Politik: Fast alle Düsseldorfer Kandidaten für den Bundestag wollen ihre Wähler auch online überzeugen.

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Immer mehr Politiker, hier Karin Kortmann, verfügen über Einträge in populären Internet-Portalen.

Immer mehr Politiker, hier Karin Kortmann, verfügen über Einträge in populären Internet-Portalen.

Bernd Schaller

Immer mehr Politiker, hier Karin Kortmann, verfügen über Einträge in populären Internet-Portalen.

Düsseldorf. Michael Müller tut es, Thomas Jarzombek und Karin Kortmann auch. Auch Gisela Piltz und Sahra Wagenknecht tun es, letztere aber nur ein bisschen. Sie alle verfügen über ein Profil beim Internetportal Facebook und kandidieren in den beiden Düsseldorfer Wahlkreisen für den Bundestag. Normalerweise wird diese Plattform genutzt, um mit Freunden zu kommunizieren, private Nachrichten und Fotos hin- und herzuschicken, Videos hochzuladen oder alte Bekannte wiederzufinden, die man aus den Augen verloren hat.

Doch für die Kandidaten ist zurzeit eben nicht "normalerweise", denn in weniger als drei Wochen wird gewählt. Und das Internet wird für die Wahlkämpfer immer wichtiger. Über Twitter, MeinVZ, MySpace, Youtube und Facebook versuchen sie, auch jüngere potenzielle Wähler zu erreichen, geben teilweise recht Persönliches preis.

So erfährt man bei Facebook, dass Karin Kortmann gerne Krimis liest und Joe Cocker mag, Thomas Jarzombek hört Jazz und zitiert gern Konrad Adenauer. Michael Müller postet Videos, auf denen er selbst bei Wahlkampfreden zu sehen ist und gibt bekannt, ein Fan von Amnesty International zu sein.

Die Kandidaten wollen offensichtlich Sympathiepunkte gewinnen, indem sie sich nicht nur als Politiker präsentieren, sondern auch als Hobbyköche, Leser und Filmliebhaber. Zu diesem Zweck verpassen sie sich selbst blitzblank geputzte Profile, über die sie permanent ihren Gemütszustand dokumentieren können.

Ob das eine neue Klientel anzieht, muss jedoch fraglich bleiben. Jeder kann auf den virtuellen Pinnwänden der Kandidaten Nachrichten und Kommentare hinterlassen, theoretisch könnte sich also eine interessante Diskussion über politische Inhalte entwickeln. Doch das haut nicht hin: Offensichtlich tummeln sich auf den Seiten der Politiker ohnehin nur deren Befürworter, die "die Wahlplakate ganz toll finden" oder "kräftig die Daumen drücken". Unangenehme Fragen, interessante Impulse? Keine Spur. Bei Sahra Wagenknechts Profil sind die Handlungsspielräume des Besuchers zusätzlich eingeschränkt: Er kann lediglich ihr Fan werden und erst dann auch Kommentare auf ihrer Seite veröffentlichen.

"Die Möglichkeiten kritischer Feedbacks werden in solchen Portalen kaum genutzt", berichtet Boris Schmidt, ein Mitarbeiter Kortmanns, von seinen Erfahrungen. "Die Leute wählen lieber den sicheren Weg, rufen an oder schreiben eine Email." Diese Form der Kommunikation mit den Kandidaten sei nach wie vor die stärkste.

Sahra Wagenknecht will nur Fans haben

Vielleicht "twittert" seine Chefin auch deshalb nicht mehr, ihr letzter Eintrag stammt vom 26.Juni. Wesentlich aktiver zeigt sich da Thomas Jarzombek. In seinen fast täglich verfassten Kurzeinträgen, die seine persönlichen und politischen Befindlichkeiten beschreiben, lästert er über Politiker anderer Parteien und das Internetportal "Abgeordnetenwatch", freut sich über das Medienecho zu seinen Wahlplakaten oder gibt Wahlkampftermine bekannt. Doch ob das alles dabei hilft, auch nur einen einzigen Wähler davon zu überzeugen, einen bestimmten Kandidaten zu wählen, lässt sich nicht messen.

Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass sich ausgerechnet die beiden recht jungen Düsseldorfer Kandidaten der Grünen, Mona Neubaur und Holger-Michael Arndt, nicht persönlich am Internet-Wahlkampf beteiligen - sie verfügen nicht über Facebook-Einträge und "twittern" nicht. Die Homepage der Düsseldorfer Grünen informiert auch nur indirekt über die beiden, über Hobbies und Vorlieben der Kandidaten erfährt man nichts.

Eine kurze Navigation auf den Internetseiten zeigt aber, dass die Partei insgesamt sehr wohl auf das Internet und die populären Portale setzt - doch wird dabei offenbar eher das Ziel verfolgt, politische Inhalte und durchaus komplexe Themen zu transportieren. Nicht einzelne Kandidaten stehen im Fokus, sondern Gruppen und Themen - und das wirkt nicht unmodern, sondern erfrischend unaufgeregt. Doch letztlich wird sich auch am Wahltag nicht zeigen, ob der personalisierte oder der sachliche Internet-Wahlkampf mehr Stimmen eingebracht hat. Denn sein Erfolg ist nicht messbar.

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