Im Rat soll heute die Vergabe für den ersten Bauabschnitt erfolgen. Im Schauspielhaus diskutieren Bürger die Pläne für Teil 2.

„Provinziell“: Gudrun Hock (SPD) wettert weiter gegen den Kö-Bogen.
„Provinziell“: Gudrun Hock (SPD) wettert weiter gegen den Kö-Bogen.

„Provinziell“: Gudrun Hock (SPD) wettert weiter gegen den Kö-Bogen.

„Provinziell“: Gudrun Hock (SPD) wettert weiter gegen den Kö-Bogen.

Düsseldorf. Am Mittwoch wird der seit Monaten tobende Streit um das Großprojekt Kö-Bogen wohl ein vorläufiges Ende finden: CDU und FDP werden im nicht-öffentlichen Teil der Ratssitzung die Vergabe für den ersten Bauabschnitt (Bebauung Jan-Wellem-Platz, Achse Kö-Hofgarten, Autotunnel) an die Projektentwickler Developer mit Stararchitekt Daniel Libeskind durchsetzen.

Scharfer Protest kam am Mittwoch noch einmal von der SPD. Bürgermeisterin Gudrun Hock nannte die Pläne "provinziell und bürgerfeindlich" und warnte zudem erneut vor einem finanziellen Desaster für die Stadt: "Angesichts der Finanzkrise und der überhaupt nicht ausreichenden Bankbürgschaft von 120 Millionen Euro muss man ernsthaft befürchten, dass hier bald eine Bauruine steht. Oder dass es nur um ein Spekulationsobjekt geht", sagte Hock. Meint: Die SPD zweifelt weiter an der Finanzkraft der Marktneulinge von Developer.

Harsch kanzelte auch der von Hock hinzugebetene Gerhard Curdes, Ex-Professor für Städtebau, die Baupläne ab: "Von Libeskind hätte man mehr erwarten dürfen als diese Auftürmung von Baumassen mit einer bloß unterhaltsamen Fassade."

Besonders stört indes Hock wie Curdes das Verkehrskonzept: "Es ist angesichts des Klimawandels absolut anachronistisch. Anstatt Verkehr, wie etwa in London, zurückzudrängen, wird er hier mit den Autotunneln noch vermehrt und beschleunigt", schimpfte Curdes, und: "Da kann man fast nur noch hoffen, dass die Finanzkrise dem ganzen Spuk ein Ende macht."

Kö-Bogen II: Friedliche Diskussionen im Schauspielhaus

Sachlicher und ruhiger werden unterdessen die Pläne für den Kö-Bogen II (Fall des Tausendfüßlers, Bebauung von Tuchtinsel, Gründgens- und Martin-Luther-Platz) im Foyer des Schauspielhauses diskutiert. Vornehmlich ältere Düsseldorfer schreiten die acht Modelle und Stellwände der Teams ab - und kommentieren sie, mündlich oder schriftlich.

Mehr Grün, weniger Verkehr, nicht so klobige Bauten, das wünschen sich viele. So wie Volker Staegemann: "Der Tunnel muss weiter in den Norden gezogen werden, damit der Hofgarten grün zusammenwächst."

Den anwesenden Architekten gefällt das Interesse: "Erstaunlich ist, dass die Leute hier sehr friedlich sind, auch in ihrer Kritik", sagt Andrea Schmeing vom Düsseldorfer Büro "Eller+Eller". Kein Wunder, schließlich setzen sie besonders auf die Freiraumplanung mit viel Grün.

Fabian Storch vom Kölner Büro KSP Engel und Zimmermann, stellt fest, "dass sich viele Leute extrem gut auskennen: Die fragen dann: Und wie kann ich bei ihrem Entwurf mit dem Fahrrad von A nach B kommen?"

Bis Mitte März können die Teams noch Anregungen einarbeiten, Anfang April kürt die Jury den Sieger. Die Ausstellung im Schauspielhaus ist noch bis Sonntag (10-18 Uhr) geöffnet.

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