Mancher freute sich sogar über Kunst-Schnäppchen – auch wenn das Niveau der Gaben insgesamt nachgelassen hat.

Mancher freute sich sogar über Kunst-Schnäppchen – auch wenn das Niveau der Gaben insgesamt nachgelassen hat.
Ein Weihnachtsmann auf dem Schlitten hatte gestern zunächst noch keinen Käufer gefunden.

Ein Weihnachtsmann auf dem Schlitten hatte gestern zunächst noch keinen Käufer gefunden.

Sergej Lepke

Ein Weihnachtsmann auf dem Schlitten hatte gestern zunächst noch keinen Käufer gefunden.

Ungeliebte Weihnachtsgeschenke kamen im Café der Johanneskirche am Samstag auf den Gabentisch. Und stießen auf rege Nachfrage. Darunter jede Menge Praktisches, aber auch allerlei Skurriles mit Retro-Touch.

Natürlich fehlte der Klassiker in der Top Ten der verhassten Festgaben – Rasierwasser im unteren Preissegment – nicht. Ebenso wie Körperpflege-Sets in Hülle und Fülle. Gemeinsam mit dem „schwerelosen Öl für glanzloses Haar“ oder einer trashigen Cleenex-Box in Holzbank-Design harrten sie der Dinge. Dazwischen buhlten um die Gunst neuer Besitzer: Gemüsereiben, Fonduesets, Messerblöcke, Tischdecken, Kerzen und andere Deko-Artikel.

Die Idee hinter der Aktion ist zwar, dass neue Geschenke einen neuen Besitzer finden. Aber: Viele der Schätzchen erweckten den Anschein, dass sie Opfer einer heimischen Ausmist-Aktion geworden waren. So wie eine Kristallschale mit Deckel, derer sich auch für drei Euro keiner erbarmte.

Aber das Café-Team hatte zuvor ohnehin schon bei Abgabe der Geschenke eine Vorauswahl getroffen. „Manche Sachen haben wir erst gar nicht angenommen“, erzählt Küsterin Hermine Schuster und ergänzt: „Früher hatten wir hier deutlich schönere Sachen. Etwa einen Tablet-PC oder einen Gutschein von P & C im Wert von 300 Euro. Es macht bei vielen Sachen den Anschein, als ob die Leute zu Hause ihren Hausrat aussortiert hätten.“

Wer etwas Besonderes wollte, musste früh kommen

Aber wer früh genug gekommen war, konnte trotzdem fündig werden. So wie Ellen Rosenthal, die eine ganze Tüte voller Geschenke aufgestöbert hat: Windlichter, ein Engelbuch und anderes mehr. „Ich habe den Preis für das alles von acht auf zehn Euro aufgestockt. Ich finde das nicht schön, wenn die Leute hier handeln“, findet sie. Auch Itha Schröder ist voll bepackt mit allerlei Dingen. „Ich schaue hier vornehmlich nach Wertanlagen“, verrät sie. So hat sie eine gerahmte „original Lithographie“ aus dem Jahre 1880 mit Ansichten zu New York erstanden. Für sage und schreibe zehn Euro. „Allein der Rahmen und das Passepartout sind viel mehr wert“, freut sie sich. Gefreut hat sie sich jedoch alles andere, als ein Unbekannter ihr einen anderen „Schatz“ weggeschnappt hat – gerade nachdem sie diesen bezahlt hatte. „Das war ein alter farbiger Stich, eine Ansicht von Düsseldorf am Kai“, sagt die Düsseldorferin fassungslos. Das Juwel kostete nur sieben Euro. Ein Weltkartenset für acht Euro und mehr trösten sie nun darüber hinweg.

„Gut eingekauft“ hat auch eine modisch gekleidete Dame, die den Inhalt einer prallvollen Plastiktüte aus Kerzen, Pflegesets und Deko vorzeigt. „Ich habe dafür 20 Euro bezahlt“ verrät sie und ergänzt: „Ich komme gerne hierher. Es ist gut, wenn einer gebrauchen kann, was andere nicht haben wollen.“ Ihre Familie habe das Schenken an Weihnachten abgeschafft. „Dieser Überfluss ist doch unangenehm“, findet die Düsseldorferin.

Zu den Highlights, die bei der diesjährigen Aktion eine neue – glückliche – Besitzer fanden, zählten: „Ein Eisenbahn-Set und eine Krippe aus dem Erzgebirge gingen für jeweils 50 Euro weg“, verrät Karin Stender, eine der ehrenamtlichen Helfer.

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