Seit 2001 gibt es den Trupp fürs hohe Klettern und tiefe Abseilen. Die Retter bergen Opfer von Kränen, Dächern und aus Schächten.

Düsseldorf. Vom Dachfenster aus ist ein langes Seil quer durch den Innenhof gespannt. An der Strippe hängt in 25 Metern Höhe eine Trage, auf der Tony Schul angegurtet liegt.

Tony Schul ist allerdings nicht wirklich verletzt. Er ist Feuerwehrmann, der "Einsatzort" ist die Feuerwache an der Münsterstraße. Seit 2001 sind dort die Höhenretter stationiert. Und wenn es gerade niemanden aus luftiger Höhe oder gewaltiger Tiefe zu retten gibt, übt die Truppe eben im heimischen Hof.

Die Sondereinsatzgruppe mit inzwischen 40 Mann ist jung. Bis vor acht Jahren wickelte ein Feuerwehrmann für die Bergung eines Verletzten aus zig Metern Höhe einfach eine Leine um den eigenen Körper und hoffte, dass nichts passiert. Tat es auch nie. Aber das man sich darauf verlassen hat, kann Wilfried Birnbaum aus heutiger Sicht kaum noch nachvollziehen. Der 46-Jährige ist leidenschaftlicher Hobbykletterer und hat die Höhenretter-Mannschaft mitaufgebaut.

"Wenn man abgeseilt wird, ist man seinem Kollegen auf Gedeih und Verderb ausgeliefert. Da tut es auch mal gut, sich auszusprechen."

Wilfried Birnbaum, Höhenretter bei der Feuerwehr

Inzwischen haben Birnbaum und seine Kollegen über 100 Einsätze jedes Jahr. Im vergangenen Oktober etwa barg ein Einsatztrupp der Höhenretter einen kollabierten Kranführer aus seinem Führerhaus in 40 Metern Höhe. Vier Mann kletterten zu ihm hinauf und seilten ihn mit einer Trage zum Boden ab. Nur wenige Tage später Alarm an der Kö: Ein Dachdecker brach auf dem Dach eines Hauses bei Arbeiten zusammen; auch er musste abgeseilt werden, weil die Drehleiter nicht bis zu dem Opfer ausgefahren werden konnte.

In den vergangenen acht Jahren haben die Höhenretter viel dazugelernt. Nicht nur technisch - Ausrüstung und Know-How stammen vor allem aus der Arbeit der Bergwacht. Auch psychologisch. So erinnert sich Birnbaum an einen Einsatz, bei dem ein Höhenretter zu einem Mann abgeseilt wurde, der in einen tiefen Schacht gefallen war. Der Feuerwehrmann konnte dem Verunglückten nicht mehr helfen, ihn nur noch in den Tod begleiten. "Heute seilen wir nach Möglichkeit niemanden mehr allein ab, sondern mit einem Kollegen", sagt Birnbaum.

Für die 40 Höhenretter ist der Zusammenhalt alles. Gruppenweise fahren sie im Jahr je eine Woche gemeinsam zur Fortbildung. Wilfried Birnbaum ist gerade mit seinen Kollegen aus Lenggries zurückgekehrt, wo die Truppe am Berg geübt hat - und abends auch mal das eine oder andere Bier getrunken hat. "Wenn man abgeseilt wird, ist man seinem Kollegen auf Gedeih und Verderb ausgeliefert", erklärt Birnbaum. "Da tut es auch mal gut, sich auszusprechen."

Auf die Nerven gehen sich die Retter bei aller Nähe - im Einsatz und bei 24-Stunden-Schichten auf der Wache - nicht. Die tägliche Übung lockert den Alltag auf, das Adrenalin schweißt zusammen. Und die Höhenretter fahren mit ihren Kollegen auch zu den Brandeinsätzen raus - so lange die neue Feuerwache im Norden noch nicht fertig ist, haben die Feuerwehrleute von der Münsterstraße gut zu tun.

Viele wollen zu den Höhenrettern - viele kneifen aber schnell

Über Nachwuchssorgen kann Wilfried Birnbaum nicht klagen. "Gerade die jungen Feuerwehrleute finden die Höhenrettung spannend", sagt der 46-Jährige. Allerdings hat er es schon oft erlebt, dass ein Bewerber nach der ersten Woche Training an der Kletterwand zum ersten Mal in 70 Metern von einem Funkmast abgeseilt werden soll - und kneift. Birnbaum hingegen sieht die Arbeit entspannt: "In einen brennenden Keller reinzustiefeln, ist ganz sicher nicht weniger gefährlich."

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