Wegen des Schüleransturms richtet die Stadt an sechs Orten neue Klassen ein – doch Räume und Lehrer fehlen.

Am Humboldt-Gymnasium in Pempelfort wird es ab Sommer sechs 5. Klassen geben.  Luftbild: Stadt Düsseldorf
Am Humboldt-Gymnasium in Pempelfort wird es ab Sommer sechs 5. Klassen geben. Luftbild: Stadt Düsseldorf

Am Humboldt-Gymnasium in Pempelfort wird es ab Sommer sechs 5. Klassen geben. Luftbild: Stadt Düsseldorf

Am Humboldt-Gymnasium in Pempelfort wird es ab Sommer sechs 5. Klassen geben. Luftbild: Stadt Düsseldorf

Düsseldorf. Der Schüleransturm auf die Gymnasien wird seit Jahren immer größer. Jetzt aber droht er der Stadt über den Kopf zu wachsen – und zum Streitfall mit Schulen und Eltern zu werden. Denn nicht alle Gymnasien wollen die bisherige Strategie der provisorischen Lösungen einfach weiter hinnehmen.

Auf Anfrage der WZ bestätigt Schulamtsleiterin Dagmar Wandt, dass man im Stadtrat Ende April eine Erhöhung der Zügigkeit (Klassen pro Jahrgangsstufe) an gleich fünf Gymnasien vorschlage: Am Poth in Gerresheim, Annette-von-Droste-Hülshoff in Benrath, Max-Planck in Stockum, Cecilien in Oberkassel und Geschwister Scholl in Bilk. Außerdem wird am Humboldt-Gymnasium an der Pempelforter Straße, das wieder klar die meisten Neuanmeldungen aufweist, ein weiterer Zug in der Eingangsstufe 5 eingesetzt – es ist dann der sechste.

Und genau dort rumort es auch am meisten. Die Schulpflegschaft am Humboldt hat Widerspruch bei der Stadt und der Bezirksregierung eingelegt. Die räumliche, aber auch die personelle Ausstattung seien für eine Ausweitung einfach nicht gegeben. Schulleiter Volker Syring hält sich mit Bewertungen noch zurück, konstatiert aber in der Sache: „Wir werden durch den 6. Zug in der Tat sehr beengt, denn außerdem kommt im nächsten Schuljahr erstmals ein fünfzügiger Jahrgang neu in die Oberstufe.“ Es mangele insbesondere an naturwissenschaftlichen Fachräumen und Platz für den Sportunterricht, sagt Syring.

Am Poth werden Container auf den Schulhof gestellt

Einig sind sich die Direktoren der Gymnasien in dem Befund, dass es ihnen an Lehrern mangelt, das wurde bei ihrer jüngsten Zusammenkunft deutlich. Die Relation Lehrer pro Schüler sei in Düsseldorf deutlich schlechter als in umgebendenden Städten. Dieses Problem freilich kann nur die Landesregierung lösen. Schulamtsleiterin Wandt: „Ich gehe davon aus, dass die Erhöhung der Zügigkeit im Rahmen der Lehrerverteilung berücksichtigt wird.“

Die Raumnot wiederum ist Sache der Stadt. Wandt betont, dass erst einmal nur am Poth Container (im Amtsdeutsch heißen sie Modulbauten) als Klassenzimmer errichtet werden. An den anderen Schulen könne man sich noch mit Umnutzungen oder Umbauten behelfen.

Düsseldorfer Elternschaft beklagt zu große Klassen

Die Zahl der Kinder, die in diesem Sommer nach der Grundschule auf ein Gymnasium gehen, ist gegenüber dem Vorjahr um fast 200 auf 2690 Schüler gestiegen. Im Jahr 2005 lag die Zahl der Anmeldungen noch bei 1673.

Die Elternschaft Düsseldorfer Schulen (EDS) beklagt zudem, dass etliche Gymnasien aufgrund von Lehrer- und Raummangel immer öfter Klassen mit mehr als 30 Kindern bilden: „Das ist pädagogisch nicht hinnehmbar“, sagt EDS-Sprecherin Berit Zalbertus und wiederholt ihre Forderung: „In Düsseldorf fehlen schlicht zwei Gymnasien, die Stadt muss da endlich schneller handeln.“ Denn die Schülerzahlen würden – auch durch Flüchtlinge – in den nächsten Jahren größer statt kleiner.

Der Stadt ist das alles durchaus bewusst. Schuldezernent Burkhard Hintzsche konstatierte bereits in der 2012 erstellten Schulentwicklungsplanung einen enormen zusätzlichen Bedarf an Gymnasialplätzen. Und auch er plädierte auf Sicht für zwei neue Gymnasien. Doch die alte Stadtregierung und auch die Politik folgten dem nicht. Jetzt soll im Sommer 2016 immerhin das neue Jüdische Gymnasium in Unterrath loslegen.

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