Seit einem Jahr ist Karin-Brigitte Göbel im Vorstand der Düsseldorfer Stadtsparkasse und fühlt sich im Rheinland sehr wohl.

Karin-Brigitte Göbel will stärker auf die Finanz-Bedürfnisse der Mittelständler eingehen.
Karin-Brigitte Göbel will stärker auf die Finanz-Bedürfnisse der Mittelständler eingehen.

Karin-Brigitte Göbel will stärker auf die Finanz-Bedürfnisse der Mittelständler eingehen.

Bernd Nanninga

Karin-Brigitte Göbel will stärker auf die Finanz-Bedürfnisse der Mittelständler eingehen.

Frau Göbel, seit dem 1. Januar 2009 sind Sie im Vorstand der Stadtsparkasse Düsseldorf - als erste Frau im 185-jährigen Bestehen des Geldinstitutes. Nach sechs Jahren bei der Bad Homburger Taunussparkasse sind Sie an den Rhein gezogen. Wie finden Sie das Rheinland?

Göbel: Das Rheinland als Region und Düsseldorf als Schwerpunkt meiner Tätigkeit sind inspirierende Orte. Die Mischung aus Tradi†tion und Fortschritt, aus reichem Kunst- und Kulturangebot, Events für jedermann und einer pulsierenden Wirtschaft geben dieser Region eine ganz besondere Atmosphäre. Ich fühle mich privat und beruflich sehr wohl.

Warum gibt es gerade in Banken so wenige Frauen in Führungsposition?

Göbel: Viele Frauen möchten nicht so viel Zeit für ihren Beruf erübrigen. In verantwortlichen Positionen ist die Belastung aber sehr hoch, so dass einige Frauen ihre Karriere an einem bestimmten Punkt nicht weiter verfolgen. Die Ursachen liegen in der Gesellschaftsstruktur: Hierzulande ist immer noch nicht ausdiskutiert, ob eine Frau eine gute Mutter und Ehefrau ist, wenn sie Karriere macht. Skandinavische Länder sind in diesem Bereich viel weiter. Ein anderer Aspekt kommt hinzu: Netzwerke in der Wirtschaft sind nach wie vor von Männern dominiert. Wenn eine Position zu besetzen ist, wird bei der Kandidatensuche das männliche Netzwerk geprüft. Frauen sind dort nicht präsent genug.

Sie sind in schwierigen Zeiten nach Düsseldorf gekommen: Neben den Folgen der Finanzkrise wird die Stadtsparkasse Düsseldorf immer wieder mit Nachwirkungen der Pooth-Affäre konfrontiert. Wir gehen Sie damit im persönlichen Gespräch um?

Karin-Brigitte Göbel ist seit Januar 2009 Mitglied des Vorstands der Stadtsparkasse Düsseldorf. Zu ihren Aufgaben gehört das Firmenkundengeschäft.

Die gelernte Bankkauffrau stammt aus Bochum, dort hat sie Betriebswirtschaftslehre studiert. 1984 begann sie ihre Laufbahn bei der Chase Bank AG in Frankfurt/Main als Prokuristin. Weitere Stationen: BfG Bank in Frankfurt, Bankgesellschaft Berlin AG und Vorstandsmitglied der Taunus-Sparkasse Bad Homburg.

Sie ist verheiratet, reist gerne und engagiert sich für die Kinderhilfe Nandri in Südindien.

Dieses Interview ist Auftakt einer neuen WZ-Serie, in der Düsseldorfer Persönlichkeiten einen Ausblick auf ihr Jahr 2010 geben.

Göbel: Die Thematik der Pooth-Affäre liegt jetzt zwei Jahre hinter uns. Die Stadtsparkasse hat sich seitdem erheblich verändert: Mit einer neuen Geschäftsstrategie, einem nahezu kompletten neuen Vorstandsteam und einem anderen Verständnis von Führungs- und Unternehmenskultur. Sicherlich wird die juristische Aufarbeitung der Pooth-Thematik uns noch weiter beschäftigen, aber die Konsequenzen aus den Fehlentwicklungen der Vergangenheit haben wir gezogen. Vor diesem Hintergrund gehe ich mit dieser Thematik sehr gelassen und offen um.

