Vertreter dreier Generationen schreiben auf dieser Seite über die Altstadt: Uerige-Ehrenbaas Josef Schnitzler (72), Barbara Oxenfort (45) vom Weinhaus Tante Anna sowie WZ-Redakteurin Juliane Kinast (27).

perspektiven
Josef Schnitzler ist Diplom-Braumeister und war bis in die 80er Jahre verantwortlich für die Brautechnik in seinem Elternhaus Schumacher Alt. Bereits 1975 übernahm er den Uerige.

Josef Schnitzler ist Diplom-Braumeister und war bis in die 80er Jahre verantwortlich für die Brautechnik in seinem Elternhaus Schumacher Alt. Bereits 1975 übernahm er den Uerige.

Judith Michaelis

Josef Schnitzler ist Diplom-Braumeister und war bis in die 80er Jahre verantwortlich für die Brautechnik in seinem Elternhaus Schumacher Alt. Bereits 1975 übernahm er den Uerige.

Düsseldorf. Als ich in den letzten Tagen über Daniel Spoerri in der Zeitung las, dachte ich an seine Zeit in der Düsseldorfer Altstadt und das Eckrestaurant an der Mühlenstraße. Wir verstanden seine Kunst nicht, aber es waren Künstler um ihn herum, die das Leben mit den Diskussionen in unsere Altstadt brachten. Nach dem Krieg wurde zuerst geflickt, improvisiert, gehamstert und mit frischem Mut etwas wieder angefangen oder aufgemacht. Damit begann das Leben, das in der Altstadt immer zu Hause war.

Die Bilder der früheren Bolkerstraße, der Kö, der Altstadt, zeigen Ihnen das wunderbar. Es gab viele Einzelhändler, ein paar Kneipen, Hausbrauereien. Mit dem Fahrrad brachte ein Sohn des Metzgermeisters Holzhauer, von der Kurze Straße noch gegen 20 Uhr abends frisches Tatar zu meiner Mutter, wenn es ausverkauft war! In der Altstadt waren die Familien, die Bürger stark, die Schule an der Ritterstrasse war das Zentrum der Kraft, des Geistes der Altstadt, bis heute treffen sich die ehemaligen Schülerinnen und Schüler dieses besonderen Kristallisationspunktes.

Mit den diversen Wellen nach dem Krieg änderten wir uns und mit uns die Altstadt – bis heute ist es noch so. Die Hauseigentümer konnten an die Großbrauereien lukrativ verkaufen und so war die neue „Fruchtfolge“ da, vom Einzelhandel zur Gastronomie.

Viele von uns sind der Ansicht, die Altstadt ändert sich. Ich sage: Nein, die Altstadt ändert sich nur so, wie wir unsere Gewohnheiten ändern. Darauf stellen sich die Angebote in unserer Altstadt ein. Und wer sich im Leben nicht benehmen kann, tut das auch nicht in der Altstadt!

Anders verhält sich das mit Hausbrauereien und den authentischen Brauereiausschänken. Diese Familien, diese Häuser sind immer noch der Tradition verbunden, aber haben auch alle eine Wandlung durchgemacht. Erst waren die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter rar und dann kamen die Kostendiskussionen. Ich erinnere mich noch gut daran, als meine Mutter die ersten warmen Mittagsgerichte anbot, frisches Gemüse, Salatplatte, frischer Grünkohleintopf, ein voller Erfolg. Aber das Russenei, der Gervais, der Rindfleischsalat, der Heringsstipp waren immer noch im Angebot und im Hause zubereitet, ha lecker!

Der Tipp: Den Japanern beim Kunstunterricht zuschauen

Es sollte für die Zukunft nicht nur zurückgeschaut werden. Es gibt viele junge, kreative Menschen, Künstler, Handwerker, wirkliche Köche, die alle ihren Beruf lieben. Zuerst erschrecken uns diese und können uns unsicher machen, aber aus den Diskussionen und dem Beschäftigen mit der Zukunft wird die Altstadt weiter, mit ihren Besuchern, ihren Weg gehen. Vor dieser Zukunft ist mir nicht bang, denn die Altstadt hat stets innovative und leistungsbereite Leute angezogen, die stärkeren Eindruck hinterlassen haben als alle Rabauken zusammen, über die so viel gesprochen wird.

Bitte gehen Sie in die Altstadt, wenn die Schüler der japanischen Schule in der Altstadt Kunstunterricht praktisch durchführen: Das ist unsere Düsseldorfer Altstadt, ein besonderer Teil unseres so schönen Dorfes an der Düssel.

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