Was ist dran am neuen Ernährungstrend? Barbara Prodöhl vom Gesundheitsamt klärt auf.

Was ist dran am neuen Ernährungstrend? Barbara Prodöhl vom Gesundheitsamt klärt auf.
Barbara Prodöhl vom Gesundheitsamt.

Barbara Prodöhl vom Gesundheitsamt.

Sergej Lepke

Barbara Prodöhl vom Gesundheitsamt.

Düsseldorf. Eigentlich ist Getreide gesund, es gehört zu einer ausgewogenen Ernährung, denn Korn versorgt den Körper mit Kohlenhydraten und Vitaminen und liefert Ballaststoffe für die Verdauung. Doch manche Menschen bekommen schon nach einem Bissen Brot Blähungen, Übelkeit und Durchfall, sie vertragen das Klebereiweiß Gluten im Korn nicht, sie leiden an einer so genannten Zöliakie.

Allerdings ist nur ein Prozent der Bevölkerung davon betroffen, wie Barbara Prodöhl, Ernährungsberaterin beim Gesundheitsamt, berichtet. Weit mehr Menschen glauben jedoch, bestimmte Stoffe in der Nahrung nicht zu vertragen, nach der Lactose ist daher mittlerweile vor allem das Gluten in Verruf gekommen. „Das ist ein großer Trend zur Zeit“, berichtet Prodöhl. „Wer befürchtet, kein Gluten zu vertragen, sollte zunächst zum Arzt gehen und nicht gleich die Ernährung eigenständig und ohne Befund umstellen.“

Glutenfreie Ernährung habe keinen Sinn für Gesunde und führe keinesfalls zur Gewichtsreduktion, wie oft behauptet werde: „Das ist ein Ammenmärchen.“ Wer gesund essen wolle, sollte auf eine ausgewogene Ernährung achten, frisch kochen und vor allem auf industriell gefertigte Lebensmittel verzichten, rät Prodöhl.

„Es ist sinnvoll, sich mit der Nahrung zu beschäftigen und zu hinterfragen was man isst und woher es kommt, aber es sollte nicht übertrieben werden“, sagt sie. „Wer sich lactose- oder glutenfrei ernährt aus dem Gefühl heraus, dass er sich damit etwas besonders Gutes gönnt, der irrt!“.

Zwar schade eine solche Ernährung nicht, aber sie sei unnötig umständlich. Das klebrige Eiweißgemisch, das aus den Samen der einheimischen Getreidesorten wie Weizen stammt, sei nämlich überhaupt nicht schlimm für die meisten Menschen.

Zöliakie ist eine chronische Erkrankung des Dünndarms, die auf einer Unverträglichkeit gegenüber dem Klebereiweiß Gluten beruht.

Es kommt in den Getreidesorten Weizen, Dinkel, Roggen, Gerste, Grünkern und Hafer vor. Glutenfrei sind Buchweizen, Hirse und Mais.

An Laktose-Intoleranz (Milchzucker-Unverträglichkeit) leiden deutlich mehr Menschen, etwa 15 bis 20 Prozent.

Wer Hilfe bei einem Ernährungsberater sucht, sollte einen zertifizierten Fachmann wählen. Hier hilft die Deutsche Zöliakie-Gesellschaft (dzg) in Stuttgart.

0711 / 45 99 810 (mo bis do, 9-16 Uhr, fr, 9-13 Uhr). dzg-online.de

Leserkommentare


() Registrierte Nutzer