Als Sie 2002 in Bad Homburg das Kreditgeschäft übernahmen, haben Sie es gründlich umgekrempelt. Welche Maßnahmen haben Sie in Düsseldorf eingeleitet?

Göbel: "Umkrempeln" ist sicherlich der falsche Ausdruck. Nach meiner Berufung in den Vorstand der Stadtsparkasse Düsseldorf habe ich mir das Firmenkundengeschäft genau angesehen, die Stärken und Schwächen unserer Firmenkundenstrategie analysiert und daraus Schlüsse gezogen: Wir werden stärker als in der Vergangenheit auf die Anliegen der mittelständischen Unternehmen eingehen, werden unsere Produktpalette auf den Bedarf dieser Kundengruppen ausrichten und mehr Zeit in die direkte Betreuung und Beratung unserer Kunden investieren.

Sie sind für das Firmenkundengeschäft der Stadtsparkasse Düsseldorf verantwortlich; welche Branchen sind trotz der Krise nach wie vor stark, welche haben Probleme?

Göbel: Generell lässt sich sagen, dass die am Export orientierten Branchen stärker betroffen sind, als diejenigen, die eher von der Binnennachfrage abhängig sind. Ein Beispiel: Die Handwerkskammer Düsseldorf hat vor einigen Wochen ihren Lagebericht veröffentlicht und dargelegt, dass das Handwerk vom wirtschaftlichen Einbruch überwiegend verschont geblieben ist. Der Geschäftsklimaindex der Düsseldorfer Handwerkskammer ist sogar seit dem Frühjahr um zehn Punkte gestiegen. Folglich haben sich die Handwerksbetriebe in der Region bisher sehr ordentlich entwickeln können.

"Die viel zitierte ,Kreditklemme’ hat bei uns nicht stattgefunden"

Wie viel Geld hat die Sparkasse in diesem Jahr dem Mittelstand zur Verfügung gestellt und wie viel steht für das kommende bereit?

Göbel: Die Stadtsparkasse hat keine Geldkontingente für mittelständische Unternehmen festgeschrieben. Jedes Unternehmen, das eine tragfähige Geschäftsidee vorgestellt hat, erhielt auch eine Finanzierung. Das viel zitierte Phänomen "Kreditklemme" hat bei uns nicht stattgefunden. Im Gegenteil: Die Stadtsparkasse hat speziell für kleine und mittlere Unternehmen ein Sonderprogramm aufgelegt, das eine Kreditzusage in Höhe von bis zu 100 000 Euro innerhalb von 48 Stunden garantiert. Unabhängig davon haben wir unsere Unternehmenskunden verstärkt beraten, wie in einem sinnvollen Finanzierungsmix die Kreditprogramme der öffentlichen Förderbanken zu nutzen sind.

Wie ist für das nächste Jahr Ihre Strategie bei der Versorgung des Mittelstandes mit Krediten?

Göbel: Einen grundsätzlichen Strategieschwenk bei der Mittelvergabe wird es nicht geben. Wir stellen uns aber darauf ein, dass mit dem Beginn des wirtschaftlichen Aufschwungs die Unternehmen wieder eine größere Nachfrage nach Krediten stellen. Das ist eine normale Entwicklung und zieht sich durch alle Konjunkturzyklen der vergangenen Jahrzehnte. Allerdings werden einige Unternehmen, deren Kreditrahmen bereits ausgeschöpft sind, Probleme haben, neue Mittel für Investitionen zu erhalten.

Was haben Sie sich ganz persönlich für das Jahr 2010 vorgenommen?

Göbel: Ich möchte gerne mehr Zeit verbringen mit meiner Familie und meinen Patenkindern. Seit vielen Jahren engagiere ich mich bei einer Institution, die sich dafür einsetzt, die Kinderarmut in Indien zu bekämpfen. Dieser Organisation möchte ich noch mehr mit Rat und Tat zur Seite stehen.

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