehmen, um etwa alte Lärmschutzfenster in der Nachbarschaft zu sanieren. Außerdem haben wir zum 1. Januar die Entgelte für am Abend landende und startende Flugzeuge deutlich erhöht.

Sie entwickeln zurzeit – ebenso wie die Stadt an anderer Stelle – eine Anlage zur Filterung von mit PFT belastetem Grundwasser, vertrauen Sie dem Umweltamt nicht?

Schnalke: Doch, absolut. Wir arbeiten eng zusammen. Doch wir haben es bei uns mit anderen geologischen Verhältnissen zu tun. Trotzdem tauschen wir intensiv Informationen mit dem Umweltamt aus. Seit Dezember laufen die Pump- und Filterversuche. Ende 2014, Anfang 2015 können die Großanlagen zur Grundwassersanierung ihren Betrieb aufnehmen. Doch das ist nur der erste Schritt. Dann muss das belastete Erdreich saniert werden.

Das wird wohl Jahre dauern ...

Schnalke: Eine Einschätzung können wir erst nach Vorliegen der Probeergebnisse abgeben.

Stimmt es eigentlich, dass Sie 1,3 Millionen Euro Schadenersatz von dem Kofferdieb haben wollen, der den Betrieb lahmlegte?

Schnalke: Fest steht, dass wir ihn verklagen werden. Aber die Summe, um die es geht, ermitteln wir noch.

Noch immer gibt es kein Gratis-Wlan am Flughafen, im Gegensatz zu den meisten internationalen Flughäfen.

Schnalke: Wir haben eine Lösung. Noch in diesem Jahr wird es für einen gewissen Zeitraum Gratis-Wlan geben. Wir sind zurzeit in den Endverhandlungen.

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