Wie Grabplatten wirken 70 großformatige Fotografien zweier Künstler, die noch bis Donnerstag am Ende der Kö zu sehen sind.

Wie Grabplatten wirken 70 großformatige Fotografien zweier Künstler, die noch bis Donnerstag am Ende der Kö zu sehen sind.
Zeigen 70 Fotomatten am Kö-Bogen: (v.l.) die Journalistin Heidrun Hannusch sowie die Fotografen Oliver Killig und Carsten Sander.

Zeigen 70 Fotomatten am Kö-Bogen: (v.l.) die Journalistin Heidrun Hannusch sowie die Fotografen Oliver Killig und Carsten Sander.

Judith Michaelis

Zeigen 70 Fotomatten am Kö-Bogen: (v.l.) die Journalistin Heidrun Hannusch sowie die Fotografen Oliver Killig und Carsten Sander.

Der Kö-Bogen ist die Adresse schicker Geschäfte. Am Wochenende bildeten jedoch nicht die Auslagen in den Schaufenstern die Attraktion, sondern großformatige Fotomatten auf dem Boden. 70 Grabplatten hatten der Düsseldorfer Fotograf Carsten Sander und sein Dresdner Kollege Oliver Killig fotografiert und auf ein Spezialmaterial übertragen, so dass die Motive an ein Gräberfeld auf einem Friedhof erinnern. Nach und nach stellten zufällig vorbeikommende Passanten Grabkerzen auf. Gesenkten Hauptes wanderten sie von Matte zu Matte und versenkten sich in die Texte, die auf den Schildern neben den Bildern standen. Eine stille, sehr einprägsame Erinnerung an die Toten vor der Küste Siziliens war dies.

Ausgangspunkt dieser Inszenierung ist der internationale Friedenspreis der Stadt Dresden, der in diesem Jahr an Domenico Lucano geht. Dieser Bürgermeister von Riace macht sein kalabrisches Dorf zu einem Ort des Willkommens für Flüchtlinge. Im Vorfeld dieser Preisverleihung reiste die Journalistin Heidrun Hannusch nach Sizilien, auf der Suche nach den Aufbewahrungsorten der Toten.

In Dresden hatten einige Besucher der Freiluft-Ausstellung geweint

In einem kurzen Festakt im Haus der Universität berichtete sie, wie sie an Sammelgräber dachte, aber auf das Ehepaar Amalia und Guiseppe Gelardi in Agrigent stieß. Die Eheleute hatten einen toten Flüchtling in ihrem Familiengrab aufgenommen und zwei Überlebende zu ihren Freunden gemacht.

In Dresden hätten viele Menschen angesichts der Installation geweint, wie Dresdens Bürgermeister Dirk Hilbert berichtete. In Düsseldorf war das Wetter zu schön, die Atmosphäre vor dem Hofgarten zu prachtvoll für Tränen. Dennoch herrschte tiefe Betroffenheit bei den Besuchern, denn die Installation, die vom Dresdner Freundesverein in Auftrag gegeben war, erzählt parallel zu den fotografierten Grabplatten die dazu gehörenden Lebensgeschichten der Toten. Eine junge Frau aus Eritrea lächelt noch in die Kamera, es ist das letzte Bild dieser Frau. Der ehemalige Innenminister Gerhart Baum, zugleich Mitglied des Vereins „Freunde von Dresden“, mahnte, der Flüchtling dürfe nicht zum Sündenbock werden.

Die Installation ist noch bis Donnerstag am Kö-Bogen zu sehen. Zur Finissage lädt der Verein Düsseldorf-Palermo um 19.30 Uhr, mit einem Konzert der italienischen Sängerin Etta Scollo. Sie hatte ihr Lied „Sconoscuito-unbekannt“ erstmals im Februar in der Dresdner Semperoper gesungen. Tickets dafür kosten 15 Euro.

© WhatsBroadcast

Leserkommentare


() Registrierte Nutzer