Der Karneval wird zum Wahlkampfthema

Können nur Rheinländer so lustig Karneval feiern wie diese beiden hier?
Können nur Rheinländer so lustig Karneval feiern wie diese beiden hier?

Können nur Rheinländer so lustig Karneval feiern wie diese beiden hier?

Anna Schwartz

Können nur Rheinländer so lustig Karneval feiern wie diese beiden hier?

Düsseldorf. Wer ist denn der Mann da im Thomas-Geisel-Kostüm? Das fragt sich mancher umtriebige Jeck, der keine närrische Party auslässt. Die Wahrheit: Es ist kein Kostüm, tatsächlich erscheint der Oberbürgermeister-Kandidat der SPD omnipräsent wie eine Wahl-Dauerwerbesendung überall dort, wo man sich den Freuden des Winterbrauchtums hingibt.

Nun weiß Geisel ganz sicher, dass er auch im Rosenmontagszug vorkommt. Mindestens einmal. Echt und in Farbe. Denn der Schwabe hat sich auf dem Wagen der KG Radschläger eingekauft und – ganz unschwäbisch – die stolze Summe von 500 Euro investiert.

Doch schon naht im Kostüm der Bösen Fee die Spaßverderberin. „Ein Karnevalist ist man von Herzen, dazu muss man im Rheinland geboren sein. Und das lebt man“, kolportiert Bürgermeisterin Marie-Agnes Strack-Zimmermann närrische Pseudo–Weisheiten. Was sie offenbar ernst meint. Oder?

Naja, egal. Geisel kontert diese Attacke aus dem liberalen Hinterhalt als echter Wort-Pirat mit einer Parade, wie man sie nur Jack Sparrow im Fluch der Karibik zutrauen würde. In seinen „Notizen aus der närrischen Provinz“ tritt Geisel den Beweis an, dass man auch als Schwabe am Karneval teilnahmeberechtigt ist.

Denn der ist auch manchmal gar nicht lustig. Hier finden Sie das komplette Gedicht. Wahr ist: Schon viele Zugereiste haben sich im Karneval assimiliert. Rheinischer Frohsinn ist offenbar erlernbar. Kaufen kann man sich den allerdings nicht.

Es war einmal ein Schwabe. Der lebt jetzt lange schon im Rheinland. Und er entdeckte den Karneval für sich. Helau!

Es war einmal ein Schwabe. Der lernte zu Haus das Radschlagen. Und als er in Düsseldorf zur Jeckensitzung eingeladen und zum Radschlagen aufgefordert wurde, zeigte er, dass er's kann. Wie ein waschechter Düsseldorfer! Die Karnevalisten jubelten. Mach's noch einmal, Tom! Helau!

Es war einmal ein Düsseldorfer Ehepaar. Das zog als Charlie Chaplin und Marlene Dietrich verkleidet im Karneval viele Blicke auf sich. Alle jubelten ob der schönen Narrenzeit. Bis auf eine. Tätä!

Hier bist du in guten Händen. Du kannst feiern und authentisch sein, dachte sich der schwäbische Rheinländer. Du bist in einer weltoffenen Stadt, die schon viele berühmte Söhne und Töchter in ihren Bann gezogen hat. Hier willst du Oberbürgermeister werden!

Aber jetzt ist Februar, die fünfte Jahreszeit. Jetzt wird erstmal gefeiert! Und da willst du nah beim närrischen Volk sein. Du gehst auf Sitzungen und auf den Rosenmontagswagen. Und natürlich zahlst du dafür, wie alle anderen, für den Wagen und für die Kamelle. Die Jecken brauchen Geld! Sie gehen sogar auf der Straße sammeln. Da sammelst du natürlich mit. Helau!

Na klar: Auch die rheinisch-närrische Provinz hat eingeborene Spaßbremsen. Die meckern jetzt, weil du so mittendrin bist und Freude hast. Als zugezogener Rheinländer! Geht denn das? Aber da sind wir jetzt mal großzügig. M'r moss och jönne könne!

 

Helau, tätä und alle nochmal von vorn!

 

O wär im Februar doch auch,

Wie's ander Orten ist der Brauch

Bei uns die Narrheit zünftig!

Denn wer, so lang das Jahr sich mißt,

Nicht einmal herzlich närrisch ist,

Wie wäre der zu andrer Frist

Wohl jemals ganz vernünftig.

 

(Theodor Storm, bekanntermaßen kein Rheinländer)

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