515 Unfälle mit Radfahrern hat es in diesem Jahr gegeben, verletzt wurden meist die Radler – oft durch eigene Schuld.

600 Meter weiter an der Graf-Adolf-Straße gibt es einen Radweg: An dieser Stelle brauchen Radfahrer nicht absteigen.  
(Fotos (2): Stefan Arend)
600 Meter weiter an der Graf-Adolf-Straße gibt es einen Radweg: An dieser Stelle brauchen Radfahrer nicht absteigen. (Fotos (2): Stefan Arend)

600 Meter weiter an der Graf-Adolf-Straße gibt es einen Radweg: An dieser Stelle brauchen Radfahrer nicht absteigen. (Fotos (2): Stefan Arend)

600 Meter weiter an der Graf-Adolf-Straße gibt es einen Radweg: An dieser Stelle brauchen Radfahrer nicht absteigen. (Fotos (2): Stefan Arend)

Düsseldorf. Am Montag trifft sich die Unfallkommission aus Stadt, Polizei und Rheinbahn, Thema ist der Stresemannplatz. Am Montag starb dort ein Fahrradfahrer nach einem Zusammenstoß mit einer Straßenbahn. Nach Zeugenaussagen soll der Radler trotz Rotlicht über die Fußgängerfurt gefahren sein.

Die Kreuzung ist unübersichtlich und gefährlich, ein Unfallschwerpunkt ist sie laut Polizei nicht mehr. Zumal die Straßenverkehrsordnung klar vorgibt, wie Fußgänger und Radler die Graf-Adolf-Straße überqueren müssen: Da kein Fahrradweg ausgewiesen ist, müssen Radler absteigen und ihren fahrbaren Untersatz schieben.

Viele Radler kennen die Regeln, aber sie halten sich nicht daran

Dass Radfahrer es mit den Verkehrsregeln oft nicht so genau nehmen, ist kein Geheimnis. "Die meisten kennen die Regeln genau", sagt Hauptkommissar Peter Zieslik, der bei der Polizei für die Verkehrsberatung zuständig ist. "Dennoch halten sich viele einfach nicht daran." Woher diese Haltung kommt, kann er nur vermuten. "Egoismus. Man will einfach schnell von A nach B." Eher "Gedankenlosigkeit als Nichtwissen" vermutet auch Iko Tönjes vom Verkehrsclub Deutschland.

Rote Ampeln, Fußgängerzonen oder Gehwege, die für Radfahrer tabu sind, werden als lästiges Übel empfunden, so dass sie einfach weiterstrampeln. Hinzu kommen Kopfhörer im oder Handy am Ohr oder gar Fahrer, die sich im Biergarten in die Fahruntüchtigkeit geprostet haben. "Das sind keine fahrlässigen Fehler, sondern vorsätzliche", sagt Zieslik.

Umweltpsychologe Kai Lenßen hält diese Erklärung für zu eindimensional. "Radler haben in Düsseldorf buchstäblich zu wenig Freiräume, Rücksicht auf sich und andere nimmt nur, wer sich frei auf eigenen Wegen bewegen kann." Wer eingeengt im Verkehr unterwegs sei, konzentriere sich nur auf sich selbst, reagiere zwangsläufig rücksichtslos und aggressiv.

Die Zahlen sprechen für sich. Bis Ende August gab es 515 Unfälle mit Radlern, 464 von ihnen wurden verletzt. 205 mal waren die Zweiradfahrer Verursacher. "Dabei müsste das Bewusstsein vorhanden sein, dass Radler nach Fußgängern die zweitschwächsten Verkehrsteilnehmer sind", sagt Polizeisprecher André Hartwich.

Dilemma für die Polizei: Kinder kann man für den Verkehr mit sichtbaren Ergebnissen schulen, bei Erwachsenen, die die Verkehrsregeln kennen, sind Erfolge selten. Zieslik und Kollegen haben bis Juli 6.776 Grundschüler unterrichtet. Zusätzlich haben 296 Ältere an den Schulungen teilgenommen. "An die Zielgruppe der 24- bis 60-Jährigen kommen wir sehr schlecht ran", sagt Zieslik.

Möglicherweise helfen Schockvideos gegen Leichtsinn

Mit guten Worten allein sei es nicht getan, möglicherweise könnte es aber helfen, beispielsweise in Unternehmen mit hohem Radfahreranteil zu gehen und dort zu schulen. "Vielleicht helfen ja Schockvideos von Unfällen." Lenßen hält davon allerdings wenig. "So etwas hilft wenn überhaupt nur kurzfristig."

Leserkommentare


() Registrierte Nutzer