Eine 35-Jährige soll innerhalb eines Monats aus Habgier drei Menschen umgebracht haben. Der Fall ist selbst für die Ermittler ungewöhnlich. Die Richter haben es mit einem schwierigen Indizienprozess zu tun.

Mutmaßliche Dreifachmörderin vor Gericht
Die Angeklagte (m) bespricht sich vor Verhandlungsbeginn mit ihren Anwälten.

Die Angeklagte (m) bespricht sich vor Verhandlungsbeginn mit ihren Anwälten.

Andreas Arnold

Die Angeklagte (m) bespricht sich vor Verhandlungsbeginn mit ihren Anwälten.

Gießen/Düsseldorf. Eine Frau in einem grauen Pullover sitzt mit gefalteten Händen auf der Anklagebank des Gießener Landgerichts. Mehrere Fernsehteams und Fotografen richten ihre Kameras auf die 35-Jährige aus Aachen, die drei Menschen innerhalb eines Monats ermordet haben soll. Aus Habgier. Um an Geld und Wertgegenstände zu gelangen.

Zum Prozessauftakt am Dienstag bezeichnet der Staatsanwalt den Fall als «außergewöhnlich». Es sei selten, dass eine Frau für eine Raubmordserie wie diese verantwortlich sein soll, erläutert Anklagevertreter Thomas Hauburger. «Ein vergleichbarer Fall ist mir nicht bekannt.» Dieser Fall beginnt im vergangenen April im hessischen Gießen mit einem Wohnungsbrand und wird die Ermittler später zu zwei getöteten Frauen in Düsseldorf führen. Bei dem Brand, der den Auftakt zu der mutmaßlichen Mordserie bildet, kann die Feuerwehr zwar die Flammen schnell löschen. Doch für einen 79-Jährigen, einen in der Region bekannten Zauberer, kommt scheinbar jede Hilfe zu spät. Bald aber wird klar: Der Mann kam nicht bei dem Feuer um, er wurde erwürgt.

Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass die Angeklagte das Feuer gelegt hat, um ihre Tat - Mord und Diebstahl eines Laptops - zu vertuschen. Genspuren bleiben am Tatort. Diese Spuren sowie Zeugenaussagen und widersprüchliche Angaben der 35-Jährigen machen sie zur Verdächtigen. Zudem hatte sie den 79-Jährigen, ihren früheren Nachbarn, schon einmal bestohlen. Ansonsten habe die Frau bislang «relativ unauffällig» gelebt, sagt Staatsanwalt Hauburger.

Als die Ermittler die Wohnung der 35-Jährigen durchsuchen, bekommt der Fall eine unerwartete Wendung und deutlich größere Dimension. Sie finden gestohlene EC-Karten und eine Schmuckschatulle, die mit zwei Todesfällen in Düsseldorf zu tun hat. Bei den getöteten Frauen handelt es sich wohl um Zufallsopfer. Die Angeklagte soll dort Anfang Mai 2016 eine 86-Jährige in deren Wohnung überwältigt und mit einem Halstuch erdrosselt haben, um sie auszurauben. Wenig später kommt die 58 Jahre alte Tochter des Opfers hinzu.

Die 35-Jährige überwältigt sie nach Darstellung der Anklage ebenfalls und verabreicht ihrem Opfer Medikamente, damit es die Geheimnummern der EC-Karten preisgibt. Danach soll die Aachenerin die 58-Jährige mit einem Kissen erstickt haben. Zu ihrer Beute gehören neben den EC-Karten auch Schmuck, die Schatulle sowie DVDs von Ärzteserien. Wenig später soll sie mit den Karten an Geldautomaten 130 sowie 90 Euro abgehoben haben.

Neben den Medienvertretern verfolgen am Dienstag auch mehrere Zuschauer den Prozess am Landgericht. Unter ihnen ist ein Mann, der nach eigenen Angaben mit dem 79-jährigen Zauberer mehr als 40 Jahre befreundet war. «Er war für mich wie ein zweiter Vater.» Er kenne auch die Angeklagte. Sie habe für das spätere Opfer eingekauft und sauber gemacht. Was hinter ihren möglichen Taten stecken könne, wisse er nicht. Er hofft, dass der Prozess Antworten liefert.

Das Urteil wird Ende Mai erwartet. Das Gericht plant fast 30 Verhandlungstage und die Befragung von 124 Zeugen. «Es ist ein Indizienprozess. Das heißt, wir müssen eine sehr sorgfältige Beweisführung machen», sagt Staatsanwalt Hauburger. Zumal die Angeklagte zu den Vorwürfen - neben Mord auch Brandstiftung und Computerbetrug - schweigt. Der Prozess wird am 24. Januar fortgesetzt.

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