Wer Parkgebühren digital bezahlt, muss deutlich mehr zahlen als etwa in Köln. Dort stehen mehrere Anbieter zur Auswahl, Düsseldorf will das jedoch nicht.

Wer Parkgebühren digital bezahlt, muss deutlich mehr zahlen als etwa in Köln. Dort stehen mehrere Anbieter zur Auswahl, Düsseldorf will das jedoch nicht.
Dennis Grebe von der Verkehrsüberwachung demonstriert die App fürs Handy-Parken in Düsseldorf.

Dennis Grebe von der Verkehrsüberwachung demonstriert die App fürs Handy-Parken in Düsseldorf.

J. Michaelis

Dennis Grebe von der Verkehrsüberwachung demonstriert die App fürs Handy-Parken in Düsseldorf.

Düsseldorf. Die Stadt Düsseldorf setzt auch in Zukunft auf den teuersten Handypark-Anbieter. Nach Ablauf des Pilotprojekts wurde der Vertrag mit der Sunhill Technologies GmbH verlängert. Für Autofahrer heißt das: Wer seine Parkgebühren in der Landeshauptstadt digital zahlen will, muss mit deutlich höheren Zusatzkosten rechnen als in anderen Kommunen – zum Beispiel in Köln. Denn dort ist der Markt für alle Handyparkanbieter offen, auch für deutlich günstigere.

Ein Beispiel: Zwei Stunden Parken auf der Kö kosten 5,80 Euro. Sunhill (Travipay) verlangt für einen digitalen Bezahlvorgang 14 Cent plus 14 Prozent von den Parkkosten. Das heißt: Der Parkvorgang wird bei genanntem Beispiel um 95 Cent teurer. In Köln hingegen können Nutzer etwa die Dienste von Mobile City für zwölf und Parkmobile für 15 Cent pro Parkvorgang nutzen. Das heißt, wären diese Anbieter in Düsseldorf vertreten, parkten Nutzer an der Kö um 80 Cent günstiger. Und: Schon für zwei Euro pro Monat bieten manche Anbieter Pakete für unendlich viele Parkvorgänge.

Bei allen sechs Konkurrenten in Köln wäre das Parken günstiger

Im Vergleich mit allen sechs Anbietern (ein weiterer stellt Ende des Jahres den Dienst ein), die es in Köln gibt, sind bei der Volkswagen-Tochter Sunhill die höchsten Zusatzgebühren möglich. Auch bei (niedrig angesetzten) durchschnittlichen Standzeiten von einer Stunde wären in allen drei Düsseldorfer Parkzonen die Konkurrenten günstiger. Nur bei kurzen Standzeiten nicht (Kostenvergleich: siehe Kasten).

Warum Köln den Markt für andere Unternehmen geöffnet hat, erklärt Frank Freikamp vom Amt für Straßen und Verkehrstechnik: „Es kommt auf die jeweiligen Bedürfnisse der Nutzer an, welcher Anbieter der richtige ist. Wir wollen da nichts vorschreiben.“ Auch Städte wie Hamburg und Berlin setzen auf das Mehrbetreibermodell. Warum Düsseldorf diesen Weg nicht gegangen ist, begründet die Stadt auf WZ-Anfrage so: „Eine Ausschreibung der Vertragsverlängerung ist nach Prüfung durch das Rechtsamt nicht erforderlich gewesen. Eine umfassende Zufriedenheit mit dem System ist gegeben, weshalb ein Wechsel nicht begründet scheint.“

Wie diese Zufriedenheit ermittelt wurde, lässt die Stadt offen. Für sie steht fest: „Das Preis-Leistungs-Verhältnis wird von den Kunden akzeptiert.“ Und zwar schlichtweg, weil das Angebot des SMS-/Handyparkens genutzt werde.

Handyparken Per App, SMS oder Anruf können Parkgebühren gezahlt werden oder auch die gebuchte Standzeit verlängert werden. Der Gang zum Parkautomaten oder die Suche nach Kleingeld fällt aus.

Travipay (Sunhill) 14 Cent plus 14 Prozent von den Parkkosten.

Easy Park 15 Prozent des Parkpreises (mindestens 49 Cent) oder eine Pauschale von 4,99 Euro pro Monat.

