Neues Angebot für Insassen der JVA. Statt der üblichen Arbeitstherapie, werden jetzt Häkelmützen hergestellt.

Martin Baer ist der Leiter der Arbeitstherapie der JVA. Hier zeigt er ein Produkt aus der Schreinerei.
Martin Baer ist der Leiter der Arbeitstherapie der JVA. Hier zeigt er ein Produkt aus der Schreinerei.

Martin Baer ist der Leiter der Arbeitstherapie der JVA. Hier zeigt er ein Produkt aus der Schreinerei.

Martin Baer ist der Leiter der Arbeitstherapie der JVA. Hier zeigt er ein Produkt aus der Schreinerei.

Melanie Zanin, Bild 1 von 2

Martin Baer ist der Leiter der Arbeitstherapie der JVA. Hier zeigt er ein Produkt aus der Schreinerei.

Düsseldorf. Kahle Betonwände, Gitter vor den Fenstern und der Ausblick auf einen umzäunten Hof: So sieht das Leben in einem Gefängnis meistens aus.

Doch in der Justizvollzugsanstalt Düsseldorf (JVA) bringen die Insassen jetzt mehr Farbe in ihr Leben – es wird gehäkelt. Und nicht irgendetwas: Die Insassen häkeln jetzt Boshi-Mützen.

Die Idee dazu hatte Kristina Wiese. Sie arbeitet in der Arbeitstherapie der JVA. „Ich habe zu Hause mal probiert, so eine Mütze zu häkeln. Da habe ich gemerkt, dass das gar nicht so schwer ist. Ich wollte das dann unbedingt mal mit den Häftlingen ausprobieren“, sagt sie.

Besonders beliebt sind die Häkelmützen mit Bommeln

Bei der Arbeitstherapie gehe es grundsätzlich darum, die Häftlinge wieder an das normale Leben zu gewöhnen. „Die Insassen brauchen auch hier eine Aufgabe und einen geregelten Tagesablauf“, sagt der Leiter der Arbeitstherapie, Martin Baer.

Vor vier Wochen startete das Projekt. Mittlerweile hat sich die Mitarbeiterzahl von zwei auf acht erhöht. „Mir haben das andere Insassen empfohlen und es macht Spaß. Besonders gerne häkele ich die Mützen mit Bommeln“, sagt ein Häftling.

Die Justizvollzugsanstalt Düsseldorf liegt knapp auf Ratinger Gebiet und wurde im Februar 2012 eröffnet.

Zu den Sicherheitsvorkehrungen gehört eine fünf Meter hohe Mauer, ein Ordnungszaun im inneren Sicherheitsbereich mit Bewegungs- und Berührungsmeldern und Kameraüberwachung im Außenbereich.
 

Bis zu 855 Insassen kann die JVA aufnehmen. Das Strafmaß reicht dort von einem Monat bis hin zu lebenslänglich.

 Etwa 300 Angestellte arbeiten in der JVA Düsseldorf.

Die gehäkelten Mützen der Insassen kosten zwischen 18 und 24 Euro, je nach Modell. Interessierte Privatkunden oder Firmenkunden können sich bei Martin Baer unter Telefon 93 88 29 20 melden. Die Mützen sind im übrigen ab sofort auch im Internet erhältlich.

Ein anderer Insasse mag die längeren Mützen lieber: „Ich mag den Papa-Schlumpf-Style“, sagt er. Auch die Vorstellung das Projekt auszuweiten schreckt die Häftlinge nicht ab. „Ich kann mir gut vorstellen, auch stricken zu lernen, um Pullover herzustellen“, sagt ein Insasse.

Das Projekt wurde zuerst belächelt

Zuerst sei das Projekt auf wenig Verständnis gestoßen. „Viele haben gedacht, das sei ein Scherz. Wir wurden von allen Seiten ausgelacht, aber jetzt kommen immer mehr Insassen, die mitmachen wollen“, sagt Wiese.

Ein Grund dafür sei, dass sich der Erfolg bei dieser Arbeit so zügig einstelle. „Man lernt das wirklich ziemlich schnell. Und es ist natürlich sehr motivierend, dass hier so viele Bestellungen eingehen. Jetzt sind alle Feuer und Flamme“, sagt sie.

Besonders freut sie sich darüber, dass das Projekt die Kreativität der Insassen fördert. „Die entwickeln hier einen richtigen Ehrgeiz und lernen ständig neue Muster oder erfinden selbst welche“, sagt sie.

Das profane Häkeln von einfachen Mustern genüge ihnen daher nicht mehr. Auch die Geschwindigkeit habe enorm zugenommen: „Die sind mittlerweile so schnell geworden, mir geht die Wolle aus.“

Unter dem Titel „Knastmasche“ läuft das Projekt jetzt auf unbestimmte Zeit. „Wir fertigen auch Maßanfertigungen für Privatpersonen an“, sagt Baer. Das gilt nicht nur für die Häkelmützen. Auch die Schreinerei und die Schlosserei der JVA fertigen nach Maß für Privatkunden.

Aber nicht nur das: Die Insassen erledigen auch Lohnarbeiten wie das Verpacken von Waren oder kleinere Montagearbeiten für externe Firmen. „Für die Firma justspices zum Beispiel bauen wir Gewürzmühlenhalterungen und Geschenkboxen. Mittlerweile hat die Schreinerei ganz gut zu tun, wir haben da aber noch Kapazitäten“, sagt Baer.

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