In England werden gezielt arme Frauen angeheuert, um mit gefälschten Kreditkarten auf Diebestour zu gehen. 23-Jährige packte aus.

Gericht
Damen-Handtaschen für 11 880 Euro hatte die 23-Jährige rund um die Königsallee mit gefälschten Kreditkarten erbeutet. Donnerstag wurde sie zu einer Bewährungsstrafe von zwei Jahren verurteilt.

Damen-Handtaschen für 11 880 Euro hatte die 23-Jährige rund um die Königsallee mit gefälschten Kreditkarten erbeutet. Donnerstag wurde sie zu einer Bewährungsstrafe von zwei Jahren verurteilt.

Polizei

Damen-Handtaschen für 11 880 Euro hatte die 23-Jährige rund um die Königsallee mit gefälschten Kreditkarten erbeutet. Donnerstag wurde sie zu einer Bewährungsstrafe von zwei Jahren verurteilt.

Düsseldorf. Jade C. saß auf der Anklagebank und weinte bitterlich. Vier Monate lang, seit dem 12. Mai, hatte die 23-Jährige in Untersuchungshaft gesessen. An dem Tag war sie verhaftet worden, weil sie an der Königsallee und an der Benrather Straße sechs Luxus-Taschen mit gefälschten Kreditkarten ergaunert hatte.

Als die Britin bei Prada eine weitere Tasche für 1500 Euro bezahlen wollte, wurden die Angestellten misstrauisch. Bei dem Prozess vor dem Amtsgericht stellte sich heraus, dass Jade C. das kleinste Licht einer Bande ist, die in England gezielt arme Frauen anwirbt, um Diebstähle auf Bestellung ausführen.

Die Angeklagte war ein typisches Opfer. Schon als Fünfjährige hatte Jade C. bittere Armut erfahren und lebte mit ihrem Vater in einem Auto. Trotzdem gelang es ihr, als Kellnerin und später beim britischen Roten Kreuz den Weg in ein bürgerliches Leben zu finden. Anfang 2013 verlor sie ihren Job: „Ich konnte mein Appartement nicht mehr bezahlen und wurde obdachlos.“

Einen Monat lang kam Jade C. bei einem Bekannten unter, das war aber keine Dauerlösung. Der Freund wiederum vermittelte ihr den Kontakt zu einem Mann, der sich „King“ nennt. Er soll sich darauf spezialisiert haben, arme Frauen quer durch ganz Deutschland auf Diebestour zu schicken. Dazu wurden die Damen mit gefälschten Kreditkarten ausgestattet, die ihren Namen trugen. Außerdem bekamen sie „Einkaufslisten“ mit den Artikelnummern der Luxus-Taschen.

Betrügerinnen werden vor dem Einsatz gezielt geschult

Wie die 23-Jährige berichtete, werden die Betrügerinnen vor dem Einsatz geschult: „Ich sollte mich so kleiden, als ob ich gerade von der Arbeit komme. Die Taschen sollte ich mir im Spiegel anschauen, damit klar war, das ich sie für mich haben will.“ Es gab klare Anweisungen, welche Taschen in welchen Geschäften gekauft werden sollten.

Die Staatsanwaltschaft hatte zwei Jahre und sechs Monate gefordert. Dann wäre eine Bewährung ausgeschlossen gewesen. Nun warten auf Jade C. aber noch zwei weitere Verfahren in Frankfurt und München.

Zweimal klappte das auch in Düsseldorf. Taschen im Wert von 11 180 Euro hatte Jade C. schon erbeutet. Beim dritten Mal wurde sie festgenommen. Vorher war sie schon zweimal nach München und Frankfurt gereist. Dort hatte sie ebenfalls teure Taschen für mehr als 10 000 Euro erbeutet.

In Bayern wurden ebenfalls mehrere Frauen festgenommen, die für den „King“ auf Diebestour waren. Von dem Herrn gibt es zwar ein Foto in der Akte, identifiziert werden konnte er von der britischen Polizei jedoch bisher nicht.

Jade C. kam Donnerstag trotz der hohen Schadenssumme mit einem blauen Auge davon: zwei Jahre Haft auf Bewährung. Sie zieht nun zu ihrer Mutter nach England und hat schon eine Ausbildungsstelle als Friseurin gefunden.

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