Mobile City Zwölf Cent für registrierte Nutzer bzw. 18 Cent (35 Cent in Mehrbetreiberstädten) für Nutzer ohne Registrierung.

Parkmobile 15 Cent pro Parkvorgang, zwei Euro Pauschale für einen Monat.

Trafficpass 19 Cent pro Parkvorgang oder 1,99 Euro pro Monat für 20 Parkvorgänge, 23 Cent für jedes weitere Parken.

Park-Now 25 Cent für jedes Parken, 2,99 Euro das Monatspaket.

Yellowbrick 25 Cent pro Parkvorgang, 50 Cent das Wochenpaket.

Parkfoxx Keine Angabe auf der Homepage, stellt Dienst Ende des Jahres ein.

Doch wie verbreitet es mittlerweile ist, darüber gibt es unterschiedliche Angaben. Die Stadt spricht von 47 918 Zahlungen per Handy vom 1. Januar bis 31. Oktober 2016. Das deckt sich allerdings nicht mit den Angaben von Sunhill. Das Unternehmen spricht von 143 000 Vorgängen von Januar bis September, wodurch 340 000 Euro an Parkgebühren in die Stadtkasse geflossen seien. „Eine sehr gute Entwicklung“, sagt Geschäftsführer Christoph Schwarzmichel. Zur Einordnung: Die Einnahmen der Stadt durch direkte Bezahlungen am Automaten lagen in diesem Jahr bis Ende Oktober bei 6,75 Millionen Euro.

Stadt: Anbieter geht auf Verbesserungswünsche ein

Als weiteres Argument für Sunhill dient der Stadt, dass der Anbieter im Gegensatz zu anderen auch ohne Registrierung genutzt werden kann. Das tun aber auch die Anbieter Park-Now und Mobile City. Außerdem lobt die Stadt, dass Sunhill bereit sei, auf Wunsch Anpassungen vorzunehmen, „was bei geteilten Systemen mit mehreren Anbietern kaum umsetzbar wäre“. So sollen auf Anfrage des Verkehrsausschusses weitere Sprachen in die Benutzeroberfläche integriert werden. Doch auch das bieten Anbieter wie Easy Park und die BMW-Tochter Park-Now.

Sunhill selbst führt die Kundenzufriedenheit auf WZ-Anfrage unter anderem auf eine fürs Handyparken selbstverständliche Funktion zurück, nämlich die Möglichkeit, die Parkzeit von unterwegs aus zu verlängern. Als Ausweis der App-Qualität dient dem Unternehmen die Bewertung im Internet-App-Store Google Play – mit der Note 4,3. Schwarzmichel: „Eine vergleichbare App mit ähnlich guten Bewertungen gibt es derzeit nicht auf dem Markt.“ Der deutlich günstigere und international verbreitetste Anbieter Parkmobile liegt dort allerdings auch bei 4,2. Andere Noten sind schwer vergleichbar, da sie durch eine deutlich höhere oder geringere Zahl an Bewertungen zustande kamen. Gründe für die in Relation hohe Preisstruktur nennt Schwarzmichel nicht.

Handy-Parkpreise



Handyparken
Per App, SMS oder Anruf können Parkgebühren gezahlt werden oder auch die gebuchte Standzeit verlängert werden. Der Gang zum Parkautomaten oder die Suche nach Kleingeld fällt aus.

Travipay (Sunhill) 14 Cent plus 14 Prozent von den Parkkosten.

 

Easy Park 15 Prozent des Parkpreises (mindestens 49 Cent) oder eine Pauschale von 4,99 Euro pro Monat.

Mobile City Zwölf Cent für registrierte Nutzer bzw. 18 Cent (35 Cent in Mehrbetreiberstädten) für Nutzer ohne Registrierung.

Parkmobile 15 Cent pro Parkvorgang, zwei Euro Pauschale für einen Monat.

Trafficpass 19 Cent pro Parkvorgang oder 1,99 Euro pro Monat für 20 Parkvorgänge, 23 Cent für jedes weitere Parken.

Park-Now 25 Cent für jedes Parken, 2,99 Euro das Monatspaket.

Yellowbrick 25 Cent pro Parkvorgang, 50 Cent das Wochenpaket.

Parkfoxx Keine Angabe auf der Homepage, stellt Dienst Ende des Jahres ein.

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