Hans Michael Piper ist der neue Rektor der Universität. Er spricht sich für mehr englischsprachige Studiengänge aus.

Der neue Heine-Rektor Hans Michael Piper.
Der neue Heine-Rektor Hans Michael Piper.

Der neue Heine-Rektor Hans Michael Piper.

Dehniger

Der neue Heine-Rektor Hans Michael Piper.

Düsseldorf. Hans Michael Piper ist seit vergangenem November neuer Rektor der Heinrich-Heine-Universität. Die Marschroute ist klar: Die Uni soll an Internationalität gewinnen, die Verbindung mit der Stadt enger werden. Auch Kooperationen mit anderen Hochschulen und Instituten kann sich Piper vorstellen.

Herr Piper, Sie kennen die Heine- Uni aus früherer Zeit, sind dann nach Gießen gegangen - wie haben Sie die Düsseldorfer Hochschule aus der Distanz wahrgenommen?

Piper: Der Faden nach Düsseldorf ist nie abgerissen. Ich hatte hier noch regelmäßig zu tun. Auf dem Campus hat sich in den vergangenen Jahren viel Positives getan. Andererseits ist der Renovierungsbedarf enorm.

Ist das Investitionsprogramm des Bundes also eine Hilfe oder eine PR-Aktion?

Piper: Eine Hilfe. Von außen sieht man nicht, was innen brach liegt. Ein Beispiel: Die Aufzüge sind zum Teil überhaupt nicht mehr zu reparieren. Sie sind schon so alt, dass man gar keine Ersatzteile mehr bekommt.

Wie hoch ist der Investitionsbedarf in Düsseldorf?

Piper: 600 Millionen Euro im Rahmen eines langfristigen Investitionsplans des Landes NRW.

Wann geht es denn los?

Piper: Der Bund gibt Sofortgelder. Wir haben bis März Zeit, unsere Vorschläge im Ministerium einzureichen.

Wo brennt es besonders?

Piper: Wir brauchen vor allem ein Rotationsgebäude als Ausweichmöglichkeit, wenn zum Beispiel die Naturwissenschaften saniert werden. Und wenn in fünf bis acht Jahren 30Prozent mehr Studenten kommen, etwa durch die Doppeljahrgänge Abi nach neun und nach acht Jahren, brauchen wir zusätzliche Flächen.

Um neue, aber vor allem um gute Studenten konkurrieren die Hochschulen. Wie wollen Sie die Besten nach Düsseldorf locken?

Piper: Indem wir die beiden unverwechselbaren Anziehungspunkte der Universität weiter stärken. Zum einen den biomedizinischen Schwerpunkt und die Naturwissenschaften sowie andererseits die Wirtschaftswissenschaften und Jura.

Inwiefern kann die Heine-Uni in diesen Bereichen punkten?

Piper: In der Biomedizin haben wir Masse und auch Exzellenz. Da kommt zum Ausdruck, dass sich die Universität aus einer Medizinischen Akademie heraus entwickelt hat. Dasselbe Niveau erreichen wir teilweise in den Naturwissenschaften, dem auch durch die strategische Allianz mit dem Forschungsinstitut in Jülich Rechnung getragen wird. Und in Jura und den Wirtschaftswissenschaften profitieren wir von einem starken Bezug zur Wirtschaftsmetropole Düsseldorf. Hier gibt es viele Bezugspunkte und ein Umfeld, das diese Verbindung erwartet - und stützt.

Trotzdem gehen Studenten lieber nach München oder Hamburg. Wie attraktiv ist Düsseldorf?

Piper: Sehr attraktiv, und das ist ein drittes Plus. Die HHU hätte als mittelgroße Hochschule sicher nicht ein solches Ansehen, wenn sie sich an einem anderen Standort befände.

Werden Sie Düsseldorf für das Marketing der Uni einsetzen?

Piper: Natürlich, aber wir müssen uns mit der Stadt noch enger verbinden. Ich war dazu bereits zu einem Gespräch beim Oberbürgermeister.

Was haben Sie besprochen?

Piper: Dass ich die Verbindung mit der Wirtschaft stärken möchte. Ein Career-Service mit der IHK existiert bereits. Die Ergebnisse werden bald vorgelegt. Aber ich würde auch gern die Kontakte mit der japanischen Industrie deutlicher hervorheben.

Die größte Fakultät ist die Philosophische Fakultät? Welche Rolle spielt sie?

Piper: Da ist eine ganze Reihe Potenzial, mit dem wir punkten können. Dabei sind originelle Angebote maßgeblich. Der Studiengang Modernes Japan zum Beispiel, den wir ja schon haben, ist ein Pfund.

Fehlt es der Philosophischen Fakultät jetzt an Originalität?

Piper: Das sehe ich nicht so, auch den Naturwissenschaften sieht man von außen ja zunächst nicht an, was sie leisten können. Aber in der Philosophischen Fakultät ist es schwieriger, für die Forschung öffentlichkeitswirksame Großverbünde zu schaffen. Hier ist der individuelle Geist das Handwerkszeug. Aber es gibt Möglichkeiten zur Kooperation, daran muss gearbeitet werden.

Die Universität ist international nicht sonderlich bekannt. Was halten Sie von mehr fremdsprachigen Studiengänge, beispielsweise auf Englisch?

Piper: In den höheren Studiengängen, den Master-Studiengängen, wird das kommen. Aber das müssen wir vorbereiten. Man kann ein solches Angebot nicht mal eben ausweiten. Ich habe in Gießen selbst eine Graduierten School mit 200 Doktoranden aufgebaut. Da lief alles auf Englisch. Solche Angebote ziehen sehr gute Studenten aus dem Ausland an - und sie schärfen das Profil der Hochschule für die Zeit nach dem Studenten-Boom.

Im Ruhrgebiet entstehen gerade große Universitäten-Landschaften, zwei Hochschulen tun sich zusammen. Ist das auch ein Modell, dass Sie sich für die Heine-Uni vorstellen können?

Piper: Ich habe keine Berührungsängste, mit anderen Hochschulen zu kooperieren. Aber nur punktuell. Ich kann mir etwa sehr gut eine Verbindung zwischen uns, der Uni Aachen und dem Institut in Jülich vorstellen. Und warum soll unsere Altersforschung in der Medizin nicht mit dem ebenfalls hier forschenden Institut in Köln zusammenarbeiten? So etwas kann aber nicht auf dem Reißbrett entstehen. Eine Mega-Uni stellt keinen Wert an sich dar.

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