Ein neuer Stromanbieter verteilt Unmengen an Papier in der City, und die Stadt erlaubt’s.

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Mit tausenden grünen Pappschachteln warb ein neuer Stromanbieter am Freitag unter anderem vor dem Kom(m)ödchen in der Altstadt.

Mit tausenden grünen Pappschachteln warb ein neuer Stromanbieter am Freitag unter anderem vor dem Kom(m)ödchen in der Altstadt.

Judith Michaelis

Mit tausenden grünen Pappschachteln warb ein neuer Stromanbieter am Freitag unter anderem vor dem Kom(m)ödchen in der Altstadt.

Düsseldorf. Es sieht aus wie Guerilla, es erregt Aufsehen wie Guerilla, aber es ist nur Öko-Strom-Werbung. Tausende grüne Papp-Polygone bedeckten am Freitag Straßen, prangten an Laternen vor dem Köm(m)ödchen in der Altstadt, am Gap15 und rund um die Gehry-Bauten im Medienhafen. Einen Tag lang nutzte ein neuer Düsseldorfer Stromanbieter die Strategie des Guerilla-Marketings (eine illegale Vermarktungsaktion auf öffentlichen Flächen), um auf sich aufmerksam zu machen.

Doch die Aura des Verbotenen trifft beim aktuellen Fall nicht zu. Die Stadt hat die Papiermüll-Verteilaktion genehmigt, wie Bernd Thomas vom Ordnungsdezernat bestätigte. Für die Beseitigung der Schachteln muss der Urheber sorgen, so ist es vertraglich geregelt.

Wird die Vereinbarung nicht eingehalten, kümmert sich die Awista um den Müll. Die Kosten trägt der Initiator und zahlt fürs Kehren von Hand 51,53 Euro, für den Einsatz der Kehrmaschine 46,41 Euro pro Stunde. Wenn es ganz dicke kommt, wird auch noch ein Bußgeld von maximal 500 Euro fällig.

Jutta Rottmann, Sprecherin des Energieanbieters "Strasserauf" sagte am Freitag gegenüber der WZ: "Wir räumen natürlich alles wieder weg." Schließlich werden in ihrem Unternehmen Nachhaltigkeit und Ökologie groß geschrieben. Wie sich diese Auffassung mit dem Berg an Papiermüll verträgt, erklärt Rottmann so: "Das passt zum Zeitgeist, wir wollen ja nicht belehren."

Das wollten aber drei Mitarbeiter des OSD am Freitagmorgen am Gap15. Weit kamen sie jedoch nicht. Denn was sie zu diesem Zeitpunkt noch nicht wussten: Ihre Kollegen im Innendienst hatten dem Antrag stattgegeben und für die Nutzung der 30 Quadratmeter öffentlichen Straßenraums 1.526,50 Euro kassiert.

Dieser wird regelmäßig zu Werbezwecken genutzt, 1.014 solcher Anträge wurden in diesem Jahr bislang gestellt. Solange es passt, sind solche Aktionen kein Problem. Thomas: "Während des Weinachtsmarkts hat so etwas keine Chance."

Besonderes Aufsehen erregte 2007 eine nicht angemeldete Marketing-Kampagne. Eine Agentur hatte für einen Fernsehsender eine Wand im Alten Hafen stellenweise mit Hochdruckreiniger bearbeitet. Die Stadt behob das uneinheitliche Erscheinungsbild und stellte den Aufwand dem Urheber in Rechnung. Der zahlte lässig die 1.500 Euro und freute sich über seine kostengünstige Werbeidee.

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