Kurzgeschichten, ein Nachtstück, ein Abenteuerroman und eine Festschrift – Neuerscheinungen nehmen die Stadt und ihre Dichter in den Blick.

Kurzgeschichten, ein Nachtstück, ein Abenteuerroman und eine Festschrift – Neuerscheinungen nehmen die Stadt und ihre Dichter in den Blick.
Wilhelm Gössmann zum 90. Geburtstag.

Wilhelm Gössmann zum 90. Geburtstag.

Jan Cornelius: Chaplin wird Zweiter.

Bernd Desinger: Arthurs Entführung. Droste Verlag

Grupello, Bild 1 von 3

Wilhelm Gössmann zum 90. Geburtstag.

„Ich spuke nicht in furchtbar unglücklich deutscher Weise, ich spuke vielmehr zu meinem Vergnügen.“ Wie beruhigend. Andernfalls müsste sich der aus Düsseldorf stammende Ich-Erzähler wohl wirklich sorgen. Wenn man nachts in Paris zufällig auf den Friedhof am Montmatre gerät, dann von einer koketten Katze namens Mathilde einer illustren Schar sprechender Vierbeiner vorgestellt wird und sich ein „erschreckend abgemagerter Kater“, gestützt auf eine Art Gehwagen, als „Heinrich, Harry, Henri präsentiert. Alle diese Namen klingen gut, vor allem wenn sie „von schönen Lippen gleiten“ – dann ist das schon ein ziemlicher abstruser Start für eine Geschichte über den Düsseldorfer Dichter, die Heimat im Speziellen und die Welt im Allgemeinen.

„Heines Katzenjammer“ hat der Düsseldorfer Autor und Heine-Kenner Jens Prüss dieses „Nachtstück“ genannt, das im Düsseldorfer Droste Verlag erschienen ist.

Jacques Offenbach trifft auf Heinrich Heine

Er selbst versteht sich als der Ich-Erzähler, der mit Heine in einen launigen Dialog tritt und dabei recht elegant viele Fakten, Zitate und Personen in diese etwas sehr konstruierte Ausgangssituation einfließen lässt. So kommt es auch schon mal vor, dass Jacques Offenbach nach Nachrichten aus seiner Geburtsstadt Köln giert: „Hörens, wat määt d r. Dom. Es hä no fädich?“ Die Reaktion Heines beschreibt Prüss so: „Der struppige Kater lachte bitter. Er hoffe doch, der Dom sei nun ein Pferdestall und die heiligen drei Könige hingen hoch zu Münster am Turm, knurrte er.“ Das Cover des 152-seitigen Büchleins hat Jacques Tilly gestaltet. Bei ihm fährt Heine ordentlich die Krallen aus. (Jens Prüss „Heines Katzenjammer“, Droste Verlag 16,99 Euro)

„Arthurs Entführung“ von Bernd Desinger stammt bereits aus dem Jahr 2012. Der Droste Verlag hat den ersten Teil der Trilogie des Autors, der zudem auch das Filmmuseum in Düsseldorf leitet, nun neu auf den Markt gebracht. Der zweite Band „Der Sturz in den Strom“ und Band drei mit dem Titel „Die Runde der Raben“ werden 2018 folgen. Nun also nochmal „Arthurs Entführung“ in neuer Gestalt. Darin bildet Arthur den Mittelpunkt einer Clique, die gerade am Ende des Studiums steht. Regelmäßig finden Treffen am runden Tisch in seinem geräumigen Apartment statt. Immer dabei sind seine engsten Freunde: Der BWLer Lance, dessen große Liebe Jannifer, der stolze Falk und der hünenhafte Eric. Eines Tages ist Arthur verschwunden, und alles, was die vier Verbliebenen finden, ist ein Brief seiner Entführer mit Reisezielen. Dazu noch eine erhebliche Summe an Bargeld. Und eine Aufgabe: Sie sollen Arthur suchen. „Der Doppelweg“ nennt Desinger seine Fantasy-Trilogie und führt die Leser darin durch viele Länder - nicht zuletzt in die USA, wo Desinger selbst eine Zeit lang gelebt hat. (Bernd Desinger „Arthurs Entführung“, Droste Verlag 16,99 Euro)

Eigentlich wartet Jan Cornelius immer noch auf das Vorwort von Ephraim Kishon. Mit diesem Namen könne man verkaufen, was der Düsseldorfer Autor und Satiriker in seinen kurzen Geschichten über Gott und die Welt erzählt, so meinte einst ein wissender Verleger. Dass der vor mehr als zehn Jahren verstorbene Kishon noch etwas für „Chaplin wird Zweiter“ tun kann, ist wohl eher eine Glaubensfrage. Auf dem Markt ist das 200 Seiten zählende Werk nun auch ohne ihn. Und das Vorwort hat Cornelius selbst geschrieben und mit dieser Anekdote geschmückt. Der im rumänischen Banat geborene Schriftsteller und Kulturjournalist lebt seit 1977 in Düsseldorf. Seine Muttersprache ist Deutsch.

Geburtstagsband feiert die Facetten eines Heine-Experten

Gerne seziert der Ich-Erzähler in den gesammelten Kurzgeschichten, die Titel wie „Bei Anruf Mord“ tragen, die kulturellen Auffälligkeiten der einen und der anderen. „Als ich nach meiner Ausreise in Düsseldorf landete und von hier aus meine ersten Telefonate in Deutschland tätigte, kapierte ich überhaupt nicht, wieso der Angerufene mich jedes Mal nach Abnehmen des Hörers seinen Nachnamen wissen ließ. Ich litt doch nicht an fortgeschrittener Demenz und wusste immer noch haargenau, wen ich da gerade angerufen hatte.“ (Jan Cornelius „Chaplin wird Zweiter“, PalmArtPress 19,90 Euro)

Den Heine-Experten Wilhelm Gössmann, langjähriger Germanistik-Professor an der Heine-Universität und Vorsitzender der Heine-Gesellschaft, feiern Weggenossen zu seinem diesjährigen 90. Geburtstag mit dem Band „Ach, diese schöne Stunde bleibt / Mir ewig unvergeßlich“, herausgegeben von Karin Füllner und Monika Salmen und erschienen im Grupello Verlag. In kurzen Beiträgen erscheint Gössmann als Didaktiker, als Schriftsteller und auch er selbst kommt mit einem Rückblick und mit „Ich als Heine-Leser“ zu Wort. Das „Einstehen für innere Unabhängigkeit“ nennt er einen Grund, warum ihn dieser Dichter so fasziniere. Als Belege führt er seine Lieblingstexte an: „Deutschland. Ein Wintermärchen“ und das „Buch Le Grand“ aus den „Reisebildern“, darin vor allem die Düsseldorf Kapitel. (Wilhelm Gössmann, Herausgegeben von Karin Füllner und Monika Salmen „Ach, diese schöne Stunde bleibt Mir ewig unvergeßlich.“ Wilhelm Gössmann zum 90. Geburtstag, Grupello Verlag, 12,90 Euro)

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