Das Projekt kann helfen, gefährliche Situationen zu vermeiden. Die Pilot-Phase in der Arena ist beendet.

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Eine Versuchsanordnung in der Arena: So werden die Bewegungsströme simuliert – und später im Modell genau analysiert.

Eine Versuchsanordnung in der Arena: So werden die Bewegungsströme simuliert – und später im Modell genau analysiert.

„Viele Fragen werden jetzt vom Computer beantwortet“: Thomas Hußmann (links) und Dirk Preißl von der Feuerwehr.

Jan Ovelgoenne, Bild 1 von 2

Eine Versuchsanordnung in der Arena: So werden die Bewegungsströme simuliert – und später im Modell genau analysiert.

Düsseldorf. 21 Menschen sind voriges Jahr bei der Duisburger Loveparade ums Leben gekommen – um zu verhindern, dass aus einem Großereignis eine Großkatastrophe wird, wurde jetzt „Hermes“ entwickelt. So heißt eine spezielle Software. Dieser Evakuierungsassistent soll in Fußballstadion und anderen Arenen eingesetzt werden und kann bis zu 15 Minuten in die Zukunft sehen: Sehen, wo kritische Situationen entstehen könnten und so helfen, sie zu vermeiden.

Vor dem Zweitligaspiel von Fortuna gegen Cottbus wurden am Samstag die Ergebnisse des Projekts vorgestellt. Dort wird es seit Anfang Juni getestet.

Großereignisse sollen nicht zur Katastrophe werden

Was bisher über den Daumen gepeilt wurde, übernimmt jetzt das computergestützte System: Hermes kann ganz genau angeben, wie viele Personen sich im Stadion befinden und ihre Laufwege bis zu 15 Minuten im Voraus simulieren. So können Sicherheitskräfte über etwaige Gefahrensituationen informiert werden und diese den Zuschauern dann den richtigen Weg weisen.

Dieser wird von Hermes vorgegeben, denn das Programm ist mit dem Gefahrenmanagement der Arena verbunden. „Unser Ziel ist nicht, das Verhalten der Zuschauer im Angstzustand zu simulieren, sondern zu verhindern, dass dieser eintritt“, erklärte Projekt-Koordinator Armin Seyfried vom Forschungszentrum Jülich.

Konkret wird der Einsatz von Hermes so aussehen, dass ein Experte im Stadion vor den Bildschirmen des Systems sitzt und das Geschehen verfolgt. Er beantwortet den leitenden Einsatzkräften von Feuerwehr, Polizei und Sicherheitsdienst Fragen oder weist sie auf Situationen mit Gefahrenpotenzial hin. Diese Informationen müssen dann einfach an die Sicherheitsleute vor Ort weitergegeben werden.

Wie viele Personen sind in Block B? Hermes gibt die Antwort

Das gesamte Hermes-Projekt hat 6,5 Millionen Euro gekostet. Etwa 5,4 Millionen Euro wurden aus Fördermitteln des Bundesforschungsministeriums finanziert.

 

Für Hermes haben verschiedene Institutionen und Firmen zusammengearbeitet. Darunter sind die Universitäten Köln, Bonn und Wuppertal, das Forschungszentrum Jülich, die Firmen PTV, Imtech und Vitracom sowie Polizei, Feuerwehr sowie ein privater Sicherheitsdienst.

 

www.fz-juelich.de

„Ganz genau zu wissen, wie lange beispielsweise die Räumung von Block B dauern würde, ist bei einer Evakuierung eine große Hilfe“, sagte Hans-Joachim Kensbock-Rieso, Leiter der Polizeiinspektion Nord. Technik sei zwar nicht das Allheilmittel, doch das Zusammenspiel zwischen den Erfahrungswerten des Menschen und den Erkenntnissen des Computers sei eine „wertvolle Hilfe“.

Auch Brandamtsrat Thomas Hußmann ist von dem Nutzen des Programms überzeugt: „Früher mussten wir Kollegen entsenden, um Erkundigen einzuholen. Jetzt werden viele Fragen vom Computer beantwortet.“

120 Kameras und 40 Kilometer Kabel für das halbe Stadion

Dass Hermes diese Fähigkeiten besitzt, ist ein Werk der Technik: 120 Kameras wurden in der Arena installiert, 40 Kilometer Kabel verlegt – dabei wurde nur die halbe Arena mit dem System ausgestattet. Die Daten, die aus den Kamerabildern hervorgehen, werden in Echtzeit ausgewertet und an den Bildschirm übertragen. Hier können sie dann für Polizei, Feuerwehr und Sicherheitsdienste nützlich werden.

Konkreten Nutzen haben die Betreiber der Arena in Zukunft allerdings nicht von dem Programm. Von Mitte November bis Februar wird das System wieder abgebaut. Denn die Testphase ist dann beendet – und bis zur Serienreife wird es noch etwas dauern: rund ein bis zwei Jahre, sagen die Wissenschaftler.

© WhatsBroadcast

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