„Isabella“ heißt die erste Patisserie, die komplett auf Klebereiweiß verzichtet. Vielen Bäckern ist das zu aufwändig.

„Isabella“ heißt die erste Patisserie, die komplett auf Klebereiweiß verzichtet. Vielen Bäckern ist das zu aufwändig.
Stehen hinter der Isabella-Theke: Sohn Dominic Krätz und die Eltern Isabella und Christof Krätz.

Stehen hinter der Isabella-Theke: Sohn Dominic Krätz und die Eltern Isabella und Christof Krätz.

Judith Michaelis

Stehen hinter der Isabella-Theke: Sohn Dominic Krätz und die Eltern Isabella und Christof Krätz.

Düseldorf. Gluten- und laktosefreie Produkte boomen. Supermärkte haben inzwischen für jede Lebensmittel-Unverträglichkeit das passende Angebot. Während vor zehn Jahren kaum jemand wusste, was Gluten ist, kennen mittlerweile viele den Nährstoff, der im Getreide steckt.

In Oberkassel hat jetzt sogar eine Patisserie eröffnet, die ausschließlich glutenfreie Produkte herstellt – Brot, Brötchen und Kuchen ohne Gluten sind voll im Trend und werden nicht nur von jenen gegessen, die an einer Zöliakie leiden: „Die meisten Kunden schätzen unsere Produkte, weil sie sehr bekömmlich und geschmackvoll und nur aus besten Zutaten sind“, sagt Christof Krätz.

Gemeinsam mit seiner Frau Isabella und Sohn Dominic hat er vor drei Monaten das „Isabella“ an der Arnulfstraße eröffnet.

Zuvor hatte das Ehepaar 30 Jahre lang eine Vertriebsagentur in der Modebranche. Als Isabella Krätz vor fünf Jahren dann die Diagnose Zöliakie erhielt, musste sie ihre Ernährung komplett umstellen und sich fortan glutenfrei ernähren: „Es war ganz schlimm für mich, weil es eigentlich nur industriell gefertigte glutenfreie Lebensmittel gibt und die schmeckten ganz furchtbar“, erinnert sie sich.

Da es in diesem Segment kaum handwerklich gefertigte Angebote gibt, die Nachfrage nach glutenfreier Kost aber derzeit groß ist, wagte Familie Krätz den Neuanfang im Handwerk: „Wir waren überzeugt, dass unser Konzept gut ankommen wird“, sagt Sohn Dominic (28). „Für glutenfreie Ernährung gibt es eine große Nachfrage unabhängig von der Erkrankung“, stellt Krätz fest.

Auch Prominente wie der Formel-1-Fahrer Nico Rosberg, die US-Schauspielerin Gwyneth Paltrow oder auch Tennisspielerin Sabine Lisicki ernähren sich glutenfrei und rühren damit die Werbetrommel für Lebensmittel ohne das für manche Menschen problematische Klebereiweiß.

Frühstück, Brot und Brötchen, belegte Sandwiches, verschiedene Quiches, feinste Törtchen, Müsli, Marmelade und auch Spritzgebäck sind bei „Isabella“ im Angebot, immer glutenfrei und zu 80 Prozent auch lactosefrei.

Fußballweltmeister André Schürrle ist Kunde von Familie Krätz und wird in Wolfsburg mit Backwaren aus Oberkassel versorgt. Ein holländischer Designer hatte in neun Monaten Umbauzeit aus der ehemaligen Videothek ein weiblich-urbanes Café mit dekorativem Porzellan und feiner Kuchentheke geschaffen. Von der großen Nachfrage war Familie Krätz letztlich überrascht: „Wir können nur langsam wachsen, weil wir keine Qualitätseinbuße akzeptieren“, sagt Krätz. Die Nachfrage sei bislang größer als das Angebot, im großen Stil könne bislang noch nicht geliefert werden.

Eine der wenigen Bäcker, der bislang auch glutenfreies Brot im Sortiment hat, ist Josef Hinkel: „Dienstags und donnerstags backen wir Buchweizen-Brot und die Nachfrage danach steigt stetig“, sagt Hinkel. Allerdings sei sein Brot nicht für Zöliakie-Patienten geeignet, weil es unverpackt mit anderem Brot in den Regalen liege.

In den Filialen der Bäckerei Behmer gibt es keine glutenfreien Backwaren: „Das ist zu aufwändig, dafür haben wir keine Kapazitäten und bislang gibt es auch keine große Nachfrage“, berichtet Elke Wisigo.

Auch in den Läden der Bäckerei Terbuyken wird nicht glutenfrei gebacken: „Wir würden es gerne anbieten, aber der Aufwand für die Herstellung neben dem anderen Brot ist zu groß“, gibt Alexandra Weiland von Terbuyken Auskunft.

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