Uni-Klinik will mit Mentoring-Programm gegen Mangel an Medizinerinnen vorgehen.

Monika Demming-Pälmer leitet das Mentoring-Programm.
Monika Demming-Pälmer leitet das Mentoring-Programm.

Monika Demming-Pälmer leitet das Mentoring-Programm.

Judith Michaelis

Monika Demming-Pälmer leitet das Mentoring-Programm.

Düsseldorf. Die Medizin wird weiblich. Zwei Drittel aller Studienanfänger sind mittlerweile Frauen. Doch der Ärztemangel droht sich zu verschärfen, weil der weibliche Nachwuchs schon während der Facharztausbildung und erst recht auf dem Weg in Spitzenpositionen für die Klinik verloren geht - wegen der Familienphase oder auch wegen der schlecht bezahlten Arbeit.

Viele hochqualifizierte Ärztinnen gehen zudem in Facharztpraxen, weil dort Beruf und Familie eher zu vereinbaren sind. Die Heine-Universität reagiert mit einem Mentoring-Programm für Medizinerinnen.

Es soll Wissenschaftlerinnen gezielt unterstützen, sie im System halten - auch in der Familienphase - und ihre Position stärken. Monika Demming-Pälmer leitet das Programm. Die WZ sprach mit ihr darüber.

Die Heinrich-Heine-Uni bietet bereits seit vier Jahren ein Mentoring-Programm für Doktorandinnen aller fünf Fakultäten an, das bei der strategischen Karriereplanung helfen soll. Warum wurde jetzt für die Medizin ein neues, zusätzliches Programm gestartet?

Demming-Pälmer: Wir haben festgestellt, dass Studium und Karrierewege in der Medizin anders verlaufen, so wird die Promotion in der Regel bereits während des Studiums abgelegt, nach der Approbation folgt noch die Facharztausbildung - ein sehr langer Weg.

Die Klinikbetriebe leiden ja bereits unter Personalmangel. Hoffen Sie, dass das neue Mentoring-Programm da helfen kann?

Demming-Pälmer: Ja, es soll das Arbeitsumfeld Klinikum attraktiver machen. Bislang hatten wir insgesamt 16 Mentoring-Plätze für alle fünf Fakultäten. Das neue Medizin-Programm bietet jetzt zusätzlich 45 Plätze.Es ist wichtig, dass Frauen endlich Führungsaufgaben übernehmen. Sie setzen oft andere Maßstäbe und sind nicht um jeden Preis an Führungspositionen interessiert: Führungsmacht als Lohn für ein Leben der Selbstaufopferung reicht ihnen in der Regel nicht.

Wie sollen die angehenden Medizinerinnen und Wissenschaftlerinnen motiviert werden, Führungspositionen anzustreben?

Demming-Pälmer: Die Teilnehmerinnen am Mentoring-Programm sind hoch qualifiziert und erweitern ihre Fähigkeiten und Kompetenzen gezielt und selbstbewusst. In Seminaren lernen sie etwa, in Konflikten zu bestehen und Führungsverantwortung richtig wahrzunehmen. Die Mentorinnen und Mentoren lassen die Nachwuchskräfte an ihren Erfahrungen teilhaben. Ein tiefes Wissen um Strukturen und Inhalte ist eine gute Basis für anspruchsvolle Aufgaben, gute Kontakte sind es ebenso.

Warum glauben Sie, werden sich die Rahmenbedingungen in Zukunft ändern müssen?

Demming-Pälmer: Karriere hat ihren Preis und fordert auf der anderen Seite Verzicht. Früher hatten karrierebewusste Männer meist Frauen an ihrer Seite, die ihnen den Rücken freihielten, heute streben beruflich erfolgreiche Frauen ihre eigene Karriere an. Die Fragen der richtigen Partnerwahl, des richtigen Zeitpunktes für Kinder, der fehlenden Unterstützung sind künftig für Frauen und Männer gleichermaßen wichtig - das wird dazu führen, dass die bestehenden Strukturen flexibler werden müssen, auch hinsichtlich von Altersgrenzen.

Welche neuen Lebens- und Arbeitsmodelle wollen Frauen?

Demming-Pälmer: Frauen wollen Karriere und Familie. Sie wollen flexible Arbeitszeiten, und sie wollen, auch wenn sie Spitzenpositionen einnehmen, nicht auf ein Leben neben der Arbeit verzichten. Es ist wichtig, dass männliche und weibliche Führungskräfte gemeinsam daran arbeiten, eine neue und lebensgerechtere Arbeitskultur zu gestalten. So ist etwa in der Familienphase ein Job-Sharing vorstellbar - auch in Spitzenpositionen.

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