Die Flexibilität bei den Abholzeiten im Grundschul-Ganztag wird abgeschafft.

Bild mit zunehmendem Seltenheitswert: Denn die Kinder in den Ganztagsgruppen sollen im Wesentlichen zur gleichen Zeit abgeholt werden.
Bild mit zunehmendem Seltenheitswert: Denn die Kinder in den Ganztagsgruppen sollen im Wesentlichen zur gleichen Zeit abgeholt werden.

Bild mit zunehmendem Seltenheitswert: Denn die Kinder in den Ganztagsgruppen sollen im Wesentlichen zur gleichen Zeit abgeholt werden.

Julian Stratenschulte

Bild mit zunehmendem Seltenheitswert: Denn die Kinder in den Ganztagsgruppen sollen im Wesentlichen zur gleichen Zeit abgeholt werden.

Düsseldorf. Ein Zehnjähriger, der unbedingt lernen will, Gitarre zu spielen. Für Rainer Kinast, der das Instrument an der Clara-Schumann-Musikschule unterrichtet, eigentlich ein Glücksfall. Doch der Junge besucht eine Offene Ganztagsschule (OGS), vor dem späten Nachmittag hat er für die Musik keine Zeit. Jetzt kommt der Schüler um 19.20 Uhr zum Gitarrespielen.

Probleme dieser Art werden sich in Zukunft wohl verschärfen, denn die Abholzeiten werden an den Düsseldorfer Grundschulen in Zukunft noch strikter gehandhabt. Um das auch schriftlich zu fixieren, hat die Stadt in diesen Tagen die Verträge von über 12 400 OGS-Kindern gekündigt. Sie bekommen jetzt Post von den Schulen mit der Aufforderung, in den kommenden Tagen die neuen Verträge zu unterschreiben – oder ihr Kind abzumelden.

Regeln für die Abholzeiten hat es bisher schon gegeben, etwa: nicht vor 15 Uhr. Sie wurden allerdings von den Schulen unterschiedlich – und von manchen eher lax – gehandhabt. Damit soll jetzt Schluss sein, Auslöser war ein Erlass aus dem Schulministerium, den die Kommunen nun umsetzen.

Schulleiter bestätigen das. Sieglinde von Beckerath von der Franz-Vaahsen-Grundschule: „Wir lassen nur noch wenige Ausnahmen gelten, etwa therapeutische Termine wie Logopädie, außerdem Sprach- und Talentförderung.“

Das bestätigt ihre Kollegin Manuela Hasselmann von der Astrid-Lindgren-Schule: „Sportvereine oder Kindergeburtstage gelten nicht als Ausnahme.“ Eltern werden zudem gebeten, Arzttermine auf den späten Nachmittag zu legen. Über Einzelfälle könne man aber sicher reden.

Der Begriff Offene Ganztagsschule heißt, dass Eltern sich in jedem Schuljahr für oder gegen die Nachmittagsbetreuung entscheiden können. Das Angebot gibt es seit 2003, die Zahl der Plätze steigt seitdem. Heute liegt die OGS-Quote weit über 50%.

Nicht alle Eltern sind mit dieser Entwicklung glücklich. „Ich finde es nicht gut, dass es künftig keine Ausnahmeregelung für Sport mehr gibt“, sagt zum Beispiel die Mutter einer Drittklässlerin an der Franz-Vaahsen-Schule. Zwar kooperieren inzwischen viele Grundschulen mit den Vereinen. Damit sind die Familien aber auf das – begrenzte – Angebot ihrer Schule angewiesen.

Kritik kommt auch vom Stadtelternrat. Die Vorsitzende Svenja Kruse sagt: „Unsere Eltern wünschen sich mehr Flexibilität, nicht weniger.“ Eltern, die zum Beispiel flexible Arbeitszeiten hätten, würden in der neuen Regelung nicht berücksichtigt, genauso wenig wie die Unterschiedlichkeit der Kinder. „Für manche ist der regelmäßige OGS-Besuch gut, andere brauchen auch mal eine Auszeit.“

Wer Ausnahmen für einzelne Tage will, soll sein Kind abmelden

Für solche Kinder ist der Offene Ganztag offensichtlich nicht mehr ausgerichtet. Laut Theo Bremer, kommissarischer Leiter des Schulverwaltungsamtes, soll die Abholzeit ab 16 Uhr die Regel sein. Allerdings bieten die meisten Schulen ein Zeitfenster um 15 Uhr als Alternative. Eltern, die sich für die OGS entschieden, müssten diesem Angebot der Schule auch die notwendige Zeit einräumen.

Aber was ist, wenn Eltern einen Nachmittag pro Woche mit ihrem Kind verbringen wollen? Dafür, so Bremer, gebe es andere Betreuungsangebote, die OGS komme dann nicht mehr in Frage. Die Alternativen jedoch enden meist um 14 Uhr oder früher.

Leserkommentare (4)


() Registrierte Nutzer