Miese Stimmung in Benrath: 250 Arbeitsplätze fallen weg. Die Mitarbeiter sind verunsichert, der Betriebsrat schweigt.

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Miese Stimmung am Dienstag beim Schichtwechsel an der Forststraße: Die Arbeiter haben Gesprächsbedarf.

Miese Stimmung am Dienstag beim Schichtwechsel an der Forststraße: Die Arbeiter haben Gesprächsbedarf.

Michaelis

Miese Stimmung am Dienstag beim Schichtwechsel an der Forststraße: Die Arbeiter haben Gesprächsbedarf.

Düsseldorf. Um 14 Uhr ist bei Gottwald Schichtwechsel. Die Sonne scheint, aber es ist unangenehm schwül. Für einen Teil der Belegschaft des Benrather Kran- und Anlagebauers beginnt der Feierabend. Gut aufgelegt ist dennoch keiner der Männer, die am Dienstag Nachmittag das Tor an der Forststraße verlassen.

Rund 250 Kollegen werden ihren Job verlieren. Nach einem Rekordumsatz von 1,2 Milliarden Euro im Jahr2007/2008 verzeichnet der Standort Benrath bei den Auftragszahlen starke Einbrüche. Nach fünf Monaten Kurzarbeit müssen Leute gehen.

"Ja, ich auch", sagt ein Arbeiter im Blaumann. 60 Jahre alt ist er und kommt mit der Aussicht auf Abfindung und vorzeitigen Ruhestand gut klar. "Die großen Probleme haben andere", sagt er. Die mit Frau und Kindern zu Hause, die ihr bislang festes Arbeitsverhältnis in ein zeitlich begrenztes bei einer Transfergesellschaft eintauschen sollen. Gegen weniger Lohn, dafür aber mit möglicher Chance auf Weitervermittlung in ein anderes Unternehmen.

Bis Mittwoch müssen die Verträge unterzeichnet sein

"Mit mir nicht!" ruft ein Mann. Seine Namen mag er nicht sagen. Das will hier niemand, man weiß ja nie. "Seit mehr als 15 Jahren bin ich bei dem Unternehmen, und jetzt soll ich diesen Vertrag unterschreiben." Bis Mittwoch, sagt er, soll er sich entschieden haben, sonst werde er abgefunden und sei seinen Arbeitsplatz los. Er hat einen Anwalt eingeschaltet. "Mal sehen, ob es ’was bringt."

"Es ist schlimm", sagt ein junger Mann, dessen Spätschicht gleich beginnt. "Ich sag’s ehrlich, ich habe überhaupt keinen Bock mehr, zur Arbeit zu gehen." Er arbeitet in der Lackiererei. "Wir sollen bei einem anderen Unternehmen angestellt werden. Für die nächsten fünf Jahre, mit einem neuen Arbeitsvertrag."

Viele Kollegen kommen schon gar nicht mehr. "Ihre Zeitverträge sind ausgelaufen. "Für sie ist schon jetzt Schluss." Diejenigen, die ihren Arbeitsplatz behalten, sind verunsichert. "Wer weiß, wann die nächste Entlassungswelle kommt", sagt ein Mann. Er glaubt gar, dass das Unternehmen "in zwei, drei Jahren nicht mehr existiert".

Im Stich gelassen fühlen sich viele Arbeiter von ihrem Betriebsrat. "Der macht gar nichts", beschwert sich einer. Für die WZ war am Dienstag von den Arbeitnehmervertretern niemand zu sprechen.

Kritik kam auch vom Regionalchef der IG Metall, Nihat Öztürk. "Wir sind enttäuscht, dass der Betriebsrat nicht deutlich auf eine längere Kurzarbeitsphase gepocht hat." Für "unmoralisch" hält er die Vorgehensweise des Unternehmens. "Es hätte noch mehr Instrumente ausprobieren können als den Arbeitsplatzabbau."

Nach Auskunft von Robert Wassmer, Vorsitzender der Geschäftsführung Gottwald Port Technology GmbH, ist jedoch die wirtschaftliche Situation schwierig: Der Einbruch bei den Auftragseingängen sei extrem. "Eine Ausweitung der Kurzarbeit hätte aus Sicht der Geschäftsführung nicht ausgereicht um die nachhaltige Zukunftsfähigkeit des Unternehmens zu sichern."

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