Neben Kalle Somnitz ist Udo Heimansberg Herr über die Filmkunst in der Stadt. Mit der WZ sprach er über die Düsseldorfer Kinolandschaft.

Premiere „Palermo Shooting“: Udo Heimansberg (l.) und Kalle Somnitz (r.) nehmen Wim Wenders in die Mitte.
Premiere „Palermo Shooting“: Udo Heimansberg (l.) und Kalle Somnitz (r.) nehmen Wim Wenders in die Mitte.

Premiere „Palermo Shooting“: Udo Heimansberg (l.) und Kalle Somnitz (r.) nehmen Wim Wenders in die Mitte.

Premiere „Palermo Shooting“: Udo Heimansberg (l.) und Kalle Somnitz (r.) nehmen Wim Wenders in die Mitte.

Herr Heimansberg, mit dem Aus der Lichtburg am 4. März gehen 100 Jahre Düsseldorfer Kinogeschichte zu Ende. Mit welchen Gefühlen verlassen Sie die Kö?

Heimansberg: Das trifft mich nicht so schwer. Das Kino hatte mit der alten Lichtburg nichts zu tun. Bis Anfang der 70er war das ein wunderschöner, alter Kinopalast mit 1000 Plätzen, der dann leider nach und nach in drei kleinere Kinos aufgeteilt wurde. Nachdem die alte Lichtburg Ende 2004 geschlossen wurde, war unsere kleine Lichtburg in der Kö-Galerie nur ein Trostpflaster. Aber grundsätzlich ist es traurig, dass auf der Kö kein Platz mehr für ein Kino ist, und die Vielfalt der Allee nach und nach in einer reinen Geschäftsmeile aufgegangen ist.

Was bedeutet das Aus für die Programmkino-Landschaft der Stadt?

Heimansberg: Da es absehbar war, haben wir mit dem Atelier rechtzeitig Ersatz schaffen können. Wir hatten dadurch sogar zu viele Kinos. So viele geschäftsstarke Filme gab es nicht. Unterm Strich bleibt das Angebot also gleich.

Fühlen Sie sich eigentlich manchmal als Bruder Don Quijotes, da Ihr Kampf gegen Multiplexe und Flachbildfernseher, DVDs und Internet einem Kampf gegen Windmühlen nahe kommt?

Heimansberg: Der Kampf gegen Windmühlen war aussichtslos und fand nur in der Einbildung statt. Das ist bei uns anders. Wir haben unser Publikum. Die Qualität guter Filme setzt sich durch. Die großen Multiplexe haben viel mehr zu kämpfen und wildern mittlerweile immer öfter bei den Programmkinos. Außerdem glaube ich, dass es für die Masse immer noch einfacher ist ins Kino zu gehen, als sich einen Film im Internet herunterzuladen.

Für den Wert einer Kinokarte kann ich zwei Filme leihen und zu der mir passenden Zeit, mit den mir passenden Leuten anschauen. Warum kann das trotzdem keinen Kinobesuch ersetzen?

Heimansberg: Erstens hat niemand eine vergleichbar große Bildwand zu Hause. Zweitens ist der Gang ins Kino nicht nur ein größeres Gemeinschaftserlebnis, sondern meist verbunden mit einem Besuch im Restaurant oder Café. Die Leute machen mehr aus einem Kinoabend als auf dem heimischen Sofa möglich ist.

"Unsere Zuschauer sind heute im Schnitt deutlich älter und konservativer."

Udo Heimansberg, Kinomacher

Wie oft gehen Sie selbst eigentlich noch ins Kino?

Heimansberg: Oh. Im eigenen Kino kann ich nur schlecht entspannen, da es immer noch etwas zu arbeiten gibt. Ich fahre aber jedes Jahr zur Filmmesse nach Leipzig und schaue da fünf Tage lang drei Filme am Tag. Damit bin ich für ein Jahr recht gut informiert. Da ich mich mehr um Ausstattung und Technik der Kinos kümmere, muss sich mein Kollege Kalle Somnitz, der vor allem für das Programm verantwortlich ist, mehr anschauen. Er klappert von Berlin bis Cannes alle Festivals ab. Inklusive DVDs kommt er sicher auf 365 Filme pro Jahr.

Müssen Sie heute anders Kino machen als früher?

Heimansberg: Eindeutig ja. Das zeigt schon ein Blick aufs aktuelle Programm. Voll werden zurzeit die "Buddenbrooks" und Clint Eastwoods "Der fremde Sohn". Vor 30 Jahren waren bei uns dagegen Filme wie "Das Leben des Brian" oder "The Blues Brothers" Publikumsmagneten. Da haben wir Kino für Jugendliche und Studenten gemacht. Heute ist unser durchschnittlicher Zuschauer deutlich älter und konservativer.

Wie sehen Sie sonst die Düsseldorfer? Haben Sie Eigenheiten des hiesigen Publikums festgestellt?

Heimansberg: Zunächst wissen wir, dass es zu 20 Prozent gar nicht aus Düsseldorf kommt. Bei der der Silvester-Vorstellung von "My Fair Lady" hatten wir sogar ein Ehepaar aus Kevelaer hier. Bei unseren Opern-Übertragungen im Atelier kommen sogar viele aus Köln. Die Düsseldorfer selbst, fürchte ich, wissen das Angebot in ihrer Stadt gar nicht richtig zu schätzen. Dabei hängt die Kino-Vielfalt in der Stadt einzig am Engagement von zwei Verrückten - also Kalle Somnitz und mir.

Jetzt suchen Sie mit der WZ den Wunschfilm der Düsseldorfer. Was versprechen Sie sich davon?

Heimansberg: Ich finde es grundsätzlich spannend, Angebote außerhalb des gewöhnlichen Kinoprogramms zu machen. In diesem Fall macht es einfach Spaß, so viele gute Filme zur Wahl zu stellen. Darüber hinaus ist es für uns natürlich interessant zu sehen, welcher Trend sich im Laufe der Aktion abzeichnet.

Was wäre eigentlich Ihr persönlicher Wunschfilm?

Heimansberg: In den vergangenen zwei Jahren hat mich vor allem Robert Altmans "Last Radio Show" stark beeindruckt. Ich habe ihn mittlerweile drei mal gesehen. Für mich ist das schon jetzt ein Klassiker.

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