Kulturschaffende der alternativen Szene fordern mehr Freiraum. Sie verschenken 25 Meter Stadtverschönerung.

Fordern mehr Freiraum für Kunst und Kultur: von links Philipp Maiburg (Open Source), Carsten Johannisbauer (Kulturverein Metzgerei Schnitzel), Klaus Klinger (Farbfieber), Tanja Müller (Kulturverein Damen und Herren), Ani Dießelmann (Kiefernstraße) und Michael Gumnor (Kunst in NRW).
Fordern mehr Freiraum für Kunst und Kultur: von links Philipp Maiburg (Open Source), Carsten Johannisbauer (Kulturverein Metzgerei Schnitzel), Klaus Klinger (Farbfieber), Tanja Müller (Kulturverein Damen und Herren), Ani Dießelmann (Kiefernstraße) und Michael Gumnor (Kunst in NRW).

Fordern mehr Freiraum für Kunst und Kultur: von links Philipp Maiburg (Open Source), Carsten Johannisbauer (Kulturverein Metzgerei Schnitzel), Klaus Klinger (Farbfieber), Tanja Müller (Kulturverein Damen und Herren), Ani Dießelmann (Kiefernstraße) und Michael Gumnor (Kunst in NRW).

Bernd Schaller

Fordern mehr Freiraum für Kunst und Kultur: von links Philipp Maiburg (Open Source), Carsten Johannisbauer (Kulturverein Metzgerei Schnitzel), Klaus Klinger (Farbfieber), Tanja Müller (Kulturverein Damen und Herren), Ani Dießelmann (Kiefernstraße) und Michael Gumnor (Kunst in NRW).

Düsseldorf. Das erste Geschenk übernimmt Klaus Klinger. Der Chef des Vereins Farbfieber, der in der Stadt zahlreiche Häuserflächen gestaltet hat, schenkt der Stadt 25 Meter schönste Farbe für eine Unterführung.

Das Angebot liegt bereits schriftlich dem Oberbürgermeister und den Ratsfraktionen vor. Eine Antwort steht jedoch noch aus. "Wir werden in den nächsten Monaten weitere Schenkungen vornehmen", kündigte am Montag Carsten Johannisbauer vom Kulturverein Metzgerei Schnitzel an. Welcher Art werde jedoch (noch) nicht verraten.

"Wenn es darauf ankommt, werden Orte einfach glattgebügelt"

Wie Klinger gehört er einer neuen Initiative in Düsseldorf an, der so genannten Freiraum-Bewegung. In dieser haben sich Künstler, Musiker und andere Kulturschaffende zusammengeschlossen, die künftig nicht mehr laut- und tatenlos hinnehmen möchten, dass Gelände wie der Güterbahnhof Derendorf oder die alte Paketpost ihren wilden Charakter verlieren.

"Düsseldorf beruft sich gern auf Beuys und preist seine lebendige alternative Kulturszene an. Aber wenn es drauf ankommt, werden Orte, an denen etwas entsteht, glattgebügelt", sagt Johannisbauer. Ateliers seien überteuert, Proberäume in schlechtem Zustand, für Stadtteilfeste brauche man mittlerweile sogar für den Verkauf von Selbstgemachtem eine Genehmigung.

Vor drei Monaten hat sich die Initiative gegründet, drei Treffen haben bislang stattgefunden mit bis zu 60 Teilnehmern. Sie haben das Manifest "Freiräume für Bewegung" verabschiedet, das sich dagegen wehrt, eine "Kultur vornehmlich reinen Vermarktungsaspekten unterzuordnen".

Die Initiative trifft sich am 10. Februar, 20 Uhr, im Zakk.

Die Art und Weise, wie Johannisbauer und Ani Dießelmann, die zurzeit an der Heinrich-Heine-Universität in Philosophie ihren Doktor macht und in der Initiative für die Kiefernstraße antritt, ihr Engagement vertreten, wirkt wie aus einer vergangenen Zeit und ist doch topaktuell.

Es richtet sich gegen die Gentrifizierung, einen Prozess, der auch in anderen Großstädten, etwa in Hamburg und Berlin, immer mehr Kulturschaffende auf den Plan ruft. Gentrifizierung meint die Umkremplung eines Stadtteils.

In diesem Zusammenhang wird regelmäßig Flingern genannt, wo schicke Galerien und teuer sanierte Gründerzeitwohnungen Werkstätten und bezahlbaren Wohnraum verdrängen. Nicht hinnehmbar sei das, meint Johannisbauer: "Es kann doch nicht sein, das Studenten der Kunstakademie aus Düsseldorf wegziehen müssen, um überhaupt dort studieren zu können."

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