Im Medienhafen verdienen Gastronome Geld, arbeiten und leben Menschen. Manche möchten nie mehr weg.

Doris Amouroso - wie das klingt! Den Namen möchte man singen und denkt dabei an Sonne, ’was Mediterranes eben. "Mein Mann ist Italiener. Aus Neapel", sagt die Frau. Sie ist Düsseldorferin und lebt seit 63 Jahren an der Erftstraße, gleich über dem Restaurant Reusch. "Ich gehör’ da schon zum Inventar", lacht die 65-Jährige. Heute besorgt sie das Abendessen mal auswärts. Pizza. Natürlich. Schließlich wurde die in Neapel erfunden. "Fahren Sie mal nach Amalfi oder Sorrent. Toll!" schwärmt die Frau.

Im Sommer fühlt man sich an der Hammer Straße wie im Urlaub

Doch um nichts in der Welt würde sie ihr Viertel verlassen. Doris Amouroso liebt den Hafen. "Ich zieh’ nirgendwo anders hin." Auch wenn ihr manches hier nicht mehr passt. "Es gibt keinen Zusammenhalt mehr. Jede Woche steht ein Umzugswagen in unserer Straße. Aber das ist kein Wunder, die Mieten kann doch kein Mensch mehr bezahlen."

Dabei hat Amouroso gegen die Veränderungen im so genannten Boomviertel gar nichts einzuwenden. Fischmarkt und Hafenfest fand sie trotz des Rummels prima. "Gut, die Rockmusik war manchmal ein bisschen laut, aber das war nicht weiter schlimm." Dass der Fischmarkt ans Tonhallenufer verlegt und das Hafenfest ganz abgeschafft wurde, kann Doris Amouroso nicht begreifen. "Ein Fischmarkt gehört in den Hafen, basta!"

Rund um den Erftplatz geht es unter der Woche und bei durchwachsenem Wetter gemütlich zu. "Man lebt hier wie auf einem Dorf", hat Silke Konschak in den zwei Jahren, in denen sie nun schon in der Erftstraße wohnt, festgestellt. "Im Sommer ist es hier wie im Urlaub." Der Lärm der vielen Gäste, die es in die Kneipen und Restaurants zieht, stört sie nicht. "Wir wohnen ganz oben und schlafen hinten raus. Wir hören nur die Vögel."

Es fehlen Fachhandel und bessere Einkaufsmöglichkeiten

Silke Konschak verdient ihr Geld mit privater Kinderbetreuung. Sie passt auf den Nachwuchs derjenigen auf, die im Hafen arbeiten. Auch die Gastronomie hat sich auf diese Tagesgäste eingestellt. Kleine Läden wie die "Pizzeria am Medienhafen", Wupperstraße, und "Ess-Klasse", Erftstraße, bieten preiswerten Mittagstisch. Clevere Wirte, die ein gutes Geschäft witterten.

Nilofar Alai, Besitzerin der Kneipenbar Minol an der Wupperstraße, gehört nach "Roberts Bistro" zu den Hafen-Gastronomen der ersten Stunde. Vor acht Jahren hat sie die ehemalige Tankstelle zu einem Treff für Stammgäste und ein paar Eintags-Schickimickis gemacht. "Wir werden sehen, wie es sich hier weiter entwickelt - ohne Monkey’s, Hafenfest und Fischmarkt", sagt Alai.
 
Eine schöne Abwechslung sei das gewesen. "Und für uns Gastronome sehr attraktiv." Als jemand, der im Hafenviertel lebt und arbeitet, wünscht sich Alai mehr Fachhandel und bessere Einkaufsmöglichkeiten. "Gastronomie gibt es ja mehr als genug", sagt Modedesignerin Elke Dürer.

Der nächste Supermarkt liegt an der Gladbacher Straße. Für alle Fälle gibt es aber an der Hammer Straße die gut sortierte Trinkhalle von Familie Colak. Sohn Mustafa mag den Trubel. "Es kommen auch Promis zu uns", sagt er. Michael Skibbe zum Beispiel, der Trainer von Bayer Leverkusen. Und was wollte der? Na was schon - den "Kicker" natürlich.

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