Die Düsseldorfer Stadtsparkasse gibt es seit 184 Jahren. Karin-Brigitte Göbel ist die erste Frau im Vorstand.

Frau Göbel, Sie sind in den 184 Jahren des Bestehens der Stadtsparkasse Düsseldorf die erste Dame im Vorstand. Ist das für Sie etwas Besonderes?

Göbel: Das ist eine große Herausforderung, weil ich viel mehr im Mittelpunkt stehe. Es ist ein großer Schritt, dass die Stadtsparkasse Düsseldorf sich für zwei Damen im Vorstand entschieden hat. Es ist nicht selbstverständlich, dass Frauen im Bankgewerbe für das Firmenkunden-, Immobilien- und Kapitalmarktgeschäft zuständig sind. Wichtig ist, dass wir erfolgreich sind, dann gehen vielleicht auch andere Kreditinstitute diesen Weg.

Warum sind immer noch so wenige Frauen bei Banken in Führungspositionen?

Göbel: Ich denke, in unserer Gesellschaft fehlen noch immer die notwendigen Rahmenbedingungen, die es Frauen ermöglichen, mit einem guten Gewissen Karriere zu machen und gleichzeitig eine gute Mutter zu sein. Es ist eine Herausforderung, Familie und Beruf zu vereinbaren, weil die terminliche Beanspruchung oftmals wenig Freizeit lässt. Die Chancen sind aber da.

Sind Frauen andere Banker als Männer?

Göbel: Grundsätzlich sind sie nicht anders. Aber Frauen stellen in Diskussionen andere Fragen und bringen damit eine andere Sichtweise in eine Thematik. Dies zeigt sich in der Zusammenarbeit in Teams.

Wie kommt man vom Rhein-Main-Gebiet nach Düsseldorf?

Göbel: Ich bin in Bochum geboren, habe dort Betriebswirtschaft studiert. Durch ein Stipendium habe ich in England meine Ausbildung fortsetzen können. Ich wollte anschließend das internationale Bankgeschäft kennen lernen. So führte mich mein Weg zur Chase Manhattan Bank. Für dies Haus war ich in London, Frankfurt und Düsseldorf tätig und habe fast ausschließlich Großkonzerne begleitet. Nach einiger Zeit wollte ich mittelständische Unternehmen beraten, da dort der Mehrwert der Dienstleistung eines Kreditinstitutes höher zu veranschlagen ist als bei Großkonzernen mit eigenen Ressourcen. Ich habe mich bewusst für den Mittelstand entschieden, weil die Möglichkeiten hier ausgeprägter sind, gestaltend tätig zu sein und für Unternehmen und Bank einen Mehrwert zu schaffen.

Wo wollen Sie Ihre Schwerpunkte setzen?

Göbel: Die Stadtsparkasse Düsseldorf ist - auch in diesen schwierigen Zeiten - für den Mittelstand ein kalkulierbarer Partner. Ich verfolge mit meinen Vorstandskollegen gemeinsam das Ziel, das Firmenkundengeschäft auszubauen. Wir wollen erster Ansprechpartner für Unternehmen - für den Handwerker, für den Mittelstand für den hier ansässigen Konzern sein und durch Kompetenz überzeugen.

Was heißt das konkret?

Göbel: Ein Beispiel: Für Düsseldorfer Firmen spielt das Auslandsgeschäft eine wichtige Rolle. Im Verbund mit anderen Partnern der Sparkassen-Finanzgruppe können wir Produkte und Dienstleistungen darstellen, die dem Angebot von Großbanken in nichts nachstehen.

Sie kannten Düsseldorf schon?

Göbel: Während meiner Zeit bei der Chase Manhattan Bank habe ich schon neun Monate hier gearbeitet. Das Flair der Kö oder der Hofgarten faszinieren mich. Aktuell bin ich Gast bei den zahlreichen Neujahrsempfängen in der Stadt und lerne dort viele Menschen kennen. Natürlich ist auch der Karneval ein Thema für mich, ich bin gut auf die Session eingestellt. Ich habe mir sogar schon ein Kostüm bestellt.

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