Nur etwa ein Prozent aller Lehrer in Düsseldorf haben ausländische Wurzeln. Jetzt wird um Nachwuchs geworben.

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Luigi Giunta (links) berät die interessierten Schüler Luciana Russo und Rachid Bazzah.

Luigi Giunta (links) berät die interessierten Schüler Luciana Russo und Rachid Bazzah.

Stefan Arend

Luigi Giunta (links) berät die interessierten Schüler Luciana Russo und Rachid Bazzah.

Düsseldorf. Mehr Migranten in den öffentlichen Dienst - mit dieser Forderung sorgte die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Maria Böhmer(CDU), unlängst für Aufmerksamkeit. Vor allem Lehrer und Erzieher mit ausländischen Wurzeln würden dringend benötigt, da sie mit ihrer spezifischen interkulturellen Kompetenz Brücken zu Kindern und Jugendlichen bauen könnten.

Viele entscheiden sich für ein Studium von Karriere-Fächern

Allerdings weiß niemand genau, wie viele Lehrer mit Migrationshintergrund es etwa in Düsseldorf gibt - aus Datenschutzgründen dürfen solche Informationen nicht gespeichert werden. Edwin Stiller vom NRW-Bildungsministerium schätzt aber, dass der Anteil bei nur etwa einem Prozent liegt. Zum Vergleich: Der Anteil aller Schüler mit Migrationshintergrund liegt in der Stadt bei knapp über 19Prozent. "Das spiegelt sich beim Ausländeranteil in den Kollegien überhaupt nicht wider", bemängelt Stiller.

Die Gründe dafür sind vielfältig: "Nur knapp über zehn Prozent aller Abiturienten sind ausländischer Herkunft", erklärt er. "Und längst nicht alle besuchen anschließend eine Hochschule." Doch nicht allein, dass nur wenige Ausländer ein Studium aufnehmen - sie entscheiden sich meistens auch noch gegen den Lehrerberuf. "Viele fixieren sich auf die klassischen Karriere-Fächer wie Jura, Medizin oder BWL."

Das soll sich ändern. Zum zweiten Mal waren deshalb an diesem Wochenende 30 Abiturienten mit Migrationshintergrund aus ganz NRW eingeladen, sich im Mutterhaus der Diakonie ausführlich über den Lehrerberuf zu informieren. Zahlreiche Mitglieder des Netzwerks "Lehrkräfte mit Zuwanderungsgeschichte" standen ihnen dabei zur Seite, es gab Vorträge, Diskussionen und Workshops rund um den Beruf und den Weg dorthin.

Lehrer mit Migrationsgeschichte können oft besser unterstützen

"Wir brauchen euch", lautete die Botschaft an die Teilnehmer. Mit gutem Grund: "Natürlich müssen wir für alle Schüler Vorbilder sein", sagt Luigi Giunta, Lehrer am Leibniz-Gymnasium. "Doch für viele Schüler mit Migrationsgeschichte ist es wichtig zu sehen, dass man es als Ausländer schaffen kann", fügt Schulleiter Bernd Verfürth hinzu. "Mich haben meine Lehrer massiv unterstützt", erzählt Tolga Salik (20), der 2001 aus der Türkei kam. "Das will ich zurück geben."

Der Schülercampus "Mehr Migranten werden Lehrer" wird durch die Hertie-Stiftung ermöglicht. Vorbild ist ein Konzept der Zeit-Stiftung, die den Campus in Hamburg angeboten hat.

Im Projekt "Lehrkräfte mit Zuwanderungsgeschichte" sind in Düsseldorf derzeit 24 Lehrer vernetzt. Sie setzen sich mit der "Arbeitsstelle zur Förderung von Kindern und Jugendlichen aus Zuwandererfamilien" dafür ein, dass mehr von ihnen den Lehrerberuf ergreifen.

Er möchte vor allem ausländischen Schülern helfen und ist sicher, dass sein Hintergrund dabei von Vorteil sein wird. "Ich habe einen besseren Zugang zu anderen Kulturen, weil ich selbst in einer aufgewachsen bin." So sehen das auch Rachid Bazzah (18) und Luciana Russo(17). "Viele Schüler trennen zwischen Deutschen und Ausländern ", sagen sie. "Da können Lehrer mit Migrationshintergrund leichter auch mal die harten Nüsse knacken."

Das kann Georgia Kotsialou, Lehrerin an der Dieter-Forte-Gesamtschule, nur bestätigen. "Wenn ich jemanden ermahne, kann man mich nicht als ausländerfeindlich beschimpfen", sagt sie. "Ich kann Leistung verlangen, aber oft auch besser unterstützen." Denn sie kennt die Probleme der Jugendlichen aus eigener Erfahrung und ist "eine von ihnen." Kotsialou hofft daher, dass der Schülercampus bei möglichst vielen den "Berufswunsch Lehrer" geweckt hat.

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