Bei der vierten Festlichen Operngala für die Deutsche Aids-Stiftung traten in der Rheinoper Spitzen-Sänger der Welt ohne Gage auf.

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Pretty Yende aus Südafrika flutet bei der Operngala den Saal mit reinem Wohlklang.

Pretty Yende aus Südafrika flutet bei der Operngala den Saal mit reinem Wohlklang.

Christoph Uleer von der Aids-Stiftung, Susan Weiss aus dem Kuratorium der Operngala, Opern-Intendant Christoph Meyer und Ulrich Heide (ebenfalls Aids-Stiftung) freuen sich über das Ergebnis der Veranstaltung (v.l.).

Paul Esser, Bild 1 von 2

Pretty Yende aus Südafrika flutet bei der Operngala den Saal mit reinem Wohlklang.

Düsseldorf. Die vierte Festliche Opern-Gala an der Rheinoper zugunsten der Deutschen Aids-Stiftung ist das jüngste Kapitel einer Erfolgsgeschichte. Das Haus ist immer voll, die kompletten Kartenerlöse kommen Aids-Patienten zugute, da Sänger und Orchester auf Gagen verzichten, und das musikalische Niveau überbietet alles, was das ganze Jahr über im Opernhaus zu erleben war.

Das Star-Aufgebot wäre unter regulären Umständen überhaupt nicht finanzierbar. Auch das Händchen für eben jene Sänger, die noch kurz vor dem Scheitelpunkt ihrer internationalen Karriere stehen und so gerade noch Lücken im Terminkalender haben, hätte wohl in Düsseldorf niemand gehabt. Bei diesem Ereignis ist es immer Alard von Rohr, der ehemalige Direktor der Deutschen Oper Berlin, der die künstlerische Leitung übernimmt und auch die jährlich im Fernsehen übertragene Aids-Gala in Berlin organisiert.

Koloratursopranistin Olga Peretyatko brilliert

So sitzt man an diesem Abend in der Oper wie Alice im Wunderland und kommt aus dem Staunen nicht heraus. Gerade will man noch die englische Mezzosopranistin Anna Stéphany insgeheim zum Star des Abends küren ob ihres edlen Timbres, der duftigen Tongebung und seidig weichen Koloraturen – da kommt auch schon die russische Sopranistin Olga Peretyatko und legt eine stimmliche Virtuosennummer hin, dass einem die Luft wegbleibt. Vor allem die Arie der Puppe Olympia aus Jacques Offenbachs surrealistischer Oper „Hoffmanns Erzählungen“ begeisterte: Die Koloratursopranistin singt nicht nur brillant und lupenrein, sondern imitierte auch noch darstellerisch überaus versiert und mit Sinn für Komik das maschinenhaft Eckige der singenden Puppe, die immer wieder mit einer Kurbel aufgezogen werden muss.

Dmitri Vargin von der Rheinoper muss sich nicht verstecken

Über eine Stimme, die den ganzen Saal mit Wohlklang flutet, verfügt derweil die farbige Südafrikanerin Pretty Yende, vor allem im Kuss-Walzer „Il Bacio“ von Luigi Arditi. Auch Männerstimmen gab es zu bewundern, zwei superbe Tenöre, deren Namen man sich merken sollte: Jean-François Borras und Atalla Ayan. Letzterer sang die berühmte Arie „Wie eiskalt ist dies Händchen“ aus Puccinis „La Bohème“ so leidenschaftlich und schmelzend, als sei er für die Partie des Rodolfo geboren.

Unterdessen muss sich Bariton Dmitri Vargin, Ensemble-Mitglied der Rheinoper nicht hinter der angereisten Sänger-Prominenz verstecken und beglückt den Hörer mit einer beseelten Bariton-Arie aus Tschaikowskys „Pique Dame“. Unter der Leitung von Generalmusikdirektor Axel Kober spielen die Duisburger Philharmoniker auf und begleiten die Sänger mit Saft, Kraft, Feinsinn und Genauigkeit.

Mehr als 145 000 Euro sind durch den Karten-Erlös und Spenden zusammengekommen. Enthalten ist eine Spende über 40 000 Euro des Juweliers Bucherer. Den Scheck überreichte Geschäftsführerin Julia Piras an Rita Süssmuth, Ehrenvorsitzende der Deutschen Aids-Stiftung.

Die Deutsche Aids-Stiftung unterstützt damit sowohl bedürftige Menschen mit HIV und Aids in Düsseldorf und Nordrhein-Westfalen als auch im südlichen Afrika, um die Mutter-Kind-Übertragung des HI-Virus von infizierten schwangeren Frauen auf ihre Babys zu verhindern.

Rita Süssmuth, Ehrenvorsitzende der Deutschen Aids-Stiftung erinnerte in ihrer Begrüßungsansprache an die schwierige Anfangszeit bei der Hilfe von Aids-Kranken und den politischen Gegenwind, der ihr vor 25 Jahren entgegenwehte. „Ich stand als Ministerin mit dem Rücken zur Wand.“ Doch sei der Kurswechsel gelungen: „Wir bekämpfen die Krankheit, nicht die Kranken.“